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Film-terview: Drehbuchautor Jeffrey Dorchen

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Film-terview

Im neusten Segment des MuK-Blogs, Film-terview , stelle ich ab sofort die verschiedensten Departments und Menschen aus ihnen vor, die es braucht, um einen Film Realität werden zu lassen. Dabei dreht es sich nicht nur um die Funktion dieser Menschen im Filmbusiness, sondern auch um die persönlichen Ansichten und Erfahrungen, die mit ihren Jobs einhergehen.

Szene Eins: Der Drehbuchautor

Eine Idee allein macht noch keinen Film. Sie muss ausgearbeitet und in eine vollständige Geschichte beziehungsweise ein Drehbuch verwandelt werden und so startet unsere Reise bei einem Job im Filmbusiness, der nicht direkt als „Department“ zu bezeichnen ist, denn Drehbuchautoren sind in den meisten Fällen freischaffend. Den passenden Interviewpartner habe ich in der wahrscheinlich größten Ideenschmiede unserer westlichen Welt gefunden, in Hollywood selbst. Dort, wo Träume wahr werden können, die Konkurrenz jedoch groß ist und man sich jeden Tag aufs Neue beweisen muss.

Rede und Antwort zu Job und Leben im verrückten „Lalaland“ stand mir nun der Autor Jeffrey Dorchen in einem schriftlichen Interview.

Film© Muk-Blog.de/Hardt, E. (2013)

Der Mitte 50-jährige aus Detroit stammende „Wahl-Angeleno“ startete seine Schriftstellerkarriere in Chicago, wo er 20 Jahre lang Theaterstücke schrieb, bis er einsehen musste, dass er trotz hoher Anerkennung seinen Lebensunterhalt hiermit nicht weiter bestreiten konnte und es keine weiteren Aufstiegschancen gab.

Daraufhin nutzte er das Angebot eines alten Freundes, sich ihm in Los Angeles anzuschließen, wo die beiden seither als „writing partners“ ihre Ideen gemeinsam zu Papier bringen.

Einen typischen Tag beschreibt Jeffrey wie folgt: „Ich stehe gegen 8 Uhr auf, mache mir meinen Kaffee und Frühstück und wasche mich. Dann gehe ich um 10 Uhr zum Haus meines Schreibpartners, wo sich unser Büro befindet und wir uns Tagesziele setzen. Oft arbeiten wir gemeinsam an einer Szene oder getrennt an der gleichen Szene, wonach wir die besten Ideen beider Ansätze verwenden und in das Skript einarbeiten. Gegen sechs Uhr abends verdiene ich mir dann ein bisschen Bares bei einem Zweitjob dazu oder mache etwas Vergnüglicheres.“

Neben der Arbeit als Drehbuchautor schreibt Jeffrey unter anderem Essays für eine politisch linksgerichtete Radioshow, ist Produzent einer monatlich stattfindenden Plattform für Autoren und malt in seiner Freizeit kleine Bilder mit Gouachefarbe.

Obwohl das Leben als Drehbuchautor in L.A. nicht einfach zu sein scheint, möchte er nach eigenen Angaben, das was er hat mehr schätzen lernen. Diese Aussage schafft eine gute Verbindung zu seinem wahrscheinlich größten Vorbild Edgar Allen Poe: „Er hatte ein elendiges Leben und war körperlich in schlechter Verfassung dies zu ertragen und dennoch erschuf er solch wunderschöne, emotional berührende Geschichten. Ich wünschte ich hätte eine weniger tragische Figur als Inspiration.“

Die größte Hürde in Jeffs eigener Karriere war bislang jedoch nicht wie man vielleicht vermuten mag das harte Hollywood-Business, sondern er selbst, seine Faulheit, Angst, Wut und eine schlechte Einstellung, wie er sich eingesteht.

Um dem entgegenzuwirken und ein guter Autor sein zu können ist seiner Ansicht nach „der Mangel an Einsamkeit“ eins der wichtigsten Elemente. „Du brauchst Gesellschaft. Du brauchst Unterstützung. Du brauchst Freunde.“

Seinem jüngeren Ich und anderen angehenden Autoren würde er außerdem ans Herz legen: „Beständigkeit ist der Schlüssel. Mach weiter, gib nicht auf, bleib am Ball, aber nur, wenn es dir wirklich Freunde bringt. Wenn nicht, such dir einen anständigen Job.“

Gerade durch seinen früheren Job am Theater bringt ihm die Zusammenarbeit mit Kollegen an einem Film die meiste Freude, besonders, wenn sich hierbei eine kreative Eigendynamik, durch unterschiedliche auf ein gemeinsames Ziel gerichtete Ideen, entwickeln kann.

Auf meine Frage, mir eine Sache im Filmbusiness zu nennen, die er gerne ändern oder verbessern würde, erklärte er: „Ich mag die generellen Annahmen nicht, die Leute darüber haben, was gut oder was kommerziell ist. Jedes Jahr gibt es ein neues Modewort, wie ‚Das ist zu episodisch’, oder […] ‚niemand will eine Latina-Frau in so einer Rolle sehen’. Es schränkt die Imagination ein und limitiert die Auswahl, die Zuschauer haben. Die Dinge ändern sich mit der Ausweitung des TV-Multiversums. Leider lernen nicht all diejnigen, die entscheiden, welche Shows produziert werden die Lektion, dass Vielfalt und Vorstellungskraft von den Zuschauern geschätzt werden. Risiken sind gut, wenn es die richtigen Risiken sind.“

Bemerkenswert an Jeffrey Dorchen ist seine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Selten sucht er die Schuld für ausbleibenden Erfolg bei anderen, sondern arbeitet kontinuierlich an sich selbst und seinen eigenen Ansichten. „Ich lerne an der Herausforderung mit Leuten umzugehen, die meiner Meinung nach schreckliche ästhetische Auffassungen haben, mehr Gefallen zu finden. Zu lernen, sich eher zu amüsieren, statt von der Clownerie anderer genervt zu sein und im sozialen Sinne zu improvisieren, ist ein wichtiger Schlüssel zum Leben und in einer Branche wie dem Drehbuchschreiben zu existieren.“

Die einzige bisher vollendete Filmproduktion „Basmati Blues“, bei der Jeffrey Dorchen als Drehbuchautor fungierte wird hoffentlich noch dieses Jahr in die Kinos kommen. Auf die Realisation dieses Projekts, in der unter anderem Oscargewinnerin Brie Larson, Donald Sutherland und Utkarsh Ambudkar zu sehen sein werden, ist er sehr stolz und so wünsche ich ihm viel Erfolg mit der Veröffentlichung des Films und allen noch kommenden Projekten.

Mehr zu Basmati Blues findet ihr auf IMDb.

Artikelbild:© Muk-Blog.de/Hardt, E. (2017)

Autor: Emely Hardt

Emely hat vor ihrem Fernstudium an der Srh eine Tanzausbildung in London und Wien absolviert, landete nach einigen Theaterengagements jedoch über Umwege bei der Filmproduktion. Nachdem sie bereits an zwei internationalen Filmprojekten maßgeblich beteiligt war und nebenbei beginnt eigene Projekte zu entwickeln und produzieren , will sie das flexible Fernstudium nutzen, um sich eine größere Bandbreite an nützlichem Fachwissen anzueigenen und den Fußstapfen ihres verstorbenen Großvaters als Produzent etwas näher zu kommen.

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