MuK-Blog der SRH Fernhochschule – The Mobile University

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Kellerkinder gegen Krebs – Shitstorm löst Massenspende aus

In der Nacht auf den 28. März 2018 zeigte sich wieder einmal, wozu das Internet im Stande ist. Mehrere Tausend Menschen – in erster Linie User des Imageboards Pr0gramm – spendeten zugunsten der deutschen Krebshilfe. Grund dafür war ein Artikel von „Journalist“ und Sicherheitsexperte Brian Krebs, welcher die Identität der Seitenbetreiber offenlegte. Der Shitstorm gegen Krebs nahm jedoch eine drastische Wendung und führte dazu, dass die Internetseite der deutschen Krebshilfe kurzzeitig zusammenbrach.

gegen Krebs

Quelle: Screenshot / Rudolph, M.

 

Brian Krebs hat es sich zur Aufgabe gemacht gegen Internetkriminalität vorzugehen. So stieß er bei seiner Recherche über die Krypto-Mining Software „Coinhive“, auf die Bilderplattform pr0gramm[dot]com (nsfw/nsfl). Dominique Szablewski ist sowohl Entwickler des Tools, als auch Mitgründer der Website. Er durfte den Prototyp von „Coinhive“ also dort testen.
In seinem Artikel „Who and What is Coinhive“ macht Krebs jedoch nicht nur die Identität von Szablewski öffentlich, sondern auch Daten von aktuellen Beschäftigten. Hiervon sind jedoch viele anscheinend nicht beteiligt, noch wissen sie von den Umständen. Nutzer von Pr0gramm befürchten nun das Aus der Plattform.

 

gegen Krebs

Brian Krebs veröffentlichte die Identität von einigen Mitarbeitern der Plattform „Pr0gramm“

Quelle: Screenshot / Rudolph, M.

Willkommen im Reich der Kellerkinder

„Willkommen im Reich der Kellerkinder, wo die Sonne niemals scheint.“
So lautet die erste Nachricht die man erhält, wenn man sich auf Pr0gramm anmeldet. Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Um der Community beizutreten, muss man entweder von einem Mitglied eingeladen werden, oder jährlich eine Gebühr von 29 Euro zahlen. Dies soll vor allem verhindern, dass die falschen Leute Zugriff auf den, nicht massentauglichen Content erhalten.

Vergleichbar ist Pr0gramm mit Seiten wie „9Gag“ oder „4chan“. Teilnehmer können Bilder und Videos hochladen oder rebloggen. Ein Punktesystem gibt es wie bei seinen Geschwisterseiten auch. Pr0gramm hingegen ist jedoch bekannt für seinen äußerst schwarzen Humor, „leicht“ rechts angehauchte User und Beiträge, die an die Schmerzgrenze gehen. Die richtig krassen Sachen bekommt man jedoch nur zu sehen, wenn man angemeldet ist und den NSFW/NSFL (Not Safe For Work / Not Safe For Life) -Filter ausstellt.
Zu raten ist das jedoch nicht, wie der Artikel von Brian Krebs nun deutlich macht.

 

Krebs ist scheiße

Als am 27.3.18 die Nachricht über den Artikel die Runde machte, brach zuallererst ein gewaltiger Shitstorm über den Journalisten herein. Die User der Plattform machten ihren Unmut auf diversen Social-Media-Kanälen kund. Die Angst, die Plattform könnte außer Betrieb genommen werden, war deutlich zu spüren. So tat sich die Community zusammen, um gegen Krebs vorzugehen. Eine Welle von Beschimpfungen bis hin zu bösartigen Drohungen gelangen an den Mann.

Gegen Abend jedoch, nahm die Situation eine großartige Wendung. Um auf ihre Weise gegen Krebs vorzugehen, spenden die User „BassT87“ und „Xari“ an die deutsche Krebshilfe. BassT87 lädt einen Screenshot seiner Spende auf die Plattform und betitelt diesen mit den Worten:

„Ich hab den Rummel um Herrn Krebs mal zum Anlass genommen, meinen Teil gegen Krebs beizutragen. Vielleicht macht der ein oder andere es ja (statt dem drölftausendsten Meme) ja nach…“.

Was dies lostreten würde, hatte er allerdings nicht erwartet. gegen KrebsIn der Nacht auf den 28. März 2018 erreichten die deutsche Krebshilfe über 4000 Spenden. Ganze 103.000 Euro wurden überwiesen. Die Hashtags #Krebsiscancer und #Krebsistscheiße nehmen Plattformen wie Twitter und Co. an diesem Tage ein. Die Aufrufe der Internetseite der deutschen Krebshilfe stiegen drastisch an. Durch den Ansturm stürzte die Seite nach kurzer Zeit ab. Dies hielt die Krebs-Gegner jedoch nicht vom Spenden ab. Auch andere Organisationen, zum Beispiel in Österreich oder in der Schweiz, erhielten großzügige Geldbeträge.

Bis zum 30. März wurden insgesamt knapp 11.000 Spenden gezählt, rund 300.000 Euro erreichten sämtliche Organisationen.

Etwas so positives aus reiner Wut zu schaffen – die Pr0gramm-Community kann stolz auf sich sein!

Quelle: Screenshot / Rudolph, M.

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