„Wir brauchen keine Eier – wir haben Pferdeschwänze!“

„Wir brauchen keine Eier – wir haben Pferdeschwänze!“

Jetzt in diesem Moment wurde das Achtelfinale der Fußball-WM der Frauen abgepfiffen: Deutschland spielte gegen Nigeria und gewann 3:0.
Keine Rakete und keine Knaller sind bei mir hier in Berlin zu hören…

Hand aufs Herz: Wie viele von Ihnen wussten, dass heute das Achtelfinale stattfindet?!

Die Weltmeisterschaft der Frauen im Fußball findet im Zeitraum vom 07. Juni bis 07. Juli 2019 statt und wird in Frankreich ausgetragen. Wenn man von der Fußball-WM der Männer sprechen würde, müsste man solche Daten nicht erst erwähnen – denn gefühlt ganz Deutschland würde diese Daten im Schlaf kennen!

Obwohl es sich um dieselbe Sportart und auch um denselben Rang handelt, um welchen die Sportler/innen kämpfen, gibt es doch gravierende Unterschiede, die sich wohl auf das Geschlecht der Spieler bzw. Spielerinnen zurückführen lassen.

Um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Es finden kaum merkbar Verabredungen zum gemeinsamen Gucken der Spiele statt. Es wird kaum diskutiert, welche sommerliche Location sich wohl für die Verfolgung der Spiele am besten eignet. Ein Meer von Örtlichkeiten mit Public viewing? – Fehlanzeige!
  • Auch sind wenige bis fast keine Werbeartikel und Winkelemente in Einkaufszentren und Supermärkten zu vernehmen.
  • Gibt es bei Ihnen ein Tippspiel im Freundes- oder Kollegenkreis?
  • Man spricht einfach nicht so über die Fußball-WM der Frauen wie es bei den Männern der Fall ist!

Summa summarum: Von einem „WM-Frauen-Fußball-Sommer-Märchen 2019“ ist noch nicht mal ein Ansatz in Deutschland zu vernehmen!

Ich habe in einem Artikel vom Spiegel eine Statistik gesehen, die als Quelle auf das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey verweist:

Auf die Frage

Wie oft verfolgen Bundesbürger Fußballspiele der Frauen im Fernsehen oder im Stadion?“

gaben 55,8% an nie Spiele zu sehen;

32,1% gucken eher selten zu. Die nächsthäufigste Antwort war eher häufig und kam auf einen Wert von 8,4% (Quelle: Spiegel, Civey).

Ob es wohl den Spielerinnen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an Rückhalt von Deutschland fehlt?!

Wussten Sie, dass Ada Hegerberg (sie gilt als beste Spielerin der Welt und gewann den Ballon d’Or) nicht mit ihren norwegischen Mannschaftskameradinnen bei der WM mitspielt, da es ihr nicht passt, dass die Fußballerinnen deutlich weniger Geld verdienen als ihre männlichen Kollegen?! (Quelle: DIE WELT)

Genau diese Aspekte und noch mehr Vorurteile greift der Spot von der deutschen Frauen-Nationalelf und der Commerzbank auf.

Ich bin zuerst durch eine Instagram-Story von einer Freundin darauf aufmerksam geworden und fand die Machart mit der ironisch-sarkastischen Art sehr ansprechend. Die Kernaussage wird jedem Zuschauer klar!

Der Spot wird im Netz mit Schlagzeilen wie „Selbstironischer Werbespot macht Schluss mit Vorurteilen“ oder „Pferdeschwanz statt Eier“ angeteasert. Da ich sicher bin, dass ihn einige noch nicht gesehen haben, lege ich Ihnen sehr ans Herz, sich diesen zu Gemüte zu führen:

Videoquelle: Youtube: Commerzbank AG

Die Commerzbank verbirgt sich hinter dem 90-sekündigen Spot und ist – wie es zum Schluss des Spots heißt – SUPERSTOLZER Partner der Frauen-Nationalmannschaft und spricht damit ganz klar die immer noch herrschenden Vorurteile an.

Ich finde diese Kreation mehr als gelungen und wünsche, dass sich dieser in noch größerer Berichterstattung niederschlägt sowie die Gesellschaft nun endlich – analog zu den Männer-Sportarten – auch Gefallen an Frauen-Sportarten findet.

Hier noch ein Link zu weiterführenden Informationen, z. B. zum deutschen Kader, den weiteren Spielzeiten und näheren Informationen zu den Spielerinnen: https://de.fifa.com/womensworldcup/.

Viel Erfolg noch, Ladies!
Holt den Titel zum dritten Mal nach Hause!

PS: Heute um 21:00 Uhr spielt Norwegen gegen Australien 😉.

Bildquelle: pixabay.de / ein Bild von Ganossi