Datenschutz & Whatsapp: 225 Mio. Euro Strafe

Datenschutz und Whatsapp – Begriffe die häufig gemeinsam fallen, jedoch im negativen Kontext. Immer wieder fällt Kritik über den Nachrichtendienst bezüglich der Datensicherheit. Kürzlich erhielt Whatsapp eine Strafe in einer noch die dagewesenen Höhe: 225 Millionen Euro.

Wie kam es dazu? Die Strafe haben irische Datenschützer verhängt. Genauer gesagt handelt es sich um die Datenschutzbehörde DPC. Konkret wird Whatsapp vorgeworfen, dass die Weitergabe von persönlichen Daten von Nutzern nicht transparent genug ist. Die DPC hat im Jahr 2018 gegen das Unternehmen ermittelt und diese Weitergabe untersucht. Über die Angemessenheit der Strafe besteht allerdings keine Einigkeit. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und sieht die Geldforderung als übertrieben an.

Eine angemessene Summe für den Datenschutz?

Liest man 225 Millionen Euro, erscheint dies vorerst als eine unmöglich hohe Summe: Die meisten von uns werden eine solche mit eher geringer Wahrscheinlichkeit in den Händen halten. In diesem Fall sollte man sich die Höhe der Geldstrafe jedoch genauer ansehen. Der Nachrichtendienst Whatsapp ist teil des Konzerns Facebook. Trotz häufig auftretender Datenskandale ist der Umsatz der Facebook Inc. in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2020 hat das Unternehmen fast 86 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Der größte Umsatzanteil fällt auf den Bereich der Werbung.

Rechnet man von diesem Umsatz alle Aufwendungen und Ausgaben ab, entspricht das einem Nettoergebnis von 29,1 Milliarden US-Dollar. Vergleicht man nun diese Gewinnsumme mit der Geldstrafe, die von der irischen Datenschutzbehörde gefordert wird, erscheint diese nicht mehr so hoch wie zu Beginn. Die Strafe übersteigt nicht die 1-Prozent-Marke, weder des Umsatzes, noch des Nettoergebnisses.

Geteilte Meinungen

Obwohl die Strafsumme im 0-Komma-Bereich liegt, bezeichnet der Konzern die Strafhöhe als „vollkommen unangemessen“. Das Unternehmen hat angekündigt, dass es in Berufung gehen wird. Anderer Ansicht sind Vertreter des Datenschutzes. Der Datenschutzaktivist Max Schrems aus Österreich hat sich beispielsweise dazu geäußert. Er ist der Meinung, dass ein Verhängen der Strafe grundsätzlich legitim ist. Schrems kritisiert aber vor allem die nicht angemessene Strafhöhe. Auch er hat analysiert, dass es sich dabei um einen nur sehr geringen Prozentanteil des Umsatzes handelt. Er plädiert darauf, dass in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein höherer Prozentanteil vorgegeben ist.

Im Allgemeinen sind Mitglieder der EU nicht immer mit der Arbeit der DPC in Irland zufrieden. Des Öfteren erntet diese Kritik für ihre Arbeitsgeschwindigkeit. Andere europäische Aufsichtsbehörden bemängeln, dass Entscheidungen der irischen Kollegen zu lange dauern. Auch im Juli diesen Jahres hat die europäische Aufsicht EDPB eingegriffen und dazu aufgefordert, die geplante Strafhöhe für die Datenschutzverstöße von Whatsapp zu erhöhen.

Obwohl Gesetze gegen die unrechtmäßige Weitergabe von Daten ankämpfen wollen, kommt es immer wieder zu Skandalen im Datenschutz; Quelle: Laura Schutti

Zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Die Datenschutzgrundverordnung wurde im Mai 2018 gültig. Beschlossen wurde diese Verordnung vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat. Folglich ist sie für alle Staaten der Europäischen Union gültig. Für einige Staaten existieren Öffnungsklauseln.

Warum ist eigentlich die Datenschutzbehörde in Irland zuständig? Das liegt daran, dass sich der Firmensitz der Facebook Inc. in Dublin, Irland befindet. Gegründet wurde Whatsapp 2009, der Nachrichtendienst wurde aber im Jahr 2014 ein Tochterunternehmen von Facebook. Relevant für die Gültigkeit dieser Regelung ist ein Sitz der Niederlassung des entsprechenden Unternehmens in einem Mitgliedsstaat der EU. An welchem Ort die Daten de facto verarbeitet werden, spielt hier keine Rolle.

Der Fokus der Verordnung liegt auf der Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Die DSGVO sieht bei Datenschutzverstößen Geldbußen von bis zu 4 Prozent des Umsatzes vor.

Du willst dich noch ausführlicher über die DSGVO informieren? Lies unseren Beitrag Datenschutzgesetz – Fünf Fakten zu den letzten Änderungen.

Quellen: Statista.de, derStandard.at, Dr.Datenschutz.de, wko.at