Flugblätter: Ein Werbemittel für die Zukunft oder für die Tonne?

Wer sich auf den Weg zum Briefkasten macht, kommt meistens auch mit einem Stapel an Flugblättern zurück. Die neuesten Angebote versuchen uns in die Geschäfte zu locken. Siehst du dir die Flugblätter an oder landen sie direkt in der Mülltonne? Wenn letzteres bei dir zutrifft, gehörst du tatsächlich zur Minderheit. Der Schein mag trügen – Auch wenn man gefühlt auf jedem zweiten Postkasten einen Sticker mit der Aufschrift „Keine Reklame“ oder „Bitte keine Werbung“ findet, sind Werbeprospekte bei den KonsumentInnen immer noch sehr beliebt. Das ist das Ergebnis einer europaweiten diesjährig durchgeführten Studie des Marktforschungsinstitutes Fokus.

Trotz der Konkurrenz der Online-Medien bleibt das Flugblatt weiterhin ein wichtiges Medium. Zu dieser Erkenntnis kam man im Rahmen der Studie. Knapp die Hälfte der Menschen gibt an, sich die Flugblätter ganz genau anzusehen, wenn diese in ihrem Briefkasten landen. Unter denen, die dies nicht tun, überfliegen aber immerhin fast 30 Prozent die Prospekte. Zwölf Prozent geben sogar an, das Flugblatt mit zum Einkaufen zu nehmen. In Total sind es dann nur vier Prozent, die die Flugblätter sofort wegwerfen oder ungelesen an jemand anderen weitergeben.

Im europaweiten Vergleich hat das Land Italien die Nase vorne: Hier wurden im Jahr 2021 pro Woche durchschnittlich 105 Flugblätter verteilt. Das war noch mehr als im Jahr 2020. Während der Phase des Lockdowns wurden natürlich weniger Prospekte verteilt, was dazu führt, dass die Anzahl im Jahr 2021 um 4,9 Prozent höher ist als in 2020. 11 Prozent der Flugblätter entstammen dem Lebensmitteldiscount. In Österreich gilt das Medium Flugblatt sogar als beliebtestes Einkaufsmedium.

Branchenvergleich

Übergreifend lässt sich sagen, dass das Flugblatt von über 90 Prozent der KonsumentInnen genutzt wird. Vergleicht man die einzelnen Branchen bezüglich der Mediennutzung, fällt auf, dass Prospekte in der Lebensmittelbranche einen besonderen Status besitzen. Hier schätzen die KonsumentInnen die Flugblätter als Informationsquelle sehr. Als Vergleich hierzu lässt sich der Elektrohandel gut heranziehen. Dort hingegen informieren sich die Menschen lieber im Internet. Die Internetnutzung ist hierbei allerdings heterogen. Teilweise werden Prospekte bereits online durchstöbert. Beim Elektrohandel steht der Onlinehandel im Vordergrund. 35 Prozent steuern hier den Onlineshop gezielt an. NutzerInnen tun dies einerseits über Händler-Websites oder über Preisvergleichsportale. Lebensmittel-Onlineshops liegen noch weit hinter den Flugblättern.

Bei Do-it-Yourself Projekten ist es ähnlich wie beim Elektrohandel, allerdings sind hier das Internet und das Flugblatt gleichauf. Somit sind dies die einzigen Branchen, in denen das Prospekt an Bedeutung verloren hat.

Im Allgemeinen liegen Flugblätter und das Internet vor anderen Medien. Auch im Vergleich zu E-Mail-Newslettern, Fernsehen, Radio und Anzeigen in Tageszeitungen oder Magazinen, sowie Plakaten oder Außenwerbung spielen die beiden Medientypen eine wichtigere Rolle bei der Information über Preise oder Angebote. Das gilt sowohl für den Lebensmittelhandel als auch für andere Branchen wie Drogerie und Parfümerie oder Möbel- und Einrichtungshäuser.

Umfrage zum Empfinden über Flugblätter in Deutschland
Bei der Frage, wie über Flugblätter im Postkasten empfunden wird, geben rund 47 Prozent der Befragten in Deutschland an, sich weder darüber zu freuen, noch sich dadurch gestört zu fühlen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an eine Umfrage von Statista.com

Zukunft der Flugblätter

Sieht man sich die Ergebnisse der Studie im Hinblick auf die Zukunft des Mediums Flugblatt an, wird deutlich, dass dieses auch weiterhin in haptischer Form gewünscht ist. Konkret gefragt wurde „Wie wollen Sie in Zukunft Ihr Prospekt am liebsten erhalten?“, worauf 56 Prozent mit „im Postkasten“ geantwortet haben. Nur 15 Prozent der Befragten geben an, sich zukünftig ein Flugblatt in elektronischer Form zu wünschen.

Betrachtet man Deutschland separat, geben rund 17,8 Millionen Menschen an, die Flugblätter nie oder sehr selten zu betrachten. Knapp über 14 Millionen Personen lesen diese durchschnittlich ein Mal pro Woche. Nur etwa 10 Millionen Menschen geben an, sich mehrmals pro Woche Prospekte anzusehen. Wie in der oberen Grafik ersichtlich, empfindet der Großteil hier Gleichgültigkeit gegenüber dem Medium. Damit ist das Flugblatt in Deutschland verglichen zu den europaweiten Ergebnissen nicht so beliebt.

Beim Blick auf die Gründe, warum die Bevölkerung auf Prospekte verzichten würde, fällt vor allem der Beweggrund der Nachhaltigkeit auf. Bei einer Umfrage der Statista aus dem Jahr 2020 geben über 64 Prozent der befragten Österreicher an, dass sie auf Print-Flugblätter verzichten würden, weil sie Papiermüll vermeiden möchten. Diese Antwort liegt klar vorne. Andere genannte Gründe sind die permanente Verfügbarkeit der Prospekte bei einer Online-Version, die Aktualität oder die Ansicht, dass digitale Angebote grundsätzlich praktischer sind.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Das Flugblatt ist definitiv ein Medium für die Zukunft, das auch neben den Online-Medien fortbestehen kann. Für das Prospekt spricht auf alle Fälle die haptische Darreichungsform: Diese wird gegenüber der elektronischen vom Großteil der Bevölkerung in Europa bevorzugt.

Mehr zum Themenbereich Marketing findest du bei uns am Blog. Wie wäre es mit einem Artikel über die umstrittene Werbekampagne von Billa?

Quellen: Horizont.at, Statista.com