Lesebestätigung: Segen oder Fluch?

Die Lesebestätigung, ist sie ein Segen oder doch ein Fluch? Lese hier die Pros und Kontras und entscheide selbst!

Facts First

Die Lesebestätigung wurde als erste ihrer Art im November 2014 vom US-amerikanischen Schnellnachrichtendienst WhatsApp eingeführt. Während die Hersteller zunächst zwei Arten von Häkchen – einen grauen zur Bestätigung der erfolgreichen Sendung der Nachricht und einen grauen Doppelhaken zur Bestätigung des Empfangs der Nachricht auf dem Telefon der Zielperson zur Verfügung gestellt haben, wurde der langersehnte Wunsch vieler Verbraucher*innen erhört und es wurden blaue Häkchen zur tatsächlichen Bestätigung des Lesens der Nachricht eingeführt. Diese lassen sich allerdings nach Belieben einstellen. Wir zeigen euch im vorletzten Abschnitt, wie das geht. Doch zunächst zu den Vor- und Nachteilen dieses Features.

Folgende Apps nutzen sie:

Lesebestätigung in vielen Anwendungen
Quelle: Eigene Fotografie / Johanna Karajan

Mittlerweile ist die sie in nahezu allen Apps mit Messenger-Funktion vertreten. Entweder durch die wörtliche Bezeichnung „Gesehen [+(Datum/Tag und) Uhrzeit] oder durch markant leuchtende Häkchen in der Farbe des Messengers oder der App. So ist die Bestätigung bspw. vertreten bei:

Lesebestätigung: Vorteile

„Als Fotograf finde ich die Lesebestätigung sehr praktisch. So kann ich sicher sein, dass die Models meine Nachrichten vor den Terminen gelesen haben.“, sagte einst ein befreundeter Fotograf im Gespräch zu mir. Was mich betrifft, so erinnere ich mich noch sehr gut an die hitzigen Diskussionen, die im Vorfeld der Einführung massenweise geführt wurden und wie sich die Leute ihre Köpfe zerbrochen haben, ob eine Nachricht gelesen wurde und als solche gekennzeichnet werden kann.

In der Tat erweist sich die Lesebestätigung als praktisch und hilfreich, wenn es darum geht, dass eine bestimmte Nachricht im Rahmen zwischenmenschlicher Beziehungen wenigstens zur Kenntnis genommen wurde und den*die Rezipient*in erreicht hat bspw. bei einer Entschuldigung.

Auch in geschäftlicher Hinsicht ist es durchaus nützlich Gewissheit zu haben, wenn man sich nicht immer auf eine Antwort der Geschäftspartner*innen verlassen kann und mit den symbolischen blauen Häkchen zumindest davon ausgehen kann, dass der Gegenüber Klarheit z.B. hinsichtlich eines Termins verfügt. Insofern erübrigt sich das zeitaufwendigere Antworten oder Hinterherlaufen in einem schnelllebigen Zeitalter durch das bloße Öffnen eines Chats.

Lesebestätigung Sprachnachrichten
Trotz deaktiviertem Feature: Sprachnachrichten werden immer blau markiert. Quelle: Eigener Screenshot / Johanna Karajan

Lesebestätigung: Nachteile

Doch die lang ersehnte Lesebestätigung birgt ebenso auch Nachteile. Denn was Gewissheit und Ruhe für die einen ist, löst für die anderen Unruhe aus. Dies geht damit einher, dass die Gewissheit auf Kosten der Privatsphäre geht, womit auch schon der größte Nachteil gebrandmarkt ist.

In Zeiten, in denen das Festnetztelefon immer weniger gefragt ist und das Handy dafür umso mehr alle Bedürfnisse abdeckt und als Organizer, Hauptkommunikationsmittel oder Entertainment ein ständiger Begleiter geworden ist, beklagen sich immer mehr über den Datenschutz. So wollen Arbeitnehmer bspw. nicht, dass ihre Arbeitgeber sehen, wann sie online gewesen sind, wie oft geschweige denn, ob sie Nachrichten gelesenen haben – welches viele Leute damit gleichstellen, die Nachricht empfangen zu haben.

Ein solches Klima herrscht auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn nach Tricks gesucht wird, wie man die blauen Häkchen (einmalig oder nur für bestimmte Personen) überlisten kann, wenn nicht gewünscht ist, dass die Lesebestätigung eine*n Sender*in erreicht.

Des Weiteren kann selbst eine geöffnete Nachricht bedeuten, dass diese nicht (gründlich) gelesen wurde, sondern lediglich untergegangen ist.

Lesebestätigung deaktivieren
Quelle: Eigener Screenshot / Johanna Karajan

So deaktivierst du die Lesebestätigung

Falls du dich doch dafür entscheiden solltest das Feature auf WhatsApp, Telegram oder iMessage deaktivieren zu wollen, zeigen wir dir kurz, wie das geht.

  1. Öffne die Anwendung WhatsApp
  2. Gehe rechts unten auf den Reiter Einstellungen
  3. Wähle Account aus
  4. Unten in der Ansicht findest du „Lesebestätigung“ mit einem Regler (wenn du das Feature aktiviert hast, dann ist er auf die rechte Seite geschoben und leuchtet grün)
  5. Schiebe den Regler nach links, sodass die Anzeige grau ist.

Nun das Feature für jeden Chat deaktiviert. Ähnlich funktioniert das Prozedere für Telegram und iMessage wobei ihr für letzteres in die Anwendung Einstellungen rein müsst diese dann unter dem Punkt „Nachrichten“ vornehmt.

Quelle: Eigener Screenshot / Johanna Karajan

Achtung: Auch bei deaktiviertem Feature wird bei abgehörten Sprachnachrichten auf WhatsApp immer noch angezeigt, dass diese (zumindest teilweise) abgespielt wurde. Die blauen Häkchen werden außerdem weiterhin in Gruppen-Chats erscheinen trotz Deaktivierung, sobald alle Gruppenmitglieder den Chat geöffnet haben.

Lesebestätigung: Ja? Nein? Entscheide selbst!

Die Einführung der Lesebestätigung auf WhatsApp und als Kurzschlussreaktion darauf auf diversen anderen Anwendungen ist dem Anschein nach Segen und Fluch zugleich gewesen. Dies unterstreicht die Tatsache, dass es mit der Einführung des Features auch die Möglichkeit gibt, dieses zu aktivieren. Denn in den Voreinstellungen gilt die Bestätigung als aktiviert. Grundsätzlich ist hier festzustellen, dass die Meinungen auseinandergehen und das Feature den Bedürfnissen und Umständen jeder Einzelperson angepasst werden müssen. Die Tatsache, dass das Feature auf Jobportalen wie Xing jedoch ausnahmslos existiert unterstreicht den Aspekt, dass die Bestätigung in Sachen Business, doch ein Segen ist. Hier könnt ihr nachlesen, wie es um WhatsApp seit der Übernahme durch Facebook steht.

Johanna Karajan

"Ich bin geboren, um Journalistin zu werden.", sagt Johanna über sich, "Journalismus ist mein großer Traum!" Auf diesen Traum arbeitete die geborene Hamburger Deern mit armenisch-französischen Wurzeln direkt nach ihrem Abitur hin und gründete ihren eigenen Mode und Lifestyle Blog. Um ihre Leidenschaft aber auch zum Beruf zu machen, absolvierte sie den Bachelor in Politikwissenschaften und sammelte Erfahrungen durch Allround-Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Jahr Top Special Verlag. Vor ihrer Elternzeit hat Johanna bei einer Content Marketing Agentur als Quality Assurance Assistant und Content Manager gearbeitet. Die Mutter eines Sohnes nutzt nun die Corona- und Lockdown-Zeit sich nicht nur weiterzubilden, sondern auch ihren Traum mit einem Master-Titel in Medien und Kommunikation zu verwirklichen.