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DOK.fest

Das 32. internationale DOK.fest 2017 in München

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Die Eröffnung des 32. internationalen DOK.fest

Gestern, am 3. Mai 2017, war ich für euch bei der Eröffnung des 32. internationalen DOK.fest in München.

Auf was wir uns in der Zeit bis zum 14. Mai freuen dürfen, was den Dokumentarfilm in der heutigen Zeit unter anderem so relevant macht und eine kurze Kritik zum Eröffnungsfilm „Dream Empire“ erhaltet ihr hier!

Über das DOK.fest

Die gestrige Eröffnung fand um 20 Uhr im deutschen Theater statt und wurde von Maya Reichert moderiert.

Das 1985 gegründet DOK.fest spricht nicht nur ein sehr breites Publikum an, sondern gehört inzwischen zu den wichtigsten Dokumentarfilmfesten in Europa und gewinnt auch weltweit immer mehr an Bedeutung.

Ganze 17 Spielorte sind dieses Jahr Teil des Festivals, geben 157 Filmen aus 45 Ländern eine Bühne und färben München in seine zum DOK.fest gewohnte, orangene Farbe.

In  3 Hauptwettbewerbskategorien wird außerdem jedes Jahr der Festival-eigene Preis „VIKTOR“ verliehen, dessen Jurys bei der Eröffnung ebenfalls anwesend waren. Die Retrospektive wird dieses Jahr Georg Stefan Troller gewidmet.

Die Eröffnungsreden

Herr Anton Biebl, Stellvertreter des Kulturreferenten, war der erste Redner an diesem Abend und bezeichnete das Festival als Glücksfall für die Stadt. Er betonte, dass „gerade in den politisch bewegten Zeiten, die wir jetzt haben, dem Dokumentarfilm eine große politische und gesellschaftliche Aussagekraft zukommen kann.“ Insbesondere, wenn „ein Politikstil in vielen Ländern um sich greift, der lieber mit Vorurteilen regiert, als mit ehrlicher, inhaltlicher Auseinandersetzung.“

„Der Dokumentarfilm dagegen scheut sich nicht in die Tiefe zu gehen. Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt, ergründet ihre Geschichten, appelliert an Herz und Verstand und leistet dadurch Aufklärung und fördert Empathie.“

Klaus-Peter Potthast, der Ministerialdirigent des bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, wies im Anschluss auf die diesjährigen Zusatzangebote, „das Doc Forum, Masterclasses, Panels und Workshops und das DOK.fest Virtual Reality Popupkino vor der Pinakothek“ hin. Diese Events sollen neue kreative Anreize bieten und in Zukunft als Rahmen für das Festival an Relevanz gewinnen.

Betont hat er in seiner Rede außerdem, dass bei betrachten des Programmhefts bereits sichtbar würde, wie attraktiv das DOK.fest für Produzenten und Filmemacher aus aller Welt geworden sei und liefert als Beispiel Mexiko: „eine unterschätzte Filmnation im Schatten des großen Bruders USA.“

Ergänzend bewertete Herr Potthast ebenfalls positiv, wie der Dokumentarfilm es mühelos schafft, „dass das politische im privaten aufscheinen kann, mal subtil, mal überdeutlich.“

Dass Dokumentarfilme wieder stark an politischer Relevanz bei uns gewonnen haben, war auch in Daniel Sponsels Rede, dem künstlerischen Leiter und Geschäftsführer des Festivals zu erkennen.

So folgte auch er seinen Vorrednern, kam nicht umhin sich politisch zu äußern und erntete für folgende Aussage Beifall: „Die Würde des Menschen ist unantastbar und das ist unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht und sollte auch für Menschen gelten, die mir bei der Begrüßung vielleicht nicht die Hand geben, weil sie in ihrem Kulturkreis das nicht gewohnt sind.“

Außerdem stellte er sich die Frage „was unsere europäische Identität ausmacht“, denn in seinen Augen rückt die Werte Gemeinschaft bei der jetzigen Debatte zu sehr in den Hintergrund, Handel und Wachstum stehen dagegen im Fokus. Das muss sich wieder ändern. „Das Versagen der Solidarität in der EU bei der Flüchtlingsfrage ist wirklich eklatant und das gilt es auch hoffentlich irgendwann zu korrigieren.“

Der Dokumentarfilm wurde letztendlich als effektives Mittel gegen Populismus und „Fake News“ bewertet. Hier schienen sich alle Redner mehr als einig zu sein.

Abschließend dankte Daniel Sponsel den vielen Förderern, allen voran der Stadt München und dem Freistaat Bayern, die in enger Zusammenarbeit den Etat für das DOK.fest dieses Jahr erhöhen konnten.

Über den Eröffnungsfilm „Dream Empire“

DOK.fest© Muk-Blog.de/Hardt, E. (2017)

Die schier unmöglich erscheinende Realität, dass In China 2012 so viel Beton verbaut wurde, wie im gesamten 20sten Jahrhundert in den USA, erweckt beim Zuschauer gleich zu Beginn staunen und Kopf schütteln zugleich.

David Borenstein nimmt uns in seiner 73-minütigen Dokumentation „Dream Empire“ mit in die Welt von Yana Yang, einer jungen, optimistischen Chinesin, die ausgezogen ist, um in Chongqing eine Agentur zu gründen, bei der man Ausländer für sogenannte „White Monkey Gigs“ buchen kann.

Das Real Estate Business in China boomt, in immer mehr einst ländlichen Gegenden sprießen die Luxusimmobilien geradezu aus dem Boden. Das eigene Heim, der Traum eines jeden Chinesen. Die Wertigkeit eines Ortes wird oft an ihrer Internationalität gemessen und hier kommt Yanas Agentur zum Einsatz: Bei Immobilien-Präsentationen werden die von ihr gebuchten Ausländer zur Schau gestellt. Ob als vermeintlich bekannte westliche Band, als Models oder afrikanische Tänzer. Die bloße Anwesenheit der Exoten gaukelt den potentiellen Käufern eine wesentlich größere Attraktivität der Gegenden vor und belebt die neuerbauten Städte für kurze Zeit effektiv.  Für die „Foreigners“ ist es schnell verdientes Geld, zu ihnen zählt auch Borenstein selbst, der trotz seiner durchschnittlichen musikalischen Fähigkeiten als gefeierter Klarinettist angepriesen wird.

Der Film scheint anfangs sehr skurril, sorgt für viele Lacher, aber lässt den Zuschauer so glaubhaft in diese uns ferne Welt eintauchen, dass man zwar über die Situationen, nicht aber ihre Protagonisten selbst lacht. Durch die aktive Partizipation und Erzählweise des Regisseurs wird uns eine nachvollziehbare Perspektive geboten, die uns die Wünsche und Träume von Yana und ihrem Umfeld verständlich näher bringt.

Erst wenn der Real Estate Boom anfängt zu stagnieren und die Fassade dieser Scheinwelt zu bröckeln beginnt, zweifelt auch Yana an ihrem Tun und der Sinnhaftigkeit dahinter. Sie vollzieht im Film einen Wandel. Einst die optimistische Agentin, wirkt sie in der zweiten Hälfte des Films glücklos und nachdenklich. Sie lässt den Regisseur und die Zuschauer mehr und mehr an ihren Gefühlen teilhaben, öffnet sich in ihrer Verzweiflung geradezu und offenbart eine vorher nicht dagewesene Seite an sich und über die Abgründe ihrer Arbeit.

Mehr soll an dieser Stelle gar nicht verraten werden, da der Film wirklich sehenswert ist und uns unter anderem auch anregt über allgemeinere Fragestellungen nachzudenken, wie: Wie definieren wir Glück und Wohlstand? Was glauben wir? Was möchten wir glauben? Was wird uns glaubhaft gemacht? Und hilft das, was mich selbst voran bringt auch meinem Umfeld oder füge ich anderen damit sogar schaden zu?

Im Nachgespräch mit David Borenstein und Yana Yang erfuhren wir, dass der Film bereits vor Start in China für eine große Bandbreite an Diskussionen sorgt. Der nun in Dänemark lebende US-Amerikanische Regisseur, der 5 Jahre in China verbrachte und fließend Mandarin spricht, ist mit dem Film „Dream Empire“ in der Kategorie DOK.international nominiert und hat gute Chancen den mit 10.000 Euro dotierten „VIKTOR“ mit nach Hause zu nehmen.

Mehr Infos über das DOK.fest, die Filmtrailer und das Programm findet ihr auf der offiziellen Website!

Autor: Emely Hardt

Emely Alexandra Hardt entschied sich, dank eines Vollstipendiums, während ihrer Arbeit als Tänzerin und Choreografin, für ein Fernstudium an der Srh Riedlingen. Sie war bereits an internationalen Filmproduktionen, unter anderem mit Oscar Preisträgerin Brie Larson und Donald Sutherland, beteiligt und gründete im Mai 2017 ihre eigene Produktionsfirma "Smart Hardt". Zusätzlich absolviert sie von April bis Juli ein Praktikum im In-House Producing der Constantin Film München. Emely pendelt regelmäßig zwischen Regensburg, München und L.A. und möchte im Filmgeschäft als Creative Producer Fuß fassen.

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