Wissenschaft vs. Massenmedien (1/2)

Spätestens seit der Corona-Krise ist offensichtlich, dass Wissenschaft und Journalismus nicht immer harmonieren. Eigentlich könnte die akutelle Situation sehr spannend sein: Man erlebt wissenschaftliche Entdeckungen beinahe täglich, ständig erscheinen neue Studien. Normalerweise bräuchten Forschungen für Impfstoffentwicklungen Jahre bis Jahrzehnte, jetzt läuft alles im Turbo. Doch das kommt nicht bei allen so positiv an. Viele Wissenschaftler*innen sind von den Medien genervt, und die Journalist*innen müssen sich ständig an z. T. widersprüchliche Aussagen anpassen.

Die Perspektive der Forscher*innen

Im Video „Wissenschaftler haben auch Gefühle“ der Carolin Kebekus Show von 2020 wird die Situation anhand der Corona-Pandemie unterhaltsam dargestellt. Die Wissenschaflerin Mai Thi Nguyen-Kim zeigt zusammen mit der Komikerin, wie Forscher*innen sich fühlen. Medien zweifeln an der Qualität von Studien und Fachkenntnissen und ziehen im Falle von Corona entsprechende Expert*innen durch den Kakao. So lieferte sich Christian Drosten mit der BILD-Zeitung einen Schlagabtausch auf Twitter und gab bekannt: Er habe Besseres zu tun, als Interviewanfragen innerhalb kürzester Zeit zu beantworten.

Nicht immer ist Wissenschaft so polulär. Doch man sollte sie in politische Entscheidungen einbeziehen.

In der nächsten Szene tritt Mai Thi Ngyuen-Kim als Wissenschaftlerin auf. Nach jeder ihrer Aussagen „übersetzt“ Carolin Kebekus, was damit gemeint ist: Satirisch wird gezeigt, dass Wissenschaftler*innen idealerweise immer neutral, sachlich und ruhig bleiben. Außerdem wird von ihnen gefordert, dauernd Empfehlungen abzugeben. Und das selbst bei unklarer bzw. unvollständiger Datenlage. Zumal es nicht Aufgabe der Wisssenschaft ist, der Politik Anweisungen zu geben. Da sei es veständlich, dass auch Forscher*innen irgendwann mal am Ende ihrer Geduld seien.

Normalerweise müssten sie um Aufmerksamkeit und Gelder kämpfen, aber in der Corona-Pandemie sollen sie ständig Einschätzungen für Politik und Wirtschaft abgeben. Diese werden aber nur teilweise ernst genommen. Politiker*innen und Wirtschaft würden teilweise die wissenschaftlichen Erkenntnisse ausnutzen, um Entscheidungen zurecht zu biegen oder zu rechfertigen. Außerdem sei Wissenschaft keine Meinung, nur weil man öfter die Empfehlungen ändern müsse. Man würde oft in den Medien falsch dargestellt, was sogar zu Verschwörungstheorien führen könne.

Die Sicht der Medien

Senja Post ist Professorin für Wissenschaftskommunikation an der Uni Göttingen. Sie beschreibt das Verhältnis von Komplexität und Verständlichkeit von Wissenschaft im NDR-Interview: „Es gibt Studien, die zeigen, dass wenn Menschen den Eindruck haben, dass wissenschaftliche Sachverhalte ganz einfach sind, dann haben die Menschen das Gefühl, dass sie alles verstehen und dass sie gar keine Expertise mehr brauchen. Das heißt, wenn man zu stark vereinfacht, dann kommt es schnell zu einer Vermessenheit bei Laien.“

Es ist also für Wissenschaftler*innen und Medien wichtig, verständlich zu kommunizieren, aber nicht zu banalsisieren. Das ist im Journalismus teilweise schwierig. Häufig müssen starke Auflagen oder viele Klicks erzielt werden, um wirtschaftlich zu bleiben. Gerade Fachjournalist*innen kosten Geld und sind nicht überall zu finden. Gleichzeitig ist nicht ständig ein Interesse vorhanden, über Forschungen zu berichten. Und welcher Leser möchte etwas schwieriges lesen, dass er kaum versteht? Da klickt man lieber zum nächsten Artikel über die 10 besten Reiseorte in Europa.

Was tun?

Was man gegen diese Schwierigkeiten tun kann und woher diese Probleme kommen, untersucht Teil 2 dieses Berichts.

Quellen:

Carolin Kebekus Show auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=mIjJedupOLU, NDR: https://www.ndr.de/kultur/Wissenschaft-Medien-und-Politik-in-der-Corona-Pandemie,post712.html

Bilder:

Michael Longmire auf Unsplash: https://unsplash.com/photos/L9EV3OogLh0, Vlad Tchompalov auf Unsplash: https://unsplash.com/photos/nKNrOZ5MXZY

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium Erfahrungen beim Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz in den Bereichen Unternehmenskommunikation und Journalismus gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und möchte parallel weitere Praxisluft schnuppern, z.B. durch Praktika oder Werkstudentenjobs. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.