#MeineRolleImDeutschenFilm – MTV Germany Kampagne

Am 11. Februar startete MTV Germany gemeinsam mit der Moderatorin und Aktivistin Wana Limar eine Anti-Rassismus-Kampagne. Unter den Hashtags #KeinenRassismusProduzieren und #MeineRolleImDeutschenFilm äußern sich Schauspieler*innen zur fehlenden Diversität und Rassismus in der deutschen Film- und Medienbranche.

Wer steckt hinter der Kampagne?

#MeineRolleimDeutschenFilm wurde von der ehemaligen MTV-Moderatorin und Aktivistin Wana Limar konzipiert und über den Instagram-Account von MTV Germany ausgespielt. Inhalte der Kampagne sind Fotografien und Statements verschiedener deutscher Schauspieler*innen, wie z.B. Dela Dabulamanzi, Janina Uhse, Aurel Mertz und Tua El-Fawwal.
Mit den Statements beschreiben die Gesichter der Kampagne #MeineRolleImDeutschenFilm einerseits ihre eigenen Erfahrungen innerhalb der deutschen Filmbranche und zeigen sich andererseits solidarisch mit jenen Schauspielkolleg*innen, die von stereotypen Denken, Diskriminierung und Rassismus betroffen sind. Herzstück der Kampagne ist jedoch ein aufklärendes Video, das am 17. Februar online ging. MTV Germany steigt mit der Aktion #MeineRolleImDeutschenFilm in eine aktuelle Debatte ein und macht auf Missstände innerhalb der deutschen Film- Fernsehindustrie aufmerksam. 

Screenshot IGTV: MTV Germany – #MeineRolleImDeutschenFilm

Das Problem der deutschen Film- & Fernsehbranche

Missstände gibt es sowohl vor, als auch hinter der Kamera: Die BIPoC-Community ist unterrepräsentiert und wird meist stereotypisch und eindimensional dargestellt. Des Weiteren sind ihre Rollenbilder nach wie vor von vielen, hauptsächlich negativen Klischees behaftet. Aber auch hinter den Kulissen ist von Diversity wenig zu sehen. 
So geht aus dem Kampagnen-Video zu #MeineRolleImDeutschenFilm hervor, dass nur 10 von insgesamt 350 Schlüsselpositionen in der deutschen Film- und Fernsehbranche divers besetzt sind. Dies ist jedoch ein falsches Spiegelbild unserer Gesellschaft, denn diese ist divers — Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat eine internationale Geschichte und/oder zählt sich zur BIPoC-Community.

Darum sind Kampagnen wie #MeineRolleImDeutschenFilm so wichtig

Die Filmemacherin Maissa Lihedheb erklärt in einem Beitrag zur Anti-Rassismus-Kampagne die Auswirkungen von Stereotype in Fernsehen und Film. Sie selbst habe sich als Kind in besagten Medien selten wiedergefunden und wenn, dann in den immer gleichen Rollen. Diese Darstellung im deutschen TV führt bei Personen der BIPoC-Community zu einer falschen Selbstwahrnehmung. Dabei spielen Film und Fernsehen laut Lihedheb vor allem im Teenageralter eine große Rolle im Kontext der Identitätsfindung.
Die Co-Founderin von „Bipoc Film Society“ macht außerdem darauf aufmerksam, dass das diskriminierende Storytelling des deutschen TV nicht nur zu einem verzerrten Bild der Realität führt, sondern auch in Voreingenommenheit der Menschen untereinander resultiert.

„Die Medien sind entscheidend für den Aufbau und die Verbreitung von Sichtweisen von Menschen mit Migrationshintergrund und damit für die Sozialisierung von BIPOC’s. Die Repräsentation in den Massenmedien ist von Bedeutung, weil Repräsentation die Teilhabe an der Gesellschaft darstellt.“

Maissa Lihedheb zur Kampagne #MeineRolleImDeutschenFilm

Rassistische Stereotype in Film und Fernsehen – Gibt es eine Lösung?

Lösungsvorschläge, um rassistische Stereotype in Film und Fernsehen zu verhindern gibt es bereits. Schon 2019 wurden potentielle Auswege auf der Media Convention in Berlin im Rahmen eines Panels diskutiert. Skadi Loist, Gastprofessorin für Produktionskulturen in audiovisuellen Medienindustrien, stellte dabei beispielhaft zwei Initiativen aus den USA und Großbritannien vor. So soll der Hollywood Diversity Report im ersten Schritt Fakten und Zahlen zur Rollenverteilung und Besetzung im Filmgeschäft sammeln. Die BFI Diversity Standards dagegen knüpfen Filmförderungen an das Erfüllen bestimmter Kriterien hinsichtlich Diversität und Inklusion, um der Unterrepräsentation von marginalisierten Bevölkerungsgruppen entgegenzutreten. 
Auch in Deutschland startete Ende letzten Jahres die groß ausgelegte Umfrage „Vielfalt im Film“, um die Diskriminierung in der deutschen Film und Fernsehbranche erstmals faktisch abbilden zu können. 

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass aktuelle (Anti-)Rassismus-Debatten und Kampagnen wie #MeineRolleImDeutschenFilm von MTV Germany zu einer realen Abbildung unserer sehr vielseitigen Gesellschaft im deutschen TV führen.

Quelle Beitragsbild: Screenshots MTV Deutschland Instagram
Weitere Quellen: Fluter, Out Takes, Menschen Machen Medien – Verdi,
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Lara Hofmann

Lara sammelte bereits während ihres MuK-Studiums praktische Erfahrungen in der digitalen Kommunikation. Sie wohnt seit einem Jahr in Leipzig und interessiert sich neben ihrem Studium für polarisierenden Themen wie Nachhaltigkeit, Feminismus und Diversität. Daher beleuchtet sie in ihren Artikeln jene medialen Ereignisse, die einen gesellschaftlichen Nerv treffen oder den Wertewandel jüngerer Generationen als Zielgruppe Werbetreibender und Medienschaffender.