Chancen der Digitalisierung im deutschen Mittelstand

 

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren nachhaltig zu einer Veränderung von Prozessen geführt. Dabei wurden einige Wirtschaftsbereiche komplett auf den Kopf gestellt und bestehende Geschäftsmodelle durch neue Sichtweisen abgelöst. Beispielhaft können hier Musikindustrie und Verlagswesen genannt werden. Das Internet und vernetzte Endgeräte haben zu einer umfangreichen Veränderung von bestehenden Marktstrukturen geführt.

Als vier Treiber der Digitalisierung lassen sich der Wettbewerb, der Markt, die Technik und die Kunden beschreiben.

Digitalisierung
Alles wird digital

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Alle vier Kräfte beeinflussen sich gegenseitig und führen in eine Richtung. Die durch die Digitalisierung entstandenen Kommunikationsmöglichkeiten sind global und ermöglichen komplett neue Wertschöpfungsketten. Durch das Zusammenwachsen der Wirtschaft werden kontinuierliche Veränderungen in Unternehmen erforderlich und die IT fördert dabei Innovationen und schafft Arbeitsplätze. Kurz: Die Potenziale für Wachstum und Wohlstand sind enorm!

„Obwohl 77 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland erkennen, dass sich durch die Digitalisierung die wirtschaftlichen Abläufe hinsichtlich Geschwindigkeit, Möglichkeiten und Reichweiten grundlegend ändern werden, ist für 49 Prozent das Thema Digitalisierung derzeit nicht relevant. Nur bei jedem zweiten Unternehmen ist Digitalisierung Bestandteil der Unternehmensstrategie. Davon wiederum treiben 30 Prozent das Thema aktiv voran, der Rest reagiert lediglich auf Kundenwünsche oder Wettbewerbsanforderungen. Dies sind die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Enigma unter 1.000 mittelständischen Unternehmen.“ („Angst überlagert die Chancen der Digitalisierung im Mittelstand“ auf www.genossenschaftsverband.de)

Experten sind der Meinung, dass der Druck für Experimente noch nicht groß genug sei, da „Made in Germany“ nach wie vor große Popularität genießt. In Deutschland gehören wir zu den eher skeptischen Völkern wenn es um neue Informationstechnologieen geht. Trotz allem beeindruckt das Land seit Jahren mit einer stabilen Volkswirtschaft, während andere Regionen Europas im besten Fall stagnieren. Während also Länder wie die probierfreudigen Vereinigten Staaten in einer andauernden Krise stecken, boomt die Wirtschaft im traditionell abwartenden Deutschland. Nur so lässt sich die Haltung hiesiger Mittelständler und Entscheider erklären.

„Ganz eindeutig werden die Chancen, welche die Digitalisierung bietet, in einem großen Teil des Mittelstandes nicht erkannt. Es überwiegen die Ängste”. (DZ-Bank-Vorstandsmitglied Stefan Zeidler)

Es ist egal wohin man auf der Welt reist, deutsche Maschinen, Autos und Handwerksprodukte werden in allen Teilen der Welt gefunden und ausführlich gelobt.

Die Gefahr besteht also ganz eindeutig darin über die Lorbeeren von „Made in Germany“ hinweg den Blick für die Entwicklung neuer Industrien zu verlieren. Seit vielen Jahren schon agieren Politik und Wirtschaft eher halbherzig wenn es um die Erschließung des Potenzials der digitalen Wirtschaft geht. Erst kürzlich hat die Regierung die Digitale Agenda vorgestellt, mit der nun alles besser werden soll. Deswegen müssen jetzt konkrete Schritte folgen, die das Erreichen der beschriebenen Ziele ermöglichen.

„Made in Germany“ kann an Reiz im Export verlieren. Nichts ist für die Ewigkeit und andere Marken schlafen bekanntlich nicht. Sie können vielleicht schon morgen den Nerv der Zeit besser treffen und so die Bedürfnisse der Kunden bedienen. Wenn Entscheider das Internet also weiter nur als Kanal für Onlineshopping, E-Mail und Banking sehen, besteht die Gefahr, bei der für die nächsten Jahre prognostizierten Vernetzung sämtlicher Gegenstände strategisch falsche Entscheidungen zu treffen.

Kati Husemann

designer, networker, online- und social media enthusiast

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