Wissenschaft vs. Massenmedien (2/2)

In Teil eins dieses Beitrages wurde erklärt, dass Wissenschaft und Massenmedien ein schwieriges Verhältis zueinander haben. Es wurde auf die Sicht der Wissenschaftler*innen und der Medienschaffenden eingegangen. Doch auch der normale Rezipient bzw. die normale Rezipientin ist eventuell nicht ganz unschuldig an dem Dilemma. So schreibt Spiegel-Redakteur Axel Bojanowski: „Sie interessieren sich nicht für Wissenschaft? Kein Problem, Naturforschung gehört normalerweise nicht zur Allgemeinbildung. Während man sich mit Wissenslücken über Maler, Dichter oder Komponisten blamieren würde, löst das Bekenntnis, die Planeten des Sonnensystems nicht zu kennen, allenfalls billigendes Gelächter aus.“

Nun sollen Lösungsvorschläge vorgestellt werden. Wie realistisch ist es, die Situation zu entschärfen? Können Massenmedien und Forschung zusammenarbeiten? Bereits im Jahr 2014 wurde auf das Problem aufmerksam gemacht. So schrieb der Spiegel damals: „Vier Jahre haben Kommunikationsforscher, Soziologen und Journalisten im Auftrag der Wissenschaftsakademien Leopoldina, Acatech und Union die Lage der Wissenschaftskommunikation und des Journalismus hierzulande ergründet.“ Daraus ergaben sich folgende Lösungsansätze:

Wissenschat ist nicht für jeden verständlich.

Handlungsempfehlungen an Massenmedien und Wissenschaft

  • Wissenschaftler*innen müssen trotz aller Begeisterung für ihren Beruf neutral aufklären, anstatt jemanden überzeugen zu müssen. Denn sonst kommt es zu einseitigen Berichten.
  • Massenmedien sollen tiefgehende kritische Analysen veröffentlichen statt oberflächlicher Berichte.
  • Fachzeitschriften müssen unabhängigere Studien zitieren. Wichtig ist die Qualität der Studie, nicht die Werbewirksamkeit bzw. die Verkaufszahlen des Magazins.
  • Studien und Pressemitteilungen werden oft ungeprüft übernommen. Oder Journalist*innen lassen sich ihren Artikel vor der Veröffentlichung vom entsprechenden Institut bzw. den Wissenschaftler*innen Korrekturlesen. Diese Vorgehensweise muss abgeschafft werden.

Die vorgeschlagenen Lösungen der Studie klingen erstmal vernünftig. Doch wie soll das umgesetzt werden? Bei fast allen genannten Punkten spielt Geld eine entscheidende Rolle. Forschung wird häufig nicht mehr von unabhängigen Instituten gefördert, sondern auch von der Wirtschaft. Da ist es logisch, dass Wissenschaftler*innen im Konkurrenzkampf um Fördergelder überzeugen müssen. Auch bei den Massenmedien und Fachzeitschriften gilt oft: Hohe Klickzahlen und Auflage vor Inhalt. Natürlich gilt das nicht für jedes journalistische Erzeugnis, doch völlig frei ist der Journalismus hier nicht. Wenn über Forschungen berichtet wird, dann für die breite Masse möglichst verständlich und sensationell. Denn oft fehlen den Leser*innen und Zuschauer*innen elementare Kenntnisse des jeweiligen Fachgebietes.

Wissenschaft muss kein Hexenwerk sein.

Sind wir als Rezipient*innen zu dumm?

Wie bereits erwähnt machen es die Verbraucher*innen den beiden Parteien auch schwer: Viele verstehen zu wenig von gewissen Themengebieten, um komplexe Studien und kritische Analysen nachvollziehen zu können. Von daher werden solche Artikel tendenziell selten gelesen, gehört oder gesehen und hinterfragt. Diese Bildungsmiserie ist nicht neu. Physiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch machte seinem Ärger 2016 in einem Terra X-Video Luft: Schulen würden gewisse Kompetenzen vermitteln, aber wenig Fachwissen. Auch die Unternehmen seien nicht gerade begeistert von den Schulabgänger*innen, die dann als Bewerber*innen an ihrer Tür klopfen.

Kinder und Jugendliche bräuchten laut Lesch Zeit, um zu lernen. Man brauche kein G8-Abitur, sondern ein solides Basiswissen und Persönlichkeitsbildung. Der Wille zu lernen sei enorm wichtig, ohne Spaß mache das für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen kaum Sinn. Es könne nicht sein, das Länder wie Deutschland – die durch Entdeckungen und Technologie reich wurden – kein vernünftiges Bildungssystem habe. Harald Lesch sagt, man müsse Kinder statt Fächer unterrichten. Das sei nicht die Schuld der Lehrer*innen, sondern Teil eines fehlerhaften Systems.

Fazit ist, dass mehrere Faktoren Schuld an der aktuellen Situation haben und eine einfache Lösung nicht in Sicht ist. Wenn Forschung und Journalismus unabhängiger von wirtschaftlichen Interessen agieren können und in der Bevölkerung eine bessere Allgemeinbildung herrscht, steht einem guten Wissenschaftsjournalismus jedoch nichts im Wege.

Quellen:

Spiegel: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wissenschaft-in-den-medien-wie-forschung-kommuniziert-werden-sollte-a-975862.html, ZDF Mediathek/ Sendung Terra X: https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/unser-schulsystem-ist-mist-102.html

Bilder:

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Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium Erfahrungen beim Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz in den Bereichen Unternehmenskommunikation und Journalismus gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und möchte parallel weitere Praxisluft schnuppern, z.B. durch Praktika oder Werkstudentenjobs. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.