Bingen: Hat das Streamen Suchtpotenzial?

Viele fragen sich jetzt wahrscheinlich: „Was ist das denn für eine Frage? Natürlich hat das Suchtpotenzial“. Denn Hand aufs Herz: jeder von uns hat schon einmal für eine Serie Tag und Nacht geopfert. Doch in diesem Artikel geht es nicht um das Suchtpotenzial, wie es tagtäglich beschrieben wird, sondern um ein Suchtpotenzial ähnlich wie dem solchen bei Alkohol oder anderen Drogen.

Vor kurzem haben wir die Empfehlung für die besten Serien eines Serien-Marathons veröffentlicht. So haben wir z.B. beschrieben, dass es 3,82 Tage dauert, um die Serie Modern Family zu schauen. Wahrscheinlich zaubert das dem einen oder anderen grad ein Lächeln auf das Gesicht, denn wer würde es überhaupt schaffen, eine Serie ohne Unterbrechung 3,82 Tage lang anzuschauen? Und diejenigen, die nun schmunzeln und solche Aktionen schon einmal erlebt haben: keine Sorge, so etwas kann mal passieren.

Was bedeutet Bingen?

Binge kommt aus dem englischen und bedeutet so viel wie das Gelage. Vielleicht kennen einige die Bezeichnung Binge Drinking, was im Deutschen als Komasaufen bezeichnet wird. Somit ist direkt erkennbar: Bingen ist nicht unbedingt positiv. Studien zeigen, dass Binge Watching unteranderem im Zusammenhang mit Depressionen und sozialen Ängsten steht. Somit kann einer der Gründe für Bingen z.B. die fehlende soziale Bindung der betroffenen Person sein. Denn Serienmarathons lenken von der Realität und somit der wahren Situation ab.

Im Gegensatz zu anderen Drogen, die ein Suchtpotenzial auslösen können, ist es bei exzessivem Streamen einfacher, an die Droge zu kommen. Denn für ein paar Euro im Monat und wenigen Klicks, wird, ohne sich zu bewegen, die Sucht gestillt.

Was passiert während des Bingens?

Doch was genau passiert beim Bingen? Hierbei handelt es sich um anspruchsvolle Neuropsychologie. Kurz gefasst: bei dem Gedanken daran, zu einem späteren Zeitpunkt die Lieblingsserie zu schauen, springt das Belohnungssystem im Gehirn an und es wird Dopamin ausgeschüttet – es kommt somit zur Vorfreude. Doch auch während des Schauens wird weiterhin Dopamin ausgeschüttet. Gefällt der Person die Serie, kommt es gleichzeitig auch noch zur Ausschüttung von Serotonin. Es entsteht also ein Wohlgefühl mit gleichzeitiger Belohnung.

Wann wird Bingen zu einem Problem?

Es ist jedoch zu beachten: Bingen führt nur zu einem Problem, wenn damit z.B. aus dem Alltag geflohen wird. Bleibt die Hausarbeit liegen oder wird die Steuererklärung nicht mehr gemacht, sondern lieber eine Serie geschaut, ist das zu Anfang kein Problem. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass solche Situationen nicht tagtäglich stattfinden. Denn jeder hat schon einmal lieber seine Serie geschaut, als die Hausarbeit bearbeitet. Aufatmen, das ist also keine Sucht. Laut WissenschaftlerInnen sind drei Indikatoren wichtig, um ein Problem zu definieren:

1. Die hohe Mediennutzungsdauer

2. Ob die Mediennutzung in Konflikt mit alltäglichen Aktivitäten kommt und somit zu Problemen führt

3. Ein problematisches Nutzungsverhalten tritt nur dann auf, wenn Entzugserscheinungen auftreten

Es zeigt sich direkt: klar definiert ist die Streamingsucht/Internetsucht nicht. Denn z.B. eine „hohe Mediennutzungsdauer“ ist individuell zu interpretieren. Zudem spielen auch andere Faktoren mit ein, um eine Sucht im Bezug auf Streaming zu definieren. So neigen Personen mit Risikofaktoren wie Depressionen, depressiven Verstimmungen, einer schwach ausgeprägten Emotionsregulationskompetenz und sozialen Ängsten eher dazu zu Bingen.

Die Forschung bezüglich Bingen läuft aktuell noch. Es zeigt sich jedoch: Suchtpotenzial hat exzessives Streamen tatsächlich. Allerdings lebt der Großteil der Personen, die Binge Watchen, in einem gesunden Verhältnis zwischen dem Alltag und dem Eintauchen in eine andere Welt durch Serien.

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Quellen: Wissen Weekly, mdr

Lisa Hauck

Schreiben fiel Lisa schon immer leicht. Bereits in der Schule konnte sie sich Texte aus dem Ärmel ziehen. Doch mit Beginn des Bachelors in Agrarwissenschaften förderte sie zunächst eine andere Leidenschaft. Erst bei einem Praktikum in einer Werbeagentur für den Agrarbereich flammte die Liebe zum Schreiben wieder auf. Der Vorteil: Die Agentur ist auch als Redaktion aktiv – ein Glücksgriff. Um die Praxis mit Theorie zu unterstützen, hat sie sich für den Studiengang an der SRH entschieden.