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Nachholbedarf für Deutschland bei der Digitalisierung

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Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

„Die Digitalisierung erreicht uns irgendwann alle“

Verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am vergangenen Dienstag, den 12.04.2016 auf dem Forschungsgipfel 2016 in Berlin. Wirtschaft und Gesellschaft sollten die kontinuierlich in den Alltag vordringende Digitalisierung als Chance begreifen und diese aktiv fördern. Doch nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft sollten sich angesprochen fühlen, als wesentlichen Treiber sieht die Bundeskanzlerin auch die Wissenschaft. Diese soll laut Merkel „Mitnahme-Arbeit“ leisten und die Annäherung bei den Themen digitale Technologie (Big Data) oder dem Robotereinsatz vorantreiben.

Regierung will und muss Rahmenbedingungen verbessern

Obwohl sich die Mensch-Maschine-Beziehung rasant entwickelt, mangelt es dennoch an der positiven Grundeinstellung in vielen Bevölkerungsschichten. Des Weiteren sei der Standort Deutschland für viele Startups nicht attraktiv genug. Bei der Start-up-Förderung hätten „London und Paris gewaltige Schritte nach vorn gemacht, was dort möglich ist, sollte auch bei uns möglich sein“, so die Kanzlerin. Laut Merkel will und muss sich die Regierung folglich dieser Problematik annehmen, da die geringe Zahl von Internetfirmen für Deutschland einen Nachteil darstellt. Ein Grund dafür ist beispielsweise die zerfurchte Telekommunikationslandschaft in Deutschland. Dies führe auf europäischer Ebene zu Defiziten im Vergleich mit Asien und USA. Weiter sieht Merkel die Regierung in der Pflicht, die Rahmenbedingungen in dem Sektor automatisierte und vernetzte Mobilität zu verbessern.

Verlässlichkeit der Finanzierung steht

Immerhin hatte die Bundeskanzlerin auch ein kleines Lob über, da man sich dem Ziel von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Forschung und Entwicklung „ganz gut genähert“ hätte. Momentan werden zwar 2,9 Prozent des BIP für den Bereich Forschung und Entwicklung investiert, viele Experten schätzen das jedoch als noch zu wenig ein.

Digitalisierung als Universum an Möglichkeiten verstehen

Auch Vorstandschef Dieter Zetsche (Daimler) forderte mehr Mut von den Sektoren Politik, Wissenschaft und Wirtschaft: „Gerade in Zeiten der digitalen Revolution gilt: Der Weg des geringsten Widerstandes ist oft der gefährlichste. Gerade jetzt haben wir ein ganzes Universum an Möglichkeiten vor uns – auch wenn manche die Digitalisierung als Bedrohung für unsere Branchen betrachten.“

Wo bleibt der Mittelstand?

Subjektiv betrachtet gehen einem Vorstandschef eines weltweit agierenden Unternehmens wie Herrn Zetsche solche Äußerungen leichter von den Lippen als einem Mittelständler. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) betrugen bei Daimler im Jahr 2014 insgesamt 5.650.000.000 €. Damit steht Daimler auf Platz 14 im Top 50-Ranking der weltweit führenden Unternehmen nach Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Europäische Kommission). Zum Vergleich, laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geben lediglich 40 % der deutschen Maschinenbauer an, kontinuierlich Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu tätigen. 15 % tätigen gelegentlich Ausgaben im Bereich F&E und satte 45 % der deutschen Maschinenbauer haben 2014 keinerlei Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung getätigt.

Großteil des Mittelstands verfolgt den digitalen Wandel nicht mit der erforderlichen Intensität

Auch der Veranstalter des Forschungsgipfels, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften und die Expertenkommission Forschung und Innovation stellt in dem aktuellen Jahresgutachten 2016 fest, „dass ein Großteil des Mittelstands den digitalen Wandel noch nicht mit der erforderlichen Intensität verfolgt“ und dass Deutschland bei der Förderung des Wachstumssektors Serviceroboter oder bei der Nutzung digitaler Chancen für Firmen und Verwaltungen nicht bestmöglich aufgestellt sei. Tatsächlich stehen laut der Unternehmensberatung Deloitte bei rund 48 % der Mittelständler lediglich 1-5 % des Umsatzes jährlich für Projekte zum Thema Industrie 4.0 zur Verfügung. Grund ist sicherlich die hohe Investitionsunsicherheit. Keiner kann garantieren, ob bzw. wann sich die Investitionen refinanzieren. Aus diesem Grund forderte die Kanzlerin: „Die großen Zugpferde müssen den Mittelstand mitnehmen“. Als Maßnahme sollen bspw. vom Wirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentren vor Ort kleinen Unternehmen unter die Arme greifen, sodass auch diese testen und dazulernen können.

Wo sind wir also top? Wo gibt’s Nachholbedarf?

Es ist ergo nicht verwunderlich, dass selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel den Status Deutschlands bei der Digitalisierung nicht ganz einordnen kann. „Auch mir ist noch nicht klar, wo sind wir hier top, wo müssen wir Wissen dazukaufen und wie verweben wir das“.

Dennoch konnte die Kanzlerin abschließend auch Positives wie die Entwicklung im Bereich Industrie 4.0 und die deutsche High-Tech-Strategie aufzeigen und machte Mut für die Zukunft Deutschlands: „Ich würde ganz einfach sagen, die Schlacht ist noch nicht geschlagen“.

 

Textquellen:

Handelsblatt.de, dpa: 2016, abgerufen 28.04.2016

delloite.com, Reker, J.: 2013, abgerufen 28.04.2016

Horizont.net, dpa: 2016, abgerufen 28.04.2016

statista.net, European Commission: 2016, abgerufen 28.04.2016

statista.net, BMBF: 2016, abgerufen 28.04.2016

Bildquelle: © pixabay.com / Fotograf: WikimediaImages

 

 

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