Die #PinkyGate Story

Die Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist mit durchschnittlich 2 Millionen Zuschauer*innen ein besonders reichweitenstarkes Format des Privatsenders VOX (RTL Group). Immer wieder werden vorgestellte Produktideen in den sozialen Medien unter dem Hashtag #DHDL diskutiert. Spezielle Aufmerksamkeit bekam die Folge vom 12. April. Die beiden Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden präsentierten ihr Produkt die „Pinky Gloves“, pinkfarbene Einmalhandschuhe zur Entsorgung von Menstruationsprodukten. Bereits während der Ausstrahlung bahnte sich auf verschiedenen sozialen Netzwerken ein Shitstorm unter dem Hashtag #PinkyGate an. Warum? Weil das Produkt unter anderem suggeriert, dass die Periode unrein und unhygienisch sei.

Sexismus, Stigmatisierung der Menstruation und „Pinkwashing“ – Die Reaktionen im Netz zum #PinkyGate

Doch das ist nur einer von vielen Vorwürfen, die sich in den sozialen Medien unter den Hashtags #PinkyGate und #PinkyGloves finden lassen: Die Verwendung von Einmalhandschuhen ist absolut nicht umweltfreundlich und das Design, klischeehaft in pink, ist kontraproduktiv im Hinblick auf Bemühungen, die Menstruation von ihrem Stigma zu befreien. Dass aus einem nutzlosen Periodenprodukt, das zurück zur Tabuisierung der Menstruation führt, versucht wird Profit zu schlagen wird darüber hinaus als „Pinkwashing“ verurteilt. Völlig unverständlich empfanden Kritiker*innen demnach Ralf Dümmels (Investor bei „Die Höhle der Löwen“) Investition in das Startup in Höhe von 30.000 Euro.

„Was wir brauchen, ist kein weiteres, ökologisch verwerfliches, sexismusreproduzierendes und auch noch teures Produkt, mit dem cis Dudes Geld machen. Sondern ein verändertes Mindset. Wir bluten, get over it. Und wenn dich der Müll stört, bring ihn halt raus.“

Autorin Franka Frei, 13. April auf Instagram
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Ikea zu #PinkyGate auf Twitter

Wertvolle Debatten rund um das Thema Periode

Aufgrund der lauten und reichweitenstarken Kritik sind besonders auf Instagram und Twitter auch wichtige Debatten über die Menstruation entstanden. Laut Dümmel würden durch das Feedback „[…] diverse Positionen sichtbar […]“ aus denen es nun zu lernen gilt. Sowohl die Gründer, als auch der Investor Ralf Dümmel entschuldigten sich daraufhin öffentlich, nur wenige Tage nach Ausstrahlung der Sendung.

„Periode ist ein politisches Thema. Und ich gebe zu, dass ich dem nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet habe. Ich hielt es für einen Problemlöser, der Menstruierenden unterwegs, zum Beispiel auf Festivals, hilfreich sein würde.“

Ralf Dümmel, 14. April auf Instagram

Die Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden verkündeten außerdem bereits vor 4 Tagen, dass die Pinky Gloves vom Markt genommen und die Produktion dementsprechend eingestellt wird.

Social Bashing – Wenn Kritik Grenzen überschreitet

Mit der Nachricht über das Aus der Pinky Gloves baten Raimkulow und Ritterswürden zum wiederholten Mal darum, Hasskommentare sowie Gewalt- und Morddrohungen zu unterlassen. 

„Was uns nachhaltig sehr trifft, ist die Tatsache, dass wir einer heftigen Welle an Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen, bis hin zu Morddrohungen, ausgesetzt sind. Wir werden auf offener Straße attackiert und beschimpft.“

Pinky Gloves, 20. April 2021 auf Instagram

In ihrer Bitte erhielten sie öffentliche Unterstützung von mehreren Seiten. So haben sich beispielsweise die Gründerinnen der Marke Ooia (Menstruationsunterwäsche) und die Journalistin Louisa Dellert zwar im Vorfeld kritisch zum Produkt geäußert, ziehen aber ebenfalls eine klare Grenze zwischen konstruktiver Kritik und Hass.

„Aus konstruktiver Kritik wird inzwischen viel zu schnell Empörung und aus Empörung wird Hass.[…] Ich finde euren Schritt stark und wünsche euch, dass die Leute euch in Ruhe lassen und verstehen, wie Fehlerkultur funktionieren sollte in diesem Fall. Ihr habt euch entschuldigt, Konsequenzen gezogen und jetzt sollte das Kapitel damit beendet sein.“

Kommentar von Louisa Dellert zum Posting von Pinky Gloves

Quelle Beitragsbild: Austin Kirk auf Pixabay
Weitere Quellen: Horizont, Pinkstinks, Statista,

Lara Hofmann

Lara sammelte bereits während ihres MuK-Studiums praktische Erfahrungen in der digitalen Kommunikation. Sie wohnt seit einem Jahr in Leipzig und interessiert sich neben ihrem Studium für polarisierenden Themen wie Nachhaltigkeit, Feminismus und Diversität. Daher beleuchtet sie in ihren Artikeln jene medialen Ereignisse, die einen gesellschaftlichen Nerv treffen oder den Wertewandel jüngerer Generationen als Zielgruppe Werbetreibender und Medienschaffender.