Wenn die Cloud brennt – wie sicher sind unsere Daten?

Der Gedanke klingt zunächst abwegig: die „Cloud“ brennt. Doch genau das ist im März dieses Jahres in Straßburg geschehen.

Um zu verstehen, wie das möglich ist und welche Konsequenzen es haben kann, muss man zunächst das abstrakte Konzept der Cloud verstehen. Hierbei handelt es sich um eine in der Regel dezentrale Lösung zur Datenspeicherung oder Datenverarbeitung. Entgegen dem von Internetkonzernen propagierten Bild, liegen die Daten nicht irgendwo im Äther ab, sondern werden in Rechenzentren auf entsprechender Hardware verarbeitet bzw. gespeichert. Ein Managementsystem verwaltet alle Server in dem Rechenzentrum und bündelt sie zu einer virtuellen Cloud. So können beispielsweise defekte Geräte innerhalb des Rechenzentrums ausgetauscht werden, ohne die Verfügbarkeit der Applikationen einzuschränken. Außerdem lässt sich die Auslastung der Hardware so optimal verteilen und Ressourcen für Anwendungen können dynamisch skaliert werden. Durch die schiere Menge der Geräte und die Fähigkeit des Managementsystems auf etwaige Probleme zu reagieren, sind Totalausfall oder Datenverlust sehr unwahrscheinlich.

Auch die Daten in einer Cloud liegen letztlich auf Server-Hardware ab
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Möglich ist dies aber trotzdem, wie ein aktueller Fall aus Straßburg zeigt. Denn im März dieses Jahres stand hier Europas größtes Rechenzentrum in Flammen – ein Anlass, sich über die Sicherheit seiner Daten Gedanken zu machen und zu überlegen, was passiert wenn die Cloud brennt.

Die Cloud brennt – das Worst Case Szenario

Der vorliegende Fall aus Straßburg gleicht einem Worst-Case Szenario. So bestanden die Zwischendecken des Rechenzentrums aus Holz, es war kein automatisches Feuerlöschsystem installiert und es gab längst nicht von allen Daten separat gelagerte Backups. Es wurde also deutlich an der Sicherheit gespart. Die Folge waren spürbare Verlangsamung einiger Online-Dienste sowie Totalausfälle von 3,6 Millionen Websites sowie z.T. enorme Datenverluste.

Automatische Brandbekämpfungssysteme und regelmäßige Backups sind bei den meisten großen Anbietern inzwischen der Standard. Bei dem betroffenen Anbieter aus Frankreich handelte es sich um einen Niedrigpreis-Anbieter, der wohl aus Kalkül genau an diesen Systemen sparte. Doch auch Rechenzentren mit entsprechenden Löschsystemen sind nicht Ausfallsicher, so gab es schon Fälle, in denen die schlagartige Expansion von Löschgasen die Festplatten der Server dermaßen in Schwingungen versetzte, dass auch hier Schäden entstanden.

Wichtig ist, sich der Gefahr eines Ausfalls und Datenverlustes bewusst zu sein und sich von den Gegenmaßnahmen der jeweiligen Cloud-Betreiber zu überzeugen. Viele große Anbieter werben mit ihrer Ausfallsicherheit und informieren offen über Backup-Strategie, Unterbrechungsfreie Stromversorgung und Brandbekämpfungsverfahren. Für den Privatanwender ist meist auch ein zusätzliches Backup auf einer externen Festplatte eine kostengünstige und einfache Backup-Lösung.

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Quellen: FAZ, Datacenter-Insider
Bildquellen: Pixabay, roegger, dlohner

Simon Crins

Simon ist ausgebildeter Mediengestalter und absolvierte bereits sein Bachelorstudium an der Mobile University. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon im Raum Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur und hat im September 2020 sein Masterstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mobile University begonnen.