Krisenkommunikation in der katholischen Kirche – Teil 1

Dieser Beitrag soll darstellen, was aus wissenschaftlicher Sicht in der Kommunikation der katholischen Kirche falsch läuft. Dabei geht es um die Krise der Institution, nicht um religiöse Ansichten.

Die aktuelle Situation der katholischen Kirche

Für unzählige Menschen ist ihre Religion ein fester Bestandteil ihres Lebens. Gerade in schwierigen Zeiten kann sie Kraft geben. Doch nicht nur in Deutschland steht die Institution katholische Kirche gerade heftig in der Kritik. Missbrauchsskandale, die Nicht-Segnung homosexueller Paare oder Forderungen, Frauen mehr Verantwortung zu geben sorgen immer wieder für Diskussionen. Thomas Pöschl, Vorstandsmitglied der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche meint, die katholische Kirche habe sich durch ihre eigene Starrheit in Bezug auf die Sexualmoral selbst an den Abgrund geführt. So war zwischenzeitlich die Nachfrage nach Kirchenaustritten im Erzbistum Köln so groß, dass das Amtsgericht innerhalb von 24h ganze 1000 Termine vergab.

katholischen Kirche
Die Institution katholische Kirche hat ein Imageproblem und steht häufig in der Kritik.

Bereits im Februar diesen Jahres diskutierten Satirikerin Carolin Kebekus und Maria 2.0-Aktivistin Maria Mesrian mit Moderator Daniel Bröckerhoff im ZDFheute live „Katholische Kirche ohne Zukunft: Nichts wie raus?“ über die Problematiken. Anschließend ordnete Kirchenexperte Jürgen Erbacher die Situation ein und verdeutlichte: Die Institution Kirche denkt in Jahrhunderten, die Menschen denken in Jahrzehnten. Außerdem sei es schwierig, als Weltkirche zu agieren, wenn europäische Länder z.T. die Segnung homosexueller Paare befürworteten, es aber Kritik aus beispielsweise afrikanischen Ländern gäbe. Die Perspektive von katholischen Priestern, Küster*innen oder Gläubigen ist in vielen Streitfragen sehr unterschiedlich. Ein einheitliches Vorgehen ist wichtig, aber wirkt in diesem Falle unbeholfen. Und die Maria 2.0-Forderungen, dass Frauen mehr Verantwortung und Ämter in der Kirche übernehmen dürfen, sei demnach eher Mainstream als radikal.

Krisenkommunikation in der Theorie

Wie kann man die Probleme angehen oder zumindest besser kommunizieren? Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine Krise ein Notfall. Ursachen können Naturkatastrophen, technisches, menschliches Versagen oder gezielte kriminalistische bzw. terroristische Handlungen sein. Aber auch die Bewältigung der Situation selbst kann zur Krise werden, wenn die Organisation nicht vorbereitet ist. Merkmale von Krisen sind, dass sie schnell ein hohes öffentliches Interesse wecken und ein langfristiger Imageschaden für ein Unternehmen, eine Organisation oder den Staat entstehen kann. Ein Beispiel hierfür wäre das Unternehmen AstraZeneca, dass wegen seinem Corona-Impfstoff gerade viel negative Aufmerksamkeit erhält. Entscheidend für den Verlauf einer Krise ist also, wie gut man darauf vorbereitet ist. Idealerweise gibt es ein festes Krisenteam, dass anhand eines Leitfadens die Situation beurteilt und in klaren Verantwortlichkeiten arbeitet. Die Organisation stimmt ab, was nach innen und außen kommuniziert wird und es bestehen gemeinsame Ziele.

Krisenkommunikation
Ein Krisenteam ist unerlässlich, um zügig die Situation zu meistern und weitere negative Aufmerksamkeit zu verhindern.

Wichtig ist, dass Krisenkommunikation schnell, verständlich, wahrheitsgemäß und kontinuerlich erfolgt. Die angesprochenen Personen sollen merken, dass ihre Kritik aufgenommen wird und das Unternehmen oder die Organisation Veränderungen anstrebt und für die Krise Verantwortung übernimmt. Damit Krisenkommunikation funktioniert, müssen also Pläne präventiv erstellt und im Notfall umgesetzt werden. Nach einer Krise sollte außerdem hinterfragt werden, ob man geeignet reagiert hat oder ob Verbesserungen notwendig sind. Ob das die katholische Kirche so umsetzt, wird der zweite Teil dieses Beitrages untersuchen.

Quellen:

ZDFheute/ Video: https://www.zdf.de/nachrichten/zdfheute-live/woelki-kirche-missbrauch-bischofskonferenz-video-100.html

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Artikel von Matthias Rüb: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kritik-an-nicht-segnung-homosexueller-paare-durch-vatikan-17248036.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Bundesministerium des Inneren, Leitfaden Krisenkommunikation: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/bevoelkerungsschutz/leitfaden-krisenkommunikation.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Beitragsbilder:

pixabay/ miltritter: https://pixabay.com/de/photos/kirche-kirchenb%C3%A4nke-religion-1398784/

pixabay/ StockSnap: https://pixabay.com/de/photos/priester-zur%C3%BCck-kirche-heilig-2586055/

pexels/ Rebrand Cities: https://www.pexels.com/de-de/foto/gruppe-von-menschen-die-vor-dem-tisch-sitzen-1367275/

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium erste Berufserfahrungen beim ZDF gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und arbeitet jetzt in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.