Sexismus im Sport (Teil 1/2)

Wo soll man anfangen? Spitzensportlerinnen verdienen im Durchschnitt weniger Geld als ihre männlichen Kollegen, sind in den Medien unterrepräsentiert, sind seltener in der Werbung zu sehen und sind häufiger sexueller Belästigung ausgesetzt. Puh, was ein Satz. Auch die Kleiderordnung von weiblichen Sportlern ist oft knapp bemessen. Das wird immer wieder damit begründet, das man durch viel nackte Haut eventuell mehr Zuschauer*innen und Sponsoren gewinnen kann. Und das ist noch nicht das Ende der Kritik. Der SWR führte dieses Jahr eine Umfrage mit rund 700 Spitzensportlerinnen durch und kam zum Ergebnis: Etwa 60 % der Befragten haben das Gefühl, mehr leisten zu müssen als Männer, um wahrgenommen zu werden. Etwa jede dritte Teilnehmende sagte, sie habe schon Sexismus erlebt, doch rund 50 % meldeten dies nicht, weil es ja doch nichts bringe. Was kann man gegen so viele Probleme tun?

Die Kritik im Detail

Fangen wir an mit der Bezahlung, den Werbedeals und der Repräsentation in den Medien. Die Augsburger Allgemeine schreibt über den Gender Pay Gap: „Laut Erhebungen aus dem Jahr 2018 verdienen Spielerinnen in der deutschen Frauen-Bundesliga im Schnitt 39.000 Euro im Jahr. Ihre männlichen Kollegen bekommen in der dritten Liga durchschnittlich 120.000 Euro jährlich ausgezahlt. Männliche Bundesligaspieler erhalten im Schnitt 47.500 Euro – pro Spiel.“ Dieser deutliche Unterschied ist jedoch nicht nur beim Gehalt zu sehen, sondern auch bei Preisgeldern. Bei der Fußball EM 1989 erhielten die deutschen Frauen keine Prämie, sondern ein Kaffeeservice als Verdienst zum Titel. Die deutschen Männer gewannen 1990 die WM und erhielten umgerechnet 64.100 Euro pro Person. Was ein Unterschied.

Frauen im Sport müssen viele Klischees ertragen.

Und weil viele Sportarten mit Frauen wohl wenig Einschaltquoten generieren, sind Gehälter, Preisgelder und Werbedeals längst nicht so üppig wie im Männersport. Adidas und Nike gehen mittlerweile mit gutem Beispiel voran und zeigen bewusst Frauen in ihrer Werbung. Ansonsten machen viele männliche Sportler Werbung – egal ob für Sportkleidung, Rasierer, Zahnbürsten, Getränke usw. Man denke da nur an die deutsche Fußballnationalmannschaft. Ansonsten ist einigen vielleicht die Generali-Versicherung bekannt, die mit Tennis-Star Angelique Kerber wirbt. Aber ansonsten sind Spitzensportlerinnen in der Werbung noch wenig sichtbar.

Die geringe Repräsentation in den Medien ist ein großes Problem. Denn wenn niemand die Sportlerinnen und ihren Sport zeigt, wer kennt sie dann? Warum soll man relativ unbekannten Leuten so viel zahlen wie den „Helden der Nation“, z. B. den männlichen Fußballspielern, die zum Teil fast religiös verehrt wrden? Auch aus diesem Grund sollten die Medien die Thematik immer wieder aufgreifen. Doch es geht nicht nur um Finanzen. Frauen im Sport können andere ermutigen: Gehe über deine Grenzen, überwinde Hürden und zeige anderen, was du kannst! Gerade für junge Mädchen und Teenager eine wichtige Message. Es braucht mehr Vorbilder in diesem Bereich. Und ein Umdenken. Die erste deutsche Boxerin, die je eine WM-Medaille gewann ist Nadine Apetz. Regelmäßig bekommt sie zu hören: „Wie du boxt? Hast du nicht Angst um deine Nase? Oder um dein hübsches Gesicht?“

Die Lösung?

Es wäre zu einfach, jetzt mit einem 10-Punkte-Plan aufzukreuzen und zu behaupten, damit wird die Situation geregelt. Zum einen wäre es für Medien eine wichtige Agenda, bewusst mehr über Frauen im Sport zu berichten: Ihre Erfolge und Persönlichkeiten, die noch bestehenden Ungerechtigkeiten. Auch Verbände und Funktionäre sollten sich dafür mehr einsetzen. Werbetreibende können weibliche Sportler zeigen, um auch sich selbst als modernes Unternehmen zu präsentieren. Es gibt Möglichkeiten. Teil zwei dieses Beitrages konzentriert sich auf sexuelle Belästigung, anzügliche Sportuniformen und Sponsoren im Frauensport.

Quellen:

SWR: https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/sexismus-im-leistungssport-100.html

Augsburger Allgemeine: https://www.augsburger-allgemeine.de/sport/Gender-Pay-Gap-Gehaltsunterschiede-im-Sport-Was-Frauen-und-Maenner-verdienen-id54607416.html

horizont: https://www.horizont.net/marketing/auftritte-des-tages/reimagine-sport-adidas-feiert-alle-frauen-in-neuer-kampagne-180039

W & V: https://www.wuv.de/marketing/angie_kerber_legt_sich_fuer_generali_ins_zeug

Bilder:

Free-Photos auf Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/frauen-rennen-leichtathletik-laufen-801940/

Artist and zabiyaka auf Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/frau-modell-portr%c3%a4t-football-sport-6079796/

Eva Bloch

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium erste Berufserfahrungen beim ZDF gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und arbeitet jetzt in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.