Interview mit Philip Dipner: Die Messbarkeit von Content Marketing fasziniert mich!

Interview mit Philip Dipner. Der CEO der Hamburger Content Marketing Agentur Content Fleet spricht mit dem MuK-Blog über die Bedeutung von digitalem Marketing.

Seit 2012 ist Philip Dipner der CEO der Hamburger Content Marketing Agentur Content Fleet. Damit ist er in die Fußstapfen des Gründers Mattias Protzmann getreten. Im Interview erzählt er über seinen Weg dorthin, den Alltag als CEO und die Bedeutung von Content Marketing in der digitalen Welt.

Johanna Karajan: Lieber Philip, ich freue mich sehr, heute mit dir sprechen zu dürfen. Der MuK-Blog erreicht vor allem junge Studierende, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Daher interessiert uns zunächst die Frage: Wie bist du zum CEO von Content Fleet geworden? Welcher Weg hat dich dahin geführt?

Philip Dipner: Es war eine sehr spannende, unerwartete Reise. Ich habe 1991 eine Banklehre bei der Deutschen Bank gemacht und im Anschluss BWL und dann VWL studiert. Insofern bin ich ein absoluter Zahlenmensch. Ich habe im Finanz- und Controlling-Bereich angefangen und immer im Internetbereich beispielsweise bei Bertelsmann, Econ Direct etc gearbeitet. Aber ich habe mich immer mit dem Thema Zahlen und Controlling beschäftigt. Insofern war der Weg als CEO von einer Content Marketing Agentur noch nicht vorgezeichnet. Ich bin dann zur Unternehmensberatung gewechselt und habe viel M&A gemacht, also Merger&Acquisition. Das beinhaltete Firmen zu beraten, Geld aufzunehmen, zu verkaufen, andere Firmen zu kaufen. Man hat viel Kontakt mit Investoren gehabt. Und einer dieser Investoren hat dann in eine Firma namens Content Fleet investiert. Dieser hatte mich dann angesprochen und gesagt:

CEO der Content Marketing Agentur Philip Dipner
Quelle: Content Fleet

„Wir haben viel Geld investiert und wollen natürlich, dass es gut angelegt ist. Wir wollen diese Firma in drei oder vier Jahren wieder verkaufen. Hättest du nicht Lust, das als kaufmännischer Geschäftsführer mit zu betreuen und den Gründer und Entwickler Mattias Protzmann in dieser Firma zu unterstützen?“. Insofern bin ich dann eingestiegen und es war im Grunde genommen ein reines Finanzmandat, bei dem ich die Aufgabe hatte, Prozesse zu optimieren, die Organisation zu optimieren, das Wachstum zu managen, das Geld der Investoren sinnvoll auszugeben, um dann die Firma zu verkaufen. Das haben wir drei Jahre später auch gemacht. Wir haben, nachdem ich 2012 eingestiegen bin, 2015 an Ströer verkauft. Da war diese Mission aus Merger&Acquisition Sicht abgeschlossen.

Nun ist allerdings der Gründer von Board gegangen und mir wurde dann vorgeschlagen: „Jetzt bist du noch da. Jetzt machst du das alleine weiter.“, und ich habe gesagt, gut. Es gab natürlich gewisse Ziele, die damit verbunden waren. So bin ich dazu gekommen, dass ich jetzt CEO bei Content Fleet bin. Ich komme also von einer ganz anderen Seite. Ich glaube aber auch, dass der Erfolg von Content Fleet – wir sind natürlich eine Kreativagentur auf der einen Seite, aber wir sorgen auf der anderen Seite dafür, dass der Content, den wir kreieren, auch eine Wirkung hat. Also, dass er eine messbare Wirkung hat. Das funktioniert auch ganz gut. Das ist etwas, das ich eingebracht habe.

Hättest du dir zu Beginn deiner Berufsausbildung oder währenddessen vorstellen können, dass du irgendwann mal dort landest, wo du heute bist?

Überhaupt nicht! Das ist das letzte, was ich gedacht hätte, dass ich Geschäftsführer einer Agentur bin. Aber die Regeln sind unterschiedlich, was ich immer von Anfang an wollte, war, im Internetbereich zu arbeiten. Das habe ich an der Uni angefangen. Das war die letzten 20 Jahre immer so. Ich habe im Digitalbereich, im Internetbereich, im Online-Bereich gearbeitet. Man hat die Basis, dieses Zahlen-, Controlling-, Performance-Thema. Das ist immer der Nukleus der Arbeit gewesen, auch jetzt. Ich bringe diese Thematik ein, Performance-orientiert anzutreten. Ich glaube, was sich nicht ändert, ist die Art und Weise, wie man an Dinge herangeht. Aber die Firma und was man dann damit tut, das ist nicht vorhersehbar. Außer man ist jetzt Anwalt und weiß was man tut. Aber, wenn man etwas anderes macht, dann sollte man sich aus meiner Sicht nicht zu früh festlegen, sondern gucken, welche Gelegenheiten hat man im Leben? Und die dann nutzen.

Hätte es für dich denn die Option gegeben, als du gefragt wurdest, ob du Content Fleet übernehmen möchtest, zu sagen: „Nein, das ist nichts für mich.“? Warum hast du dich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Es war auf jeden Fall spannend, in diesem Start-Up anzufangen aus M&A- und Finanzperspektive, den ganzen Exit zu managen. Den Verkauf an Ströer fand ich total spannend. Auch das Modell, dass man am Unternehmen beteiligt war – ich war auch ein Stück weit am Unternehmen beteiligt und konnte meine Anteile verkaufen. Die zweite Phase, ob ich CEO werde, da hatte Mattias gar nichts damit zu tun, weil er dann Content Fleet verlassen hatte und der Vorstand von Ströer hat mich dann gefragt. Da konnte ich erstens schlecht nein sagen, weil ich mich dazu verpflichtet hatte, nach dem Verkauf noch drei Jahre zu bleiben und ein Jahr später kann ich nicht sagen: „Nein ich gehe!“.

Das zweite war, dass ich die Aufgabe sehr spannend fand: Es ging darum, den Weg, den ich damals aufgezeichnet habe, umzusetzen. Das hat das erste Jahr nicht gut funktioniert – das ist dann manchmal so. Aber dann haben sie mir die Chance gegeben, eine Idee zu entwickeln, mit der es dann klappt. Dann haben sie gesagt, dass sie das unterstützen, wenn ich das noch zwei Jahre mache und das schaffe. Es war eine spannende Rolle und spannende Aufgabe. Wir waren 100 Mitarbeiter*innen. Da war ich dann alleinverantwortlich dafür, auch beruflich zu wachsen.

Was fasziniert dich an digitalem Marketing?

Also die Messbarkeit ist natürlich das allererste! Früher war es so, da konnte man die TV-Werbung, Print-Werbung, Radiowerbung und vielleicht ein bisschen im Kino Werbung machen. Aber, ob das jetzt was bringt, das wusste man nicht so genau. Da gibt es ein legendäres Zitat von Ford: „15 Prozent der Marketing-Aufwendung sind sinnlos, man weiß bloß nicht, welche 15 Prozent.“
Das hat sich natürlich gewandelt. Man kann jetzt im digitalen Bereich sehr, sehr exakt sagen, was der eine Euro, den wir investiert haben, am Ende gebracht hat. Das ist teilweise natürlich anstrengend, weil man rechtfertigen muss, was das alles gebracht hat. Aber man hat darin auch große Chancen.

Wir können besser messen, wir können die Performance tracken und wir haben viel mehr Kanäle als früher, d.h. wir können die Zielgruppen, genauer ansprechen. Das war früher gar nicht möglich. Da konnte man einen TV-Werbespot schalten, der ganz Deutschland erreicht. Die Zielgruppe davon umfasst dann 300-400 Menschen. Aber inzwischen können wir das einschränken und es ist toll, wenn wir diese Möglichkeiten haben. Die Optionen sind vielfältiger und die Messbarkeit ist gegeben.

Interview mit Philip Dipner aus dem Content Marketing
Interview über eine Video-Konferenz. Philip Dipner hat selbst ganz viele Bücher Zuhause. Quelle: Eigener Screenshot / Johanna Karajan

Namhafte Kunden von Content Fleet sind bspw. Saturn, Beiersdorf oder die Deutsche Post – Unternehmen, die ihren Kunden als Endverbraucher Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Warum nehmen immer mehr Häuser digitales Marketing in Anspruch? Reichen Werbung im klassischen Sinne (im Fernsehen, als Plakate oder digitale Banner) und Aktionen (vor Ort Events, Rabatte oder Gewinnspiele) nicht mehr aus, um Kunden an sich zu binden?

Erstens stellen immer mehr Unternehmen fest, dass sie aus der Kundenperspektive denken. Wenn man sich Werbung ansieht, gibt es drei Arten: Es gibt, die Unterbrecherwerbung, das ist ein TV-Spot, ein Radiospot. Das ist Werbung, die dich, bei dem, was du tust, unterbricht. Du guckst eine Sendung und wirst unterbrochen durch diese Werbung. Das ist maximale Reaktanz, die sie produziert und den*die Nutzer*in extrem verärgert.

Das zweite ist die Werbung, die dich zwar nicht unterbricht, die dich aber nervt. Das sind Anzeigen, die im Internet herumblinken, Banner in Printmedien, bei denen man blättern muss… Da ist die Reaktanz zwar nicht ganz so hoch, aber die Akzeptanz bei den Nutzer*innen ist immer noch gering, weil sie einfach genervt sind.

Bei Content Marketing ist es genau andersrum: Da haben wir den Effekt, dass sich nur die Nutzer*innen, die Inhalte, die wir oder die Firmen produzieren, angucken, wenn sie möchten, d.h. wenn sie einen Nutzen, daraus ziehen. Das ist, wenn sie unterhalten werden, wenn sie inspiriert werden, wenn sie informiert werden und ihnen geholfen wird. Je nachdem, haben sie ein Interesse und gucken sich Videos an auf YouTube, deswegen lesen sie Artikel durch, deswegen gucken sie sich auf Facebook irgendwelche Postings an und so weiter. Das heißt, wir haben eine Werbeform, Content Marketing, die dem Kunden einen Nutzen stiftet, gleichzeitig haben die Firmen eine Möglichkeit, einen Wohlstand zu transportieren. Das ist natürlich perfekt! Das ist eine Symbiose, die für beide perfekt ist. Und man hat die Möglichkeit, mit ganz neuen Formaten, ganz neue Zielgruppen anzusprechen.

Abgesehen davon, dass ich viel Geld investiere, um diese Inhalte zu kreieren, haben sie einen positiven Image-Effekt.

Trotzdem geschieht, das parallel. Also sie lassen die Werbung im TV oder im Print dennoch weiterlaufen…

Das ist vollkommen richtig! Es sind natürlich auch unterschiedliche Cases (Fälle). Die Deutsche Post ist ja ein Massenmarktunternehmen. Wir haben 82 Millionen Deutsche und alle brauchen die Deutsche Post. Insofern können sie die Leute mit einer TV-Werbung super erreichen. Das können sie mit digitalem Marketing in der Form natürlich kaum. Wenn man jetzt sagt, ich will ganz Deutschland mit einem TV-Spot erreichen, dann kann ich natürlich immer noch einen TV-Werbespot machen.

Aber wenn es darum geht, ein spezielles Thema zu bedienen, z.B. das Thema Umziehen [umziehen.de ist ein Portal von Content Fleet, das im Auftrag der Deutschen Post kreiert wurde. Anm. d. Red.], das ist eine sehr spezielle Zielgruppe. Es gibt erstaunlicherweise vieles bezüglich Umziehen, die haben ein spezielles Interesse: Sie wollen informiert werden, sie wollen auch inspiriert werden, sie wollen Checklisten haben. Das greifen wir alles auf. Wenn du Content mit diesem Thema kreierst, hast du gute Chancen, genau diese Leute, die sich für Umziehen interessieren, über Content Marketing abzuholen, das wär anders gar nicht möglich.

Das ist der Unterschied zwischen Push und Pull – TV-Werbung ist Push-Werbung, weil ich meine Nachricht rauspushe, auch wenn ich gar nicht weiß, ob diese Leute gerade umziehen oder nicht. Dann erreiche ich ein Drittel der Leute nicht. Umziehen.de ist Pull, d.h. wenn jemand sagt, ich möchte jetzt umziehen und fängt an bei Google zu suchen, dann sind wir da mit den richtigen Inhalten. Dann sind die Nutzer*innen direkt bei mir. Natürlich ist das Interesse der Deutschen Post, die Umzugsmitteilung zu verkaufen. So haben sie viel, viel genaueres Targeting.

Auch über Social Media ist es möglich, die Zielgruppe stärker einzugrenzen, weil ich durch die Algorithmen sagen kann, ob jemand kurz davor steht, umzuziehen. Wenn jemand die Geburt seines Kindes teilt. Dann kann ich davon ausgehen, dass dieser jemand vorhat, im nächsten Jahr oder in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich umzuziehen. Insofern kannst du schon eine Zielgruppe wählen und sagen, die spricht man alle an.

Was meinst du? ist der Printjournalismus durch das digitale Marketing gefährdet, auf lange Sicht auszusterben?

Das glaube ich nicht. Es ist immer so, dass sobald neue Dinge entwickelt werden, man glaubt, die alten sind tot. 20 Jahre später wundert es mich, dass es die Dinge noch gibt. Als es das Fernsehen gab, hat man gesagt, dass es das Radio bald nicht mehr gibt. Dann gab es die Streaming-Angebote und man glaubte, YouTube sei tot und es gibt es immer noch. Insofern glaube ich, dass die Printerzeugnisse, weiter ihre Berechtigung haben und auch weiter existieren, weil es auch eine andere Haptik ist.

Den Inhalt kann man auch Online transportieren, aber dann hat man natürlich die Haptik nicht. Insofern ist die Frage, ob es Tageszeitungen mit diesem Papiergedrucke, ob das jetzt bleibt, muss man mal abwarten, aber so hochwertige Magazine, die wöchentlich oder monatlich rauskommen, mit denen man sich über längere Zeit beschäftigt, die werden entsprechend auch hochwertiger gemacht sein. Die möchte man auch entsprechend aufbewahren oder archivieren. Die werden auf jeden Fall weiterhin ihre Berechtigung beibehalten. Es werden auch Bücher weiterhin massenweise produziert. Natürlich gibt es Kindle etc. und das wird sicherlich einen Teil des Buchmarktes abgreifen. Aber ich glaube nicht, dass das Buch komplett aussterben wird.

Es sind immer Ergänzungen von dem, was schon da ist. Komplett verschwinden wird es meiner Meinung nach nicht.

Würdest du uns einen Einblick in deinen Arbeitsalltag geben? Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag von Philip Dipner oder dem CEO einer Content Marketing-Agentur aus?

Wir haben morgens immer unser Stand-Up, was wir schon lange machen. Das ist einer Viertelstunde, in der wir uns auf den Tag vorbereiten, bei der jede*r sagt, was er*sie heute vorhat. Das ist ein kleiner Kreis der Top-Führungskräfte. So beginnt der Tag, an dem ich schon ausgiebig Sport gemacht habe und mich körperlich und mental darauf vorbereite. Dann ist es so, dass wir als Geschäftsführer sehr viel in Meetings sind und Dinge entscheiden müssen und auch Dinge diskutieren.

Das ist etwa ein Drittelmix: ein Drittel sind konkrete Kundenprojekte. Das sind die Kunden, mit denen wir uns beschäftigen und inhaltlich richtig Impulse geben. Das zweite Drittel sind Themen, die das Unternehmen betreffen. Das sind strategische Weiterentwicklung, der Programmplan – der lässt sich jedes Jahr vornehmen. Da müssen wir gucken, wie weit wir voran sind und da gibt es To-Dos, die wir abarbeiten. Das letzte Drittel sind die Mitarbeiter*innen und die Mitarbeiterthemen, um die wir uns kümmern. Da gibt es immer wieder Themen, die aufkommen, bspw. letztes Jahr Kurzarbeit, jetzt haben wir aktuell zum Glück die Phase, in der wir sehr viele neue Leute einstellen. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.

Und dreimal am Tag habe ich mir die „Kommunikationsinseln“ eingerichtet, in denen ich morgens einmal die E-Mails checke – bzw. E-Mails haben wir gar nicht mehr, wir nutzen hauptsächlich Slack zur internen Kommunikation. Das mache ich morgens, mittags und abends. Das kann ich nur jedem empfehlen, auf keinen Fall auf die Nachrichten, sei es WhatsApp [hier ein Artikel zur Lesebestätigung. Anm. d. Red.], Slack oder E-Mail, sofort zu reagieren. Man muss sich eigentlich zwingen, zu warten, alle Push-Notifications auszuschalten und dann zu sagen, man macht es dreimal am Tag. Schaffen tun es ganz wenige, aber ich mache das komplett. Also ich werde vor 17:00 Uhr / 18:00 Uhr nachmittags nicht antworten. Witzigerweise wissen das die Kolleg*innen. Das stört sie gar nicht. Wenn sie was dringendes wollen, dann sollen sie anrufen und das passiert erstaunlich wenig. Wir telefonieren eigentlich gar nicht. Das passiert alles schriftlich, wobei das auch schade ist. (Oder vorbeikommen ;-) ).

Seit 2019/2020 leitest du Content Fleet mit Michael Dunker, dem CEO und Mitgründer von TESTROOM, mit denen ihr fusioniert seid. Wie empfindest du die Arbeit im Rahmen einer Doppelspitze? Empfindest du sie als Erleichterung oder ist es durch zwei große Köpfe komplizierter geworden?

Es ist einerseits komplizierter geworden, andererseits wollten wir es genauso machen. Es kommt aus meiner Sicht extrem darauf an, dass man sich die Aufgaben aufteilt. Das funktioniert bei uns extrem gut. Damals als wir noch alleine waren und Ströer noch ambitioniert einen ambitionierten Wachstumsplan hatten. Habe ich den Vorstand gefragt, ob wir nicht auch mal eine Firma kaufen können, die uns gut ergänzt. Daraufhin hat der Vorstand gesagt, ja klar, wenn ich eine habe, soll ich Bescheid sagen und dann habe ich mit Michael Dunker gesprochen. Wir kannten uns und er wusste, dass er auch überlegt seine Firma zu verkaufen und dann waren wir uns sehr schnell einig.

Wir wussten aber, dass es nur funktioniert, wenn wir ganz klare fachliche Schwerpunkte haben. Das war bei uns sehr schnell und leicht zu realisieren. Ich habe das Thema Finanzen, Organisation und Strategie in der Verantwortung und er hat das Thema Vertrieb und die Arbeit mit dem Kunden. Das war für mich perfekt. Ich habe zwar viele Pitches gemacht und gewonnen, aber mein Hauptgebiet ist natürlich nicht der Vertrieb. Das ist etwas, das man mitmachen muss als CEO, aber wenn man mich fragt, ob das meine Leidenschaft ist, würde ich sagen: Nein, ich rechne lieber aus, die Qualität, Performance, mit welchen Produkten und welcher Dienstleistung mache ich welche Marge und wie kann ich das alles verbessern, Prozesse, Organisationen, auch die Produkte. Dahingegen macht Michael den Vertrieb sehr, sehr gut als CEO und das klappt sehr gut.

Wir beraten uns, das ist das zweite, was natürlich sehr angenehm ist, dass man nicht wie früher, die Entscheidungen alle alleine treffen muss. Man kann sich mit jemanden beraten, der mit einem auf einer Stufe ist. Ich glaube, dass man unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema zulässt und diese diskutiert, führt dazu, dass man bessere Entscheidungen trifft. Insofern klappt das super.

Ich glaube, wenn man die Grundlagen der Kommunikation lernt, weiß wie Kommunikation funktioniert, dann kann ich in der Medienbranche alles machen, völlig egal was: Performance Marketing, Content Marketing oder PR – das lernt man dann schon.

Philip Dipner, CEO von Content Fleet

Es gibt immer mehr Content besonders in der crossmedialen Welt. Findet irgendwann eine Sättigung statt?

Ja, das ist mit Sicherheit so, wie mit allem. Es gab damals eine Diskussion, ich glaube Thomas Strerath von Jung von Matt und Erwin Meytap von Territory haben gesagt, es gibt viel zu viel Content, das Content Marketing ist tot. Aber das ist das gleiche wie mit allen Dingen im Leben, von denen es irgendwann theoretisch immer zu viel geben kann. Man kann genauso sagen, es gibt viel zu viel Fernsehen, es gibt viel zu viele TV-Spots, die man schreiben kann oder es gibt viel zu viel Printanzeigen, die keiner mehr haben will. Aber es ist so, dass wenn die Content Menge steigt, dann wird es teurer mit dem Content zum*zur Nutzer*in durchzudringen, und irgendwann ist es so teuer, dass es sich für den Kunden nicht mehr lohnt und dann wird der entsprechende Auftrag weniger.

Insofern gibt es ein Gleichgewicht. Das kennen wir aus der Volkswirtschaftslehre und wie mit allen Dingen auch, wird sich auch im Content-Bereich ein Gleichgewicht einpendeln. Und mit diesem Gleichgewicht gibt es genauso viel Content zu dem Preis, den der Markt dann auch braucht, den der Kunde dann auch verarbeiten kann. Aktuell sind wir noch im Wachstumsbereich, d.h. der Bereich ist noch gedeckt, was natürlich auch daran liegt, dass wir spezialisiert Inhalte kreieren können und sehr spezielle Zielgruppen ansprechen können. Aber die Nachfrage nach Content Marketing ist enorm. Da gibt es noch keine Sättigung. Wann das genau passieren wird, das wissen wir noch nicht. Das ist dann wie mit anderen Werbeformen. Es gibt dann nur begrenzte Keyword-Plätze bei Google. Die werden wie bei einer Auktion versteigert. Da gibt es dann einen Gleichgewichtspreis und genau das wird bei Content auch passieren.

Digitales Content Marketing ist in vielerlei Hinsicht ressourceneinsparend. Inwieweit kann es möglicherweise auch als umweltschonend (zurzeit in jedem Gebiet ein großes Thema) angesehen werden?

Erstmal sind wir digital, was abgesehen von Stromverbrauch, sehr ressourcenschonend ist. Wir drucken kein Papier, brauchen nicht aufwendig durch die Gegend zu reisen, um Fernsehspots zu produzieren. Du hast Recht, wir brauchen keine großen Produktionskapazitäten. Wir haben einen kleinen Computer, an dem wir unsere Inhalte kreieren können. Um sie zu vertreiben, müssen wir keine Autos durch die Gegend schicken und Pakete abliefern. Insofern sind wir mit dem, was wir tun, per se im Digitalbereich, in der digitalen Kommunikation schon ressourcenschonend.

Die größte Ressource, die wir brauchen ist, wenn man so will Strom. Jetzt müssen wir gucken, wie können wir diesen Strom, diese Energie umweltschonend einkaufen. Da gibt es verschiedene Tarife, die wir auch haben. Bei diesen sagen wir, das sind nachhaltige Lieferanten, die den Strom dann liefern. Wir haben z.B. was die Hardware angeht, ein Leasingmodell, dass die Computer, die wir anschaffen, nicht verbraucht und neue gekauft, sondern wir haben sie gemietet, sie benutzt, zurückgegeben und dann wurden sie von dem Anbieter weiterverwertet. Insofern sind wir dahingehend auch ressourcenschonend aufgestellt.

Das Dritte, das wir machen, ist dass wir durch die Krise gelernt haben, dass Home Office für uns extrem gut funktioniert. Deswegen wollen wir vielen Mitarbeiter*innen, weit mehr als 50 Prozent, die Möglichkeit bieten, von Zuhause aus zu arbeiten. Die ganzen Pendelkosten und auch der Energieverbrauch fallen weg. Wenn nur noch die Hälfte der Kolleg*innen mit dem Auto oder der Bahn zur Arbeit kommen, dann brauchen wir nur noch die Hälfte Benzin und Energiekosten. Dadurch, dass die Kolleg*innen von Zuhause aus arbeiten, brauchen wir entsprechend weniger Quadratmeter Bürofläche, was auch nochmal den Druck auf die Innenstädte ein bisschen reduziert und dann wiederum etwas flexiblere Mietpreise zu erzielen. Es ist in diesem Sinne zwar keine Ressourcenschonung aber wir leisten dadurch unseren Beitrag, dass die Welt wieder demokratischer wird.

Retrospektive: Kannst du sagen, den Höhepunkt deiner Karriere für dich selbst erreicht hast?

Na, ich hoffe nicht! Ich werde zwar jetzt dieses Jahr 50, aber ich sehe das ganze Leben noch vor mir. Ich hatte mal einen Chef in der Unternehmensberatung, der zu jedem, der das Unternehmen verlassen hat, gesagt hat: „Du befindest dich noch am Anfang deiner Karriere.“, auch wenn dieser schon Partner war. Er meinte damit, dass man immer noch etwas aus sich machen kann, bis ins hohe Alter. Insofern glaube ich das nicht. Es gibt immer drei Jahres Phasen, in denen man sich ein neues Projekt vornimmt. Das erste war Content Fleet zu verkaufen, das zweite war dann sozusagen es auf den Track zu bringen, den wir damals im Hochstand verkauft haben. Wir haben jetzt eine Firma integriert, mit TESTROOM fusioniert und jetzt kommt der nächste Schritt. Wir haben eine Firma gebaut mit 140 Mitarbeiter*innen, das ist eine riesige Verantwortung.

Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass damit der Höhepunkt der Karriere erreicht ist. Da könnte ruhig noch etwas kommen, wobei man das nie wirklich planen kann. Man muss gucken, was man erreicht hat. Ich könnte mir durchaus vorstellen, nochmal ein eigenes Unternehmen zu gründen. Man braucht immer, bestätigt zu werden, die Erfahrung weiterzugehen und noch größere Firmen erfolgreich zu machen. Ich glaube nicht, dass ich da schon angekommen bin.

Zum Abschluss: Zwischen dem Abitur, aber manchmal noch der Berufsausbildung und dem tatsächlichen Berufseinstieg liegen manchmal Welten. Als wie offen empfindest du die Medien und Kommunikationsbranche (für Quereinsteiger) und welchen Rat kannst du jungen Menschen im Zuge dessen geben?

Wir sind extrem offen, weil man das, was man hier braucht, im Grunde genommen an der Uni eh nicht lernt. Zumindest das wenigste davon. Es ist viel Practice on the Job und ihr als Medien- und Kommunikationsstudent*innen seid ein sehr praxisorientierter Studiengang. Da kann gar nicht noch mehr Praxis vermittelt werden. Aber ich habe eine Grundphilosophie, dass dieses theoretische, was man an der Uni lernt, bspw. was ich damals gelernt habe, kann ich überall anwenden, das ist völlig egal in welchem Bereich. Ich glaube, wenn man die Grundlagen der Kommunikation lernt, weiß wie Kommunikation funktioniert, dann kann ich in der Medienbranche alles machen, völlig egal was: Performance Marketing, Content Marketing oder PR – das lernt man dann schon. Aber es geht um Kommunikation, es geht um Medien. Wenn ich ein Gefühl für Medien habe und ein Interesse entwickle, dann werde ich mich überall einarbeiten.

Wir haben ein ganzes Team, das macht YouTube-Videos, wann haben die das gelernt, wie man YouTube-Videos macht? Wie muss ein Video aussehen? YouTube funktioniert! Was sind die Kniffe, was sind die Tricks? Und dann festzustellen, dass das wichtigste vielleicht das Thema ist und das Konzept dahinter… ich weiß nicht, ob man das an der Uni lernt. Ich habe es nicht gelernt. Da bist du tiefer drin, aber ich glaube das lernt man nur im Job. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, offen in die Medienlandschaft reinzugehen.

Content Marketing CEO Philip Dipner
Quelle: Content Fleet

Wenn wir uns Bewerber*innen angucken, ist es fast schon egal, was sie studiert haben. Wenn sie studiert haben ist es toll, weil wir wissen, dass sie sich in neue Themenbereiche einarbeiten können, sie können strukturiert arbeiten, sie können auch methodisch gut arbeiten, sie haben ein methodisch-theoretisches Grundgerüst und vor allen Dingen haben sie gelernt, sich ein größeres Gebiet anzueignen. Was das jetzt ist, ist egal. Wir haben einen Berater, der hat Content Marketing studiert, der ist ein guter Mitarbeiter. Wär er jetzt besser, wenn er Germanistik studiert hätte? Nein. Wir sind da sehr flexibel und die Medienlandschaft ist kulant für jegliche Art von Ausbildung. Ich würde das Studium immer danach ausrichten, was mich interessiert. Wenn ich bspw. Jura studieren möchte, weil ich dann viel Geld verdienen kann, aber man interessiert sich eigentlich für YouTube Videos, dann kommt man nicht weit.

Insofern ist es aus unserer Sicht, in unserer Branche erstmal gut, wenn man studiert hat, aber das was man studiert hat, ist jetzt nicht ganz so wichtig. Auch wenn es nicht schadet, wenn man Kommunikationswissenschaften studiert hat. Dann hat die Person sicherlich einen leichteren Einstieg, als wenn man bspw. Physik studiert hat. Das ist glaube ich auch klar.

Ich bedanke mich im Namen der gesamten MuK-Blog Redaktion ganz herzlich für das großartige Interview mit Philip Dipner und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Johanna Karajan

"Ich bin geboren, um Journalistin zu werden.", sagt Johanna über sich, "Journalismus ist mein großer Traum!" Auf diesen Traum arbeitete die geborene Hamburger Deern mit armenisch-französischen Wurzeln direkt nach ihrem Abitur hin und gründete ihren eigenen Mode und Lifestyle Blog. Um ihre Leidenschaft aber auch zum Beruf zu machen, absolvierte sie den Bachelor in Politikwissenschaften und sammelte Erfahrungen durch Allround-Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Jahr Top Special Verlag. Vor ihrer Elternzeit hat Johanna bei einer Content Marketing Agentur als Quality Assurance Assistant und Content Manager gearbeitet. Die Mutter eines Sohnes nutzt nun die Corona- und Lockdown-Zeit sich nicht nur weiterzubilden, sondern auch ihren Traum mit einem Master-Titel in Medien und Kommunikation zu verwirklichen.