Was bedeutet eigentlich „Cancel Culture“?

Mittlerweile hat ein jeder den Ausdruck „Cancel Culture“ schon einmal zu hören bekommen. Besonders in der medialen Weltöffentlichkeit gewinnt das neue Modewort an Beliebtheit. Eine Definition laut dem Sprachlexikon Duden ist bisher jedoch noch nicht zu finden. Lange wird dieser Eintrag allerdings nicht mehr auf sich warten lassen.

Der Ausdruck kommt aus den USA und bedeutet so viel wie „jemanden auslöschen/ausradieren/canceln/“, aber auch „Streich- bzw. Abbruchkultur“. Besonders prominente Personen oder Gruppen werden in den sozialen Netzwerken „gecancelt“ und sollen damit weitestgehend nicht mehr dort auftauchen. Unter dem Begriff „Cancel Culture“ lassen sich jedoch verschiedene Handlungen verstehen. Zum einen kann es das simple Blocken eines Accounts auf Twitter sein, zum anderen aber auch das Absagen einer komplett geplanten Kulturveranstaltung. Es wird also sichtbar, dass der Begriff eine Vielzahl an Handlungen widerspiegeln kann. Der Begriff wird besonders als politisches Schlagwort bezeichnet und oft im Zusammenhang gegen linke Politiker genutzt.

Prominente stehen besonders im Fokus, da vermeintliches Fehlverhalten sichtbar und demnach angreifbar ist. „Cancel Culture“ versucht dieses falsche Verhalten öffentlich zu ächten. Dies kann nach einer Aussage erfolgen, die als sexistisch, diskriminierend oder rassistisch gilt. In den sozialen Netzwerken wird folgend zu einem Boykott dieser Person aufgerufen.

Wie und wann entstand der Begriff?

Entstanden ist das politische Schlagwort im Jahr 2014. Anfänglich als Spaß gemeint, wurde auf Twitter bezüglich anderer Personen über „das Canceln dieser Person“ gesprochen. Gab es eine Meinungsverschiedenheit, schrieb ein anderer „diese Person ist für mich gecancelt“. Manche Personen sehen den Ursprung des Schlagwortes in einer Szene des Films New Jack City von 1991.

Selina: You’re a murderer, Nino. I’ve seen you kill too many people, Nino.

Nino: Cancel that bitch. I’ll buy another one.

Quelle: New Jack City (1991)

Aus dieser Filmszene entwickelte sich der Ausdruck „You’re canceled“. Aus dem Spaß auf Twitter entstand schnell Ernst. Marginalisierte Gruppen riefen unter dem Hashtag #CancelCulture zum Boykott für Personen auf, die derer Meinung nach Unrecht begangen hätten.

Beispiele für „Cancel Culture“

Es gibt zahlreiche und sehr unterschiedliche Beispiele für „Cancel Culture“. So z.B. der Hollywood-Klassiker Vom Winde verweht aus dem Jahr 1939. Dieser spielt während des Bürgerkriegs in den 1860er-Jahren in den USA. Folglich behandelt er die Sklaverei und „verharmlose diese“. Der Film wurde zeitweise „gecancelt“. Die Plattform HBO nahm des Film raus und ergänzte ihn durch entsprechende Hinweise.

Auch die bekannte Autorin Joanne K. Rowling wurde im Jahr 2020 „Opfer“ der „Cancel Culture“. Nachdem sie ihre Meinung bezüglich des Themas Geschlechtsidentität veröffentlichte, wurde sie der Transphobie beschuldigt und boykottiert.

Passend zu dem Thema „Cancel Culture“: hier gibt es ein Pro und Contra der NDR Redaktion.

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Lisa Hauck

Schreiben fiel Lisa schon immer leicht. Bereits in der Schule konnte sie sich Texte aus dem Ärmel ziehen. Doch mit Beginn des Bachelors in Agrarwissenschaften förderte sie zunächst eine andere Leidenschaft. Erst bei einem Praktikum in einer Werbeagentur für den Agrarbereich flammte die Liebe zum Schreiben wieder auf. Der Vorteil: Die Agentur ist auch als Redaktion aktiv – ein Glücksgriff. Um die Praxis mit Theorie zu unterstützen, hat sie sich für den Studiengang an der SRH entschieden.