MuK-Blog der SRH Fernhochschule – The Mobile University

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Online Marketing Agentur

Wie selbsternannte Online Marketer die Werbung zerstören

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Die Phase, in der Start-Ups wie Pilze aus dem Boden schossen, neigt sich dem Ende zu. Die Zahl der Neugründungen geht zwar zurück, es gibt sie aber weiterhin, insbesonders Online Marketing Agentur ist der neuste Trend. Generell sind Start-Ups etwas Gutes, sie werden auf mehreren Ebenen auch von der Bundesregierung/EU gefördert und auch die Selbstständigkeit an sich ist für viele der richtige Weg.
Nach vielen gescheiterten Start-Ups möchte man meinen, dass die neuen Entrepreneure etwas gelernt haben. Doch wenn man sich die Art und Weise der, insbesonders, Online-Produktvermarktung ansieht, scheinen die meisten sich keine Gedanken mehr zur Zielgruppe, Unternehmenswerten oder Strategie zu machen.

Jeder ist heutzutage ganz zufällig Experte in der Branche, in der er sein Produkt verkaufen will

Ein Produkt für alle anzubieten, funktioniert in den meisten Fällen nicht, es braucht eine Konkretisierung. Aber nicht nur die Kunden, auch die äußeren Einflüsse müssen beachtet werden. Welche Faktoren sind ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg? Wovon hängt (als konkretes Beispiel) die Online Marketing Agentur im Inwelt- und Umweltbezug ab? Welche Vision habe ich?
Der Fokus liegt heutzutage leider nicht mehr auf diesen grundlegenden Dingen, sondern darauf, wie man möglichst schnell möglichst viel des eigenen Produkts/der Dienstleistung verkaufen kann. Auf Wettbewerber wird nicht geachtet, jeder bezeichnet sich heutzutage als „bestes Start-Up/Profi für ABC-Produkte deutschlandweit!“.

Besonders das „Marketing“ ist zum Gruseln. Und das, obwohl der Titel „Online Marketing Agentur“ ja viel verspricht. Da wird nicht mehr überlegt, wie eine Strategie aufgebaut werden kann, was denn eigentlich die Werte des Unternehmens sind, die sich ja auch im Marketing widerspiegeln sollen, das ist heute alles völlig egal. Wer braucht schon richtige Markenkommunikation und eine Werbestrategie?!

Die Glaubwürdigkeit ist vor allem in der Werbung und internen sowie externen Unternehmenskommunikation verloren gegangen.

Die Online Werbung ist vor allem eins: aufdringlich und unangenehm

Online Marketing wird als DER Hit dargestellt, ein bisschen PPC-Marketing hier (Pay-per-Click, also Bezahlung pro Klick auf das Werbebanner), etwas Social-Media-Marketing da und natürlich SEO und fertig ist die perfekte Werbung!
Besonders im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, Unternehmensgründung (mit Fokus Online Marketing Agentur) und „Healthy Living“ ist eine destruktive Entwicklung für die gesamte Online Werbung zu sehen, die nach folgendem Schema funktioniert:

Zuersteinmal ist es GANZ WICHTIG, dass man dem Kunden mit etwas Wissen „for free“ den Eindruck gibt, dass man ihm wirklich nur helfen will, um ihm dann am Ende das Coaching für 1738€ anzudrehen. Mit Verlaub: ich könnte jedesmal brechen, wenn ich so etwas Bescheuertes sehe.

Die Werbung ist nicht nur unangenehm, weil sie aufdringlich ist, sondern wird durch Selbstdarstellung bestimmt. „Schaut her, ich habe früher so ausgesehen und sehe jetzt so aus!“ oder auch „Ich habe 89 Unternehmen gegründet (genaue Namen gibt es natürlich nicht), außerdem kann ich mir ungefähr ALLES leisten, ich bin also nicht nur cool, sondern auch reich (ergo bewunderungswert und glaubwürdig)!“ und weiter wird besonders in der Branche der Unternehmensgründung immer wieder folgendes eingesetzt: „Wenn du nicht sehen kannst, dass mein Zustand erstrebenswert ist und nur Selbstständigkeit der einzig wahre Weg ist, dann bist du leider fremdbestimmt, du bist gefangen in den Strukturen des 9-to-5-jobs, solche Menschen tun mir Leid, aber sie können nichts dafür, dass sie so etwas einfach nicht erkennen können.“

Wenn du kein Rebell bist, wirst du niemals erfolgreich sein

Viel trauriger ist aber, dass es noch genug Menschen gibt, die auf eben so etwas reinfallen. 15-jährige, die sich von Youtubern einlullen und sich erzählen lassen, dass man keine Ausbildung braucht, schließlich ist das sowieso nur für Loser, die nicht aus den Strukturen ausbrechen wollen. Und um etwas zu erreichen, MUSS MAN ein Rebell sein, anders funktioniert das schließlich nicht. Gerne wird dabei immer angeführt, dass auch Bill Gates und Steve Jobs ihr Studium abgebrochen haben/rausgeworfen worden sind (letzteres wird aufgrund der Drastigkeit meistens lieber verwendet). Das mag stimmen, allerdings handelt es sich um eine Universität wie Harvard und nicht die nächste Uni in Pusemuckeldorf.
Den gleichen 15-jährigen werden dann Produkte verkauft, für die sie ihr gesamtes Taschengeld investieren & danach genauso schlau sind wie vorher. Denn aufbauend auf den Produkten braucht man natürlich eine persönliche Betreuung, die einen noch weiter bringt und einiges an Mehrwert bietet (denn durch die Produkte kommt man ja nur bedingt voran), also musst man auch noch ein persönliches Coaching kaufen. Die nächsten Euros zum Fenster heraus geworfen. Denn eines können diese Coaches besonders gut: dich begeistern, dir glaubhaft machen, dass sie 30 Jahre Erfahrung haben und dass du am Ende mit einem Mehrwert nach Hause gehst, den du sonst nirgendwo gefunden hättest.

(Kleiner Tipp am Rande: all‘ dieses Wissen kann man nicht nur umsonst bekommen, sondern sogar viel tiefer verinnerlichen, wenn man es sich selbst erarbeitet. In der Bibliothek gibt es 90% der Bücher und in der heutigen Zeit kann man so ziemlich alles online finden.)

Und auch, wenn ich jetzt einige enttäuschen muss: selbst die Produktbewertungen und Rezensionen sind erstunken und erlogen. Es gab schon Videos dazu, die dazu raten, einfach Bewertungen zu faken und ich habe selbst einmal erlebt, wie für Rezensionen von „Kunden“ Bilder aus dem Internet genommen oder einfach Freunde/andere Unternehmer gefragt und sich ein Text ausgedacht wurde.

Das Schlimmste, neben der ganzen Verarsche und dem Geld-aus-der-Taschen-ziehen, ist aber der Narzissmus und die Selbstgefälligkeit der Gründer. Sie glauben es sich tatsächlich selbst, wenn sie sagen: „Ich will dir nur helfen! Ich hätte damals so gut Tipps gebrauchen können und ich möchte es DIR leichter machen! Dafür gebe ich dir auch echt super viel Wissen umsonst und ein Coaching kostet nur 899€, ich meine, dass ist doch kein Preis! Überleg‘ mal, was du dafür alles bekommst, jahrelange Erfahrung und Tipps aus der Praxis, ich meine, ich habe schließlich selbst eine super erfolgreiche Online Marketing Agentur/Akademie/whatever! Und wenn du noch 300€ drauflegst, wirst du sogar persönlich von mir betreut, also wenn das kein Mehrwert ist!“ Fun Fact: der Großteil der Lebensläufe sind gelogen. Wo soll man schon nachprüfen, ob derjenige wirklich so erfolgreich war? Wer wäre so dreist und würde da schon lügen?

Der Impulskauf

Ausgenutzt wird im Rahmen dieser Online-Werbung besonders der Impulskauf.

Online Marketing Agentur

© Muk-Blog.de/Stocker, K. (eigene Darstellung: „Online Marketing Agentur/Impulskauf“)

Im ersten Schritt ist das meistens einfach nur ein mehr oder weniger informativer Beitrag. Wer darauf geklickt hat, dem wird auch ein ähnlicher Artikel dazu angezeigt, der auf dem ersten aufbaut und „konkretere“ Informationen vermitteln soll (übrigens immer noch solche, die man selbst nachlesen kann und für die man keinen „Experten“ braucht, der bekannte Infos als sein Wissen ausgibt). Daraus folgt das Anzeigen eines niedrigpreisigen Produkts, wodurch du das gerade Gelernte noch verbessern kannst. Ist natürlich ein Bullshit-Produkt, dass dir am Ende keinen wirklichen Mehrwert bietet, ihn dir aber vermitteln soll. Auf niedrigpreisig folgt natürlich? Richtig! Hochpreisige Produkte. Abgestuft, damit die Hemmschwelle des Kaufens möglichst niedrig bleibt. Eben das sind dann die teuren Produkte, bei denen die persönliche Betreuung dazu kommt, die nicht jeder bekommt und deshalb sind das auch „streng limitierte“ Produkte, die innerhalb der nächsten 48h 17Min 9Sec ablaufen oder für nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zugänglich sind.

Dass sich der Kaufentscheidungsprozess und die psychologischen Muster dahinter zu Nutze gemacht werden – geschenkt. Passiert schließlich auch im Kaufhaus. Diese Betrüger-Intention dahinter, das Wegfallen jeglicher Moral, dass sich keine Gedanken zu „richtiger“ Werbung gemacht werden, diese Fixierung darauf, Geld zu machen, koste es, was es wolle – das alles macht es dumm, unerträglich und zerstörerisch.

Zerstörerisch deshalb, weil der Werbeüberdruss nun auch online immer weiter zunimmt, genau durch solche „Online Marketing Agentur Wannabes“, durch unangenehme, oberflächliche Werbung. Menschen werden genervter von Werbung, sie wird nur als Manipulation zum Kauf unnötiger Produkte/Dienstleistungen angesehen.

Werbung ist viel mehr als Manipulation

Dabei kann Werbung so schön sein, so kreativ und cool! Durchdacht, gemünzt auf ein Ziel bzw. eine Zielgruppe. Werbung, kann uns bewegen und uns zum Nachdenken anregen, uns zum Schmunzeln oder Lachen bringen. Werbung kann richtig gut sein, uns beeindrucken und mit einer Marke oder einem Unternehmen verbunden fühlen lassen, weil wir das Gefühl bekommen: „Ja, die verstehen mich! Und ich verstehe sie!“. Werbung, die nicht schreit „Kauft unser Produkt, es ist das Geilste!“

Es muss besonders im Online Bereich und bei der Vermarktung von Infoprodukten wieder mehr dahinter geschaut werde, wieso Menschen Begeisterung entwickeln, wie sich Emotionen ansprechen lassen, wie nachhaltige Werbung kreiert werden kann, von der auch noch in 10 Jahren gesprochen wird.

Lucky Strike als best practice Beispiel

Und manchmal geht es wirklich auch darum, Menschen zu erreichen und zu begeistern und nicht unbedingt JEDEM das Produkt zu verkaufen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Lucky Strike“, die auf jahrelang gute Werbung zurück blicken können (eine Zusammenstellung findet ihr hier) und zumindest in meiner Familie trotzdem keinen Nichtraucher zum Raucher gemacht, sondern einfach mit guter Werbung unterhalten haben.*

Neue Unternehmensgründer, besonders im Anwendungsbereich des Online Marketings sollten sich wieder mehr mit den klassischen Werten der Werbung befassen, mit Archetypen (ein sehr unterschätzter Bereich!), mit Unternehmens- und Werbestrategien und vor allem mit Menschen. Und zwar nicht, wie sie diese geldtechnisch auf dem besten Wege ausbeuten können.

 

 

*Scheint übrigens dennoch auch bezüglich des Gewinns gut funktioniert zu haben, denn der Tabakkonzern, zu dem auch LS gehört, hat gerade den Konkurrenten Reynolds American, die die Marke Camel führen für 50 Milliarden Dollar gekauft.

Bild: © pixabay.com/geralt

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