Indeed-Werbespot: Eine Stellungnahme

„Nicht Ingrid, sondern Indeed“ – ist das die Art Werbespot, die wir uns von einem seriösen Jobportal wünschen? Lest hier eine Stellungnahme zum Werbespot von Indeed.

Was ist Indeed?

Indeed.com ist ein Jobportal, welches im November 2004 in den USA gegründet wurde. Der Hauptsitzt des Unternehmens verteilt sich auf Austin, Texas sowie Stamford, Connecticut. Seit 2012 gehört Indeed als unabhängiges Tochterunternehmen dem japanischen Verlags- und Personalunternehmen Recruit Co. Ltd. .
Die Online-Präsenz hat mehr etwas von einer Suchmaschine als einem Portal. Auf der Homepage gibt man den Standort seines gewünschten Arbeitsplatzes an und die Berufsbezeichnung. Anschließend filtert Indeed die passenden Berufe heraus. Funktionen wie die in Frage kommenden Jobs zu speichern, sie beispielsweise als beworben zu markieren, seinen Lebenslauf hochzuladen und vieles mehr vereinfachen die Jobsuche.

Mittlerweile ist Indeed auch als App in 28 Sprachen in 60 Ländern vertreten. Mit einer Nutzungsrate von 39% aller Jobsuchenden (Stand 2019 – entspricht 250 000 Besucher pro Monat weltweit) gilt der amerikanische Konzern als das führende Portal für die Jobsuche.

Fun-fact für alle Fußball-Fans: Seit 2018/2019 ist das Unternehmen Indeed der offizielle Haupt- sowie Trikot-Sponsor der Eintracht Frankfurt.

Zielgruppe von Indeed

In erster Linie dient das Jobportal dazu, Jobsuchende dabei zu unterstützen, den für sie passenden Beruf zu finden. Dies können Absolventen (einer Universität), Schulabgänger aber auch jene sein, die sich trotz eines bestehenden Arbeitsverhältnisses nach einem anderweitigen, besseren Job umschauen möchten. Insofern umfasst die Zielgruppe Indeeds grundsätzlich alle Menschen von 18 Jahren bis zum Rentenalter mit einem mindestens grundlegenden Bildungsgrad.

Worum geht es in dem Werbespot?

Indeed Deutschland setzt seit 2019 verstärkt auf TV-Werbung und probiert sich dabei mit verschiedenen oder angepassten Werbespots frequent selbst aus. Unter der #NichtsZuMeckern-Kampagne soll der Zielgruppe verdeutlicht werden, wie einfach die ungern vollbrachte Tat der mühseligen Jobsuche mit ihrem Portal sein kann. Dabei steht im Fokus immer ein unzufriedener Hauptakteur bzw. eine unzufriedene Hauptakteurin, die eigentlich nichts zu meckern haben sollte. Im Folgenden soll die Indeed-Ingrid-Kampagne dargestellt und anschließend interpretiert werden

Ursprünglicher Werbespot

Die Indeed-Ingrid Kampagne startete im Februar diesen Jahres. Zu sehen ist sie vor allem mittags bis hin zum frühen Abend. Die Werbekampagne startete mit einer vollschlanken Frau, die – wir wissen es nicht genau – entweder Ingrid heißt oder wie eine typische Ingrid aussehen soll. Sie ist mittleren Alters, hat halblange braune Haare und fällt ansonsten nicht weiter durch Kleidung oder ähnliches auf.

Mit einigen Abweichungen dieses ursprünglichen Werbespots ist Ingrid von ihrem Büroalltag grundsätzlich genervt, weil all ihre Kolleginnen und Kollegen sie nach einem Job fragen. Sie verwechseln – aufgrund der vermeintlich nahezu identischen Phonetik – ihre Kollegin mit dem Jobportal Indeed. Deswegen ergreift Ingrid irgendwann die Flucht auf die Toilette. Der 20-sekündige Werbespot endet mit dem Satz: „Nicht Ingrid, sondern Indeed!“ und dem Logo der Seite. Außerdem ist aufgeführt, dass Indeed die weltweit führende Jobbörse ist.

Werbespot seit der Home-Office-Verordnung

Seitdem die Corona-Pandemie auch in Deutschland Überhand genommen hat und der erste Lockdown im März 2020 verhängt wurde, hat sich das Leben der Menschen drastisch verändert. Die Devise lautet: Zuhause bleiben und Kontakt vermeiden. So greifen die Menschen verstärkt auf den Online-Handel und Lieferdienste zurück. Menschen die Bürojobs haben, sollen nach Möglichkeit von Zuhause aus Arbeiten (im Home Office wie es mittlerweile heißt) und Team-Meetings über Videokonferenzen (mit Microsoft Teams, Slack o.ä.) abhalten.

Diese Elemente greift auch Indeed in seinem Werbespot seit dem Lockdown auf. Ingrid befindet sich Zuhause und hat auch dort keine Ruhe vor ihren Kollegen, die sie über Videotelefonien nach einem Job (ferner ausdrücklich Home Office Job) fragen. Die Musterkollegin ist dabei eine jüngere Frau als Ingrid mit weit aufgerissenen Augen und einem ratlosen Blick. Auch ein Handwerker bei Ingrid dreht sich inmitten seiner Arbeit nach ihr um und fragt nach, ob sie Jobs habe. Die Konsequenz ist, dass Ingrid beim Läuten ihrer Klingel wütend zur Tür stürmt und brüllt „Nein ich hab‘ keinen Job für dich!“, während der Paketbote lediglich ein Päckchen vorbeibringen wollte.

Alternativ leben die Kollegen von Ingrid laut dem Werbespot in ihrer Nachbarschaft (erster Entwurf dieses Werbespots). Als sie sich draußen begegnen, ruft ihre Kollegin ihr zu, ob diese einen Job für sie habe. Dabei ergreift Ingrid erneut die Flucht rein.

Angepasster Werbespot zu Halloween

Indeed hat offenbar den Home Office Werbespot für gut befunden und diesen beibehalten. Zu besonderen Anlässen wie Halloween im Oktober 2020 hat das Unternehmen den Werbespot daher nochmal temporär angepasst. Der Werbespot verläuft wie oben beschrieben bis Ingrid wütend zur Tür stürmt und ihren Satz brüllt. Die Pointe dabei ist, dass sie dieses Mal eine Gruppe kleiner verkleideter Kinder auffindet, die lediglich auf ihrer jährlichen Wanderung nach sprichwörtlich „Süßem oder Saurem“ sind. Bei dem niedlichen Anblick wird Ingrid ganz weich und es zaubert sich ein warmes Lächeln auf ihre Lippen.

Aktueller Werbespot zur Weihnachtszeit

Auch zur Weihnachtszeit wurde der Werbespot um einen Hauch optimiert. Statt der Kinder und dem warmen Lächeln findet Ingrid den Weihnachtsmann mit Geschenken vor ihrer Tür auf. Dieser erwidert ihr: „Ist ok. Ich habe den schönsten Job, den es gibt!“, da ist Ingrid peinlich berührt von sich selbst.

Alle Werbespots enden mit dem Slogan: „Nicht Ingrid, sondern Indeed. … (wünscht frohe Weihnachten)!“ [in der neusten Anpassung].

Deutung und Interpretation

Indeed hält daran fest, dass es an seinem Produkt „nichts zu meckern“ gibt und jeder dies sehen soll. Doch in der Tat (deutsch für „indeed“) gibt es etwas zu meckern, zwar nicht am Produkt, aber doch an der Werbekampagne: Diese zeigt eine permanent genervte Frau und regt dabei das Klischee an, dass vollschlanke Frauen mittleren Alters permanent genervt seien (auch wenn es bei Ingrid einen Auslöser hierfür gibt).

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich fühle mich durch den Werbespot ferner sogar angegriffen als ambitioniert, Indeed.com für die Jobsuche zu nutzen. Denn die Darsteller Ingrids vermeintlicher Kollegen strahlen für mich nahezu ausschließlich Leere aus. Deshalb hinterlassen sie für mich nicht den Eindruck, als würden sie über den notwendigen Bildungsgrad für einen Bürojob (Ausbildung oder Studium) verfügen. Dies beziehe ich vor allem auf die Darstellerin aus dem Home Office Werbespot, die ausdrücklich nach einem Home Office Job fragt. Da stimmt neben dem Blick die Bezeichnung „Home Office Job“ überhaupt nicht, da Home Office keine Voraussetzung (gerade bei einem neuen Job) sein darf und man sich dieses durch gute Einarbeitung und Verantwortlichkeit erstmal verdienen müsste.

Zu guter Letzt habe ich mir die Freiheit genommen, die Phonetik zu überprüfen: laut Easy Pronounciation trennt sich „indeed“ „in-deed“ und wird nach britischem Englisch entweder [ɪnˈdiːd] oder nach amerikanischem Englisch [ɪnˈdid] ausgesprochen. Im Vergleich dazu wird Ingrid laut Wiktionary Ing-rid getrennt und [ˈɪŋɡʁɪt] oder [ˈɪŋɡʁiːt] ausgesprochen. Dem „0In“ ist das G angehängt und auch die weitere Aussprache des Namens Ingrid ist gegenüber „indeed“ mit dem R, T und dem (kurzen) I hart. Vor diesem Hintergrund ist die Verwechslung als Pointe nicht gerechtfertigt.

Wenn Indeed weiterhin am #NichtsZuMeckern festhalten will, dann wäre der Werbespot von 2019 vielleicht annehmbarer. Sympathischer wäre aber doch ein Aufeinandertreffen eines besonnenen und eines immerzu meckernden Kollegen. Der aktuelle Werbespot lässt zu viele Fettnäpfchen zu.

Kurz, pfiffig und absolut ehrlich – Macht es wie StepStone

Aus der Politikwissenschaft habe ich gelernt, dass konstruktive Kritik am längsten währt. Deswegen möchte ich an dieser Stelle einen Beispielwerbespot heranziehen, der mir persönlich besonders gut gefällt nämlich der von StepStone. Auch StepStone ist ein Jobportal allerdings aus Berlin, Deutschland, welches bereits acht Jahre vor Indeed eingeführt wurde. Innerhalb von 20 Sekunden beschreibt ein Erzähler mit einschlägigen Bildern wie Jobs wahrgenommen werden können und greift als Pointe sogar noch Platons Theorie aus der Metropolis auf, dass jeder Job – egal wie toll er ist – gemacht werden muss. Diese Ehrlichkeit lobe ich mir! Und damit ihr nicht denkt, dass Studenten nur kritisieren können, lest hier, welche Werbespots wir zur Weihnachtszeit besonders schön finden.

Nicht Ingrid, auch nicht Indeed, sondern der MuK-Blog wünscht frohe Weihnachten und eine schöne Adventszeit.

Johanna Karajan

Johanna Karajan

"Ich bin geboren, um Journalistin zu werden.", sagt Johanna über sich, "Journalismus ist mein großer Traum!" Auf diesen Traum arbeitete die geborene Hamburger Deern mit armenisch-französischen Wurzeln direkt nach ihrem Abitur hin und gründete ihren eigenen Mode und Lifestyle Blog. Um ihre Leidenschaft aber auch zum Beruf zu machen, absolvierte sie den Bachelor in Politikwissenschaften und sammelte Erfahrungen durch Allround-Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Jahr Top Special Verlag. Vor ihrer Elternzeit hat Johanna bei einer Content Marketing Agentur als Quality Assurance Assistant und Content Manager gearbeitet. Die Mutter eines Sohnes nutzt nun die Corona- und Lockdown-Zeit sich nicht nur weiterzubilden, sondern auch ihren Traum mit einem Master-Titel in Medien und Kommunikation zu verwirklichen.