Wie Meghan und Harry die Macht der Emotionalisierung genutzt haben

Stärker als die Macht der Medien ist die Macht der Emotionalisierung in der Kommunikation. Das haben Meghan und Harry im Interview mit Oprah Winfrey veranschaulicht. Im Folgenden werden die Emotionalisierungsaspekte des Interviews beleuchtet und erklärt. Darüber hinaus zeigt der MuK-Blog, welches Ausmaß Emotionalisierung nehmen kann.

Prinz Harry, Herzog von Sussex und Mitglied der britischen Königsfamilie, hat am 19. Mai 2018 die US-Schauspielerin Meghan Markle geheiratet. Letztere ist vor allem durch ihre Rolle als Anwaltsgehilfin Rachel Zane in der Serie „Suits“ bekannt (diese könnt ihr euch bei Interesse auf Netflix ansehen). Im Januar 2020 hat das Paar beschlossen, von seinen Verpflichtungen als Senior Royals zurückzutreten und gemeinsam nach Kanada zu ziehen. Außerdem wollten Meghan und Harry nach einem zwölfmonatigen Übergang finanziell unabhängig werden. Dieser Bruch mit dem Rest der Königsfamilie wurde als „Mexit“ (Komposition aus Meghan und „exit“ zu Deutsch „Ausgang“) bezeichnet. Da dieser Entschluss am 19. Februar 2021 seitens des Königshauses als endgültig verkündet wurde haben Meghan und Harry zugestimmt, ein Interview bei Oprah Winfrey, einer beliebten US-amerikanischen Talkshow-Moderatorin zu geben. Diese war auch Gast auf ihrer Hochzeit gewesen.

Meghan und Harry bei Oprah Winfrey: Worum ging es

Das Paar hat den Anlass des Interviews dazu genutzt, über das Leben im Buckingham Palace, die Institution der Monarchie und Probleme im Rahmen dessen zu sprechen. Alles mitsamt Aspekte, die seinen Ausstieg nur bestärken sollten. Aber es wurden seinerseits Gerüchte und Missverständnisse aufgeklärt, wie beispielsweise der Vorfall, weswegen ihre Schwippschwägerin Catherine sie zum weinen gebracht hat und der Ausgang dieses Vorfalls. In dem zirka 1 Std. 30 Min. war Meghan zunächst alleine vertreten. Harry hat sich erst gegen Ende des Interviews nach zirka 1 Std. 11 Min. angeschlossen.

Meghan zunächst alleine mit Oprah
Quelle: Eigener Screenshot

Genauere Inhalte des Interviews waren Meghans Einstieg in das adelige Leben. Sie hat erzählt, dass sie Harry nicht aufgrund seines Titels geheiratet hat und ferner nicht wusste, dass er ein Prinz ist. Auch war ihr die Königsfamilie bis zum Zeitpunkt des Treffens mit der Queen kaum bekannt. Im Zuge dessen, wurde ihr auch beigebracht, wie sie vor der Königin knicksen soll. Weitere Themen waren ihre Hochzeit und das Leben im Palast. Darüber hat sie berichtet, dass sie ein unterdrücktes Leben im Schweigen geführt hat und ihr sämtliche wichtige Dokumente wie der Führerschein und Reisepass genommen wurden. Die Gefühle, die sie im Zuge dessen beschrieben hat, waren Schutzlosigkeit. Dies kam auch beim Thema ihres Sohnes Archie zum Ausdruck. Um ihn hieß es, dass er keinen adeligen Titel bekommen sollte und dass seine Hautfarbe während der Schwangerschaft ein großes Thema sein sollte.

Die Unsicherheit und der Druck der Öffentlichkeit haben den Aspekt des Selbstmords zur Sprache gebracht sowie einen Vergleich zu Diana. Mit Harry wurde zudem besprochen, wie sehr sie sich von der Familie im Stich gelassen gefühlt haben. Nicht zuletzt waren die rechtzeitige Ankündigung des „Mexit“ und die zweite Schwangerschaft Themen des umfassenden Interviews.

Das Interview von Meghan und Harry: Die Aspekte der Emotionalisierung

In Medien- und Kommunikationswissenschaften ist Emotionalisierung ein wirksames Werkzeug, einen Rezipienten zu erreichen. Dies ist gerade bei Werbespots ein gern genutztes Mittel. Im Folgenden werden euch die einzelnen emotionalisierenden Aspekte des Interviews nochmal aufgelistet:

Meghan und Harry im Beitrag der amerikanischen Harper's Bazaar.
Quelle: Eigener Screenshot
  • Rassismus (im Rahmen von Archies Hautfarbe): Spätestens seit der „Black Lives Matter“-Bewegung anlässlich des Mordes an George Flyod ein weltweit sensibles Thema. Vor allem mit Hinblick auf die dunkelhäutige Gesellschaft.
  • Selbstmord (Meghans Selbstmordgedanken, der genaue Wortlaut: „Ich wollte nicht mehr am Leben sein.“): Dies ist ein allgemein sensibles Thema in der Gesellschaft und wird allgemein als letzter Ausweg der suizidgefährdeten Person als Folge von Verzweiflung angesehen. Häufig werden dabei Menschen adressiert, vorsichtig zu sein, nicht der Grund dafür zu werden.
  • Tränen (Der Vorwurf an Catherine, Meghan zum weinen gebracht zu haben): Eine starke Form des Ausdrucks von Gefühlen. Die Gesellschaft empfindet grundsätzlich Sympathie und Mitleid mit dem Opfer.
  • Unterdrückung (Leben im Palast): Das Gefühl sich wie Gefangene im Palast zu fühlen.
  • Der Vergleich zu Diana von Wales (der frühe Tod): Diana genießt den gesellschaftlichen Titel „Königin der Herzen“. Sie war die meistfotografierte Frau, wohltätig engagiert und eine Ikone der Medien. Mit ihr werden Konflikte während ihrer Ehe mit Prinz Charles assoziiert, ihr früher, plötzlicher und schockierender Tod und Herzlosigkeit seitens des Königshauses.
  • Kinder (Archie): Kinder sind unschuldige Wesen, die sich nicht selbst zu wehren wissen. Darüber hinaus sind sie süß und unwiderstehlich im Großteil der Gesellschaft.
  • Schwangerschaft (die aktuelle Schwangerschaft): Meghan hat während des Interviews immer wieder ihren schwangeren Bauch gestreichelt und das Geschlecht des Kindes verraten. Das sensibilisiert, weil Schwangere eine besondere Rücksicht in der Gesellschaft genießen. Ungefähr zeitgleich zum Interview wurden Fotos auf dem Instagram-Kanal der amerikanischen Modezeitschrift Harper’s Bazaar veröffentlicht.
  • Einsamkeit (im Stich gelassen): Es wird als Unfair empfunden, wenn sich eine Mehrheit gegen zwei Menschen mit einfachen Bedürfnissen stellt.

Shitstorm, Morddrohungen und Co.: Die Macht der Emotionalisierung

Es geht nicht darum, den Wahrheitsgehalt oder die Glaubwürdigkeit dies Interviews in diesem Artikel abzuschätzen, denn das können letztendlich nur die Beteiligten selbst. Sondern um aufzuzeigen, welches Ausmaß gerade die ausschlaggebenden Aspekte der Emotionalisierung genommen haben.

Dennoch bleibt offensichtlich, dass das Interview ein durchgehend schlechtes Licht auf die Königsfamilie wirft (auch wenn die Queen und ihr Mann ausdrücklich abgegrenzt werden von den negativen Ereignissen), während Meghan und Harry Sympathie von der breiten Masse ernten. Dies geht so weit, dass in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram nahezu ein Krieg der Fangemeinden herrscht (wenn ein schlechtes Wort über die eine Partei fällt) und Gegner*innen von Meghan direkt als „herzlos“ beschimpft werden. In Bezug auf die Königsfamilie hatten die Enthüllungen von Meghan und die Emotionalisierung auch große Auswirkungen. Catherine erhält Morddrohungen, Fotografen verfolgen sie bei Schulgängen und die Leute schreien sie an, sie habe Meghan zum weinen gebracht.

Meghan und Harry Emotionalisierung Auswirkung.
Aus der Facebook-Seite „Catherine, Duchess of Cambridge“. Veröffentlicht am 11. März. Quelle: Eigener Screenshot

Vorsicht mit Emotionalisierung

Emotionalisierung kann, wie wir gesehen haben, ein gravierendes Ausmaß haben, das zur Eskalation neigt. Dennoch ist ein Konflikt immer ein zweischneidiges Schwert. Denn es gibt immer mindestens zwei Parteien mit berechtigten Standpunkten. Auch fernab der Medien sollte, Vorsicht geboten sein, wenn Ausdrücke wie „Selbstmord“ oder „Rassismus“ fallen. Diese sollten nicht leichtfertig als Druckmittel genutzt werden, die eigene Seite zu bestärken. Genauso ist Rücksicht bei einer Schwangerschaft zwar immer eine Tugend. Für Schwangere ist sie jedoch kein Freifahrtschein dafür, sich die Gesellschaft zu Nutze zu machen. Viele Frauen verbergen ihre komplette Schwangerschaft sogar in der Öffentlichkeit. Es ist keinesfalls verwerflich seitens unbeteiligten Personen, zunächst einen Wahrheitsgehalt in einem Konflikt zu überprüfen und sich beide Seiten anzuhören. Dann man immer noch anfangen, Schlussfolgerungen zu ziehen und Schuldige zu suchen. Zudem sollte der Umgang mit Personen des öffentlichen Lebens im kontrollierten Rahmen bleiben. Darauf hat der MuK-Blog hier bereits aufmerksam gemacht.

Das gesamte Interview könnt ihr euch hier in der Originalsprache ansehen.

Johanna Karajan

"Ich bin geboren, um Journalistin zu werden.", sagt Johanna über sich, "Journalismus ist mein großer Traum!" Auf diesen Traum arbeitete die geborene Hamburger Deern mit armenisch-französischen Wurzeln direkt nach ihrem Abitur hin und gründete ihren eigenen Mode und Lifestyle Blog. Um ihre Leidenschaft aber auch zum Beruf zu machen, absolvierte sie den Bachelor in Politikwissenschaften und sammelte Erfahrungen durch Allround-Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Jahr Top Special Verlag. Vor ihrer Elternzeit hat Johanna bei einer Content Marketing Agentur als Quality Assurance Assistant und Content Manager gearbeitet. Die Mutter eines Sohnes nutzt nun die Corona- und Lockdown-Zeit sich nicht nur weiterzubilden, sondern auch ihren Traum mit einem Master-Titel in Medien und Kommunikation zu verwirklichen.