Amazon Sidewalk – der Fremde in meinem Netzwerk

Amazon Sidewalk ermöglicht es fremden Geräten auf das eigene Netzwerk zuzugreifen. Das wichtigste zu der neuen Funktion für Echo und Ring.

Seit Entwicklung des Smart-Speakers „Amazon Echo“ für den Sprachassistenten „Alexa“ hat Amazon seine Produktpalette im Bereich vernetzter Geräte stetig erweitert: Echo gibt es inzwischen in der vierten Generation, wahlweise mit oder ohne Display und in verschiedenen Größen und Ausstattungsstufen. Dazu kamen „Fire-TV“-Geräte, die einen konventionellen Fernseher zu einem Smart-TV machen, die „Ring“-Serie als „smarte“ Türklingeln mit Videoübertragung sowie die „Blink“-Reihe mit Überwachungskameras für den Innen- und Außenbereich. All diese Geräte lassen sich untereinander vernetzen. So kann ein Amazon Echo beispielsweise das Bild der smarten Türklingel oder Überwachungskamera auf seinem Display anzeigen. Dies geschieht in der Regel über das lokale Netzwerk (LAN).

Amazon erweitert die beschriebenen Geräte regelmäßig um neue Funktionen erweitert, so wurde beispielsweise ein Flüstermodus für Alexa hinzugefügt und die Spracherkennung stetig verbessert. Auch neue Sprachbefehle und Inhalte wurden dem System hinzugefügt. Updates geschehen in der Regel ohne das Wissen des Nutzers. Viele der Neuerungen betreffen die heimische Hardware ohnehin kaum, da Erkennung und Verarbeitung von Sprachbefehlen auf Amazons Servern stattfinden.

Amazon Sidewalk ist ein lokales Update

Sidewalk hingegen ist ein Update, dass Amazon direkt auf die Endgeräte spielt. Das System ermöglicht es Amazon Hardware, ein Funknetzwerk untereinander aufzubauen. So sollen Geräte mit eingeschränkter oder gestörter Internetanbindung weiterhin mit den Amazon-Servern kommunizieren können. Das Kontroverse daran ist, dass nicht nur die Hardware eines Nutzers diese Verbindungen untereinander aufbauen kann. So kann es passieren, dass sich die Türklingel des Nachbarn mit dem eigenen Echo vernetzt und dessen Internetanbindung nutzt. Die Datenrate und das maximal genutzte Datenvolumen sind hierbei zwar limitiert und bewegen sich in vergleichsweise niedrigen Bereichen (80 KBit/s, 500MB/Monat), dennoch dürfte die Funktion bei den meisten Nutzern zunächst auf Ablehnung stoßen.

Amazon Sidewalk
USA-Reiseblogger / Pixabay

Sidewalk ist automatisch aktiviert

Der Nutzer weiß allerdings nicht zwangsläufig von dieser Funktion, denn Amazon informiert über diese Funktion lediglich mit einer kurzen E-Mail an seine Nutzer. Eine Zustimmung ist nicht nötig, die Funktion wird nach dem Update standardmäßig aktiviert. Zunächst veröffentlicht Amazon die Funktion allerdings nur in den USA.

Nutzer können diese Funktion bei Bedarf manuell deaktivieren. Hierzu benötigt man die Alexa App auf seinem Smartphone. Die Einstellungen für die Funktion verbergen sich in der App unter Mehr -> Einstellungen -> Kontoeinstellungen -> Amazon Sidewalk. Für in Deutschland registrierte Nutzer ist dieser Unterpunkt allerdings noch nicht sichtbar.

Amazon Sidewalk
E-Mail an alle Alexa-Nutzer / Verfasser: Amazon.com / Screenshot von Simon Crins

Ist Amazon Sidewalk sicher?

Fest steht, dass ein Amazon Gerät mit aktivierter Sidewalk-Funktion das eigene Netzwerk für andere Amazon-Geräte öffnet. Fest steht auch, dass Amazon Geräte mit dieser Funktion ohne Kenntnis des Nutzers eigenständig zwischen der eigenen und einer fremden Internetverbindung wechseln können.

Gelingt es einem Dritten, sein eigenes Amazon Gerät umzuprogrammieren oder ein anderes Gerät beispielsweise als Gerät der Echo-Reihe auszugeben, könnte dieser dadurch Zugang zu fremden Netzwerken erhalten.

Auch die umgekehrte Anwendung bietet Missbrauchspotenzial: Nutzt beispielsweise ein Echo Dot seine Verbindung zum Amazon-Gerät eines Nachbarn, so könnte dieser Nachbar versuchen die Kommunikation zwischen dem Echo Dot und den Amazon Servern aufzuzeichnen. Amazon beteuert allerdings, dass die Daten verschlüsselt übertragen werden, um derartigem Missbrauch vorzubeugen und Datenschutz-Vorschriften einzuhalten.

Da sich Amazon mit konkreten Angaben zu den Mechanismen hinter der Funktion bedeckt hält, lässt sich die Frage nach der Sicherheit wohl erst nach einiger Zeit beantworten.

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Quellen: heise.de, Amazon
Bildquellen: Pixabay, hamburgfinn, USA-Reiseblogger

Simon Crins

Simon ist ausgebildeter Mediengestalter und absolvierte bereits sein Bachelorstudium an der Mobile University. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon im Raum Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur und hat im September 2020 sein Masterstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mobile University begonnen.