„Applaus ist Koks für die Seele“

Aufmerksamkeit, Klicks und Likes – Narzissmus in der medialen Welt

Wir schreiben das Jahr 2016: Selfie-Stick, iPhone, Twitter, Facebook, Likes, Tweets, Youtube, Werbung und Selbstinszenierung. All das ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und für jedermann ein Begriff.

Ein Mensch, der die letzten 20 Jahre in einem Kosmos ohne neue Technologien, den medialen Fortschritt, Social Media Networking und Apple verbracht hat, würde wohl kaum begreifen, was diese verrückte Gesellschaft heute treibt, warum sie sich virtuell vernetzt, was das Internet 2.0 eigentlich ist und warum zur Hölle jeder online ist!

Seit der Einführung des WWW im Jahre 1998 rast die Technologie mit ICE-Geschwindigkeit in die Ferne und wir rasen mit ihr. Wir sind vernetzt, skypen, tweeten und teilen ohne Ende. Wir fördern den medialen Wirtschaftsraum und erstellen durch Beiträge in Sozialen Netzwerken und Blogs selbst eigene Inhalte: User-gerated Content!

Georg Franck stellte bereits 1994 fest:

“Ohne Werbung, PR, Imagepflege und Produktdesign läuft in der Wirtschaft überhaupt nichts mehr. Man sehe sich nur um: Unsere ganze Umwelt mutiert zum Werbeträger. Wo wir stehen und gehen, stoßen wir auf Dinge, deren einziger Sinn und Zwecke es ist, uns am Ärmel zu zupfen und zu sagen: schau her! man kann der Belästigung nicht mehr entrinnen. Es sind kaum noch unkontaminierte Ecken zu finden. Ganze Landstricke sind durch Werbung verstellt. Beim Fahren, beim Reisen, wo immer ein paar Menschen vorbeikommen, geht das Gerangel um die Aufmerksamkeit schon los.”

Er bezog sich hierbei auf die Werbe- und Kommunikationsbranchen. Doch wie wir unschwer erkennen können, sind wir selbst zu Vermarktern, Werbeträgern, Werbegesichtern und Promotern geworden.

Man kann in diesem Zusammenhang von einer Pluralisierung der Prominenz im medialen Rahmen sprechen. Privatpersonen, wie du und ich, nutzen das Internet als Plattform zur gezielten Selbstinszenierung. Der User von Facebook, Youtube und Twitter veröffentlicht Selfies , erläutert seinen Tagesablauf und generiert somit eine hohe Aufmerksamkeit auf seine eigene Person und nicht mehr bloß auf das Produkt oder Unternehmen bezogen.

Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern es sich um eine Nutzung des Internets zur Unterstützung des eigenen Narzissmus handeln?

Die Werbeindustrie erfreut sich hoher Beliebtheit in der Gesellschaft, indem sie Produktvideos vielzähliger Youtuber durch Sponsoring unterstützt. Der User trägt zur Pflege des positiven Markenimages des Unternehmens oder der Marke bei und profitiert z.B. durch Gratisprodukte selbst von dieser Kommunikationspolitik im Rahmen des Vertriebs und des PR. Doch geht es ihm im Wesentlichen eigentlich bloß um das Erzielen von Aufmerksamkeit auf die eigene Person?

Bei diesem „Spiel mit dem Feuer“ kann es leicht zu so genannten Shitstorms kommen, die eine flutartige, negative Welle von Kommentaren mit sich bringen.

Mediale Aufmerksamkeit kann in diesem Zeitalter als eine wichtige Ressource definiert werden. Nahezu jeder junge Mensch besitzt einen Account bei Facebook und inszeniert sich selbst. Einige User gehen jedoch weiter, indem sie sich hinter der Maske der virtuellen Identität verstecken und ihre Energie völlig in diese investieren. Somit steht für den User nicht mehr die Werbebotschaft selbst im Fokus, sondern er sieht sich selbst als die Werbebotschaft.

Eine durch Jesse Fox, Dozentin für Kommunikation, initiierte wissenschaftliche Studie der Ohio State University sorgte 2015 in den Medien für einen Diskurs. Bei der besagten Studie wurden 800 Männer zwischen 18 und 40 Jahren zu ihrem Internetverhalten in Bezug auf das Posten von Bildern in sozialen Netzwerken und ihrer Selbsteinschätzung befragt. Die Studie bestätigte die These, dass Menschen die häufig Selbstportraits in sozialen Netzwerken posten, eher Narzissten sind als jene, die es selten tun.

„Die Teilnehmer der Studie liegen alle im Bereich normaler Verhaltensweisen – aber mit überdurchschnittlich hohem Niveau dieser antisozialen Züge“, so Foxx.

„Die Borderline-Störung ist gewissermaßen die klassische Rampensau-Krankheit“, sagt Bandelow.

Fazit: Menschen, die in einem erhöhten Maße nach medialer Aufmerksamkeit suchen, sind eher von Persönlichkeitsstörungen und Narzissmus betroffen.

Naja, wer kennt diese Menschen nicht? Jeder hat sie in seiner Freundesliste in den besagten Sozialen Netzwerken. Haltet die Augen auf. Das Internet hat auch seine Schattenseiten.

 

Textquelle(n): www.spiegel.de/spiegel/print/d-46237036.html, Lakotta, Beate, Wellershoff, Marianne: 11/2006, abgerufen 06.05.2016

Bildquelle(n): © pixabay.com/de/users/Unsplash-242387/ Unsplash, abgerufen am 06.05.2016

 






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