Falschinformationen in sozialen Medien

Soziale Medien und Falschinformationen begünstigen einander. In sozialen Medien können Falschnachrichten weit verbreitet werden, auf der anderen Seite sorgen Falschnachrichten für hohe Interaktionsraten auf den Plattformen.

Immer mehr Menschen nutzen soziale Medien, viele von ihnen inzwischen auch als Nachrichtenquelle. Dadurch werden Falschinformationen zu einem immer größeren Problem. Während vor dem digitalen Zeitalter vor allem Journalisten als sogenannte „Gatekeeper“ kontrolliert haben, welche Informationen verbreitet werden, hat eben durch die Digitalisierung eine Art Demokratisierung der Informationsverbreitung eingesetzt.

Diese zunächst positive Entwicklung bringt aber auch eine Schattenseite mit sich: die Menge an (bewusst) verbreiteten Falschinformationen ist sprunghaft gestiegen. Vor allem in sozialen Medien verbreiten sich Falschinformationen sehr schnell. Das liegt vor allem an den genutzten Algorithmen, die polarisierende Posts verstärken. Falschnachrichten betreffen häufig emotional aufgeladene Themen, wodurch sie sich sehr schnell verbreiten. Selbst wenn später eine Richtigstellung oder ein Faktencheck gepostet wird, verbreitet dieser sich aufgrund in der Regel langsamer und weniger weit als die ursprüngliche Nachricht.

Soziale Medien und Falschinformationen
Facebook markiert Fehlinformationen inzwischen, wenn diese erkannt wurden. Dennoch lesen mehr Nutzer den ursprünglichen Post als später die Richtigstellung. / Quelle: Screenshot (Facebook.com)

Spiegel-Artikel für Falschinformationen genutzt

So machte beispielsweise eine französische Website aus einem Artikel der Zeitschrift Spiegel, der auf einen deutlichen Anstieg von Verschreibungen des Malariamedikaments Hydroxychloroquin während der Corona-Pandemie hinwies, die Behauptung, dass Deutschland weniger Todesfälle durch Covid-19 habe als Frankreich, weil Ärzte massiv Hydroxychloroquin verschrieben hätten. Diese Falschinformation wurde unter französischen Social Media Nutzern häufig geteilt und wohl nur bedingt hinterfragt (mehr dazu auf Spiegel Online).

Dieses Beispiel zeigt, wie auf Basis eines gewöhnlichen Artikels in sozialen Medien Falschmeldungen entstehen können. Gerade im Kontext von Gesundheitsthemen wie einer Pandemie oder z.B. Verschwörungstheorien sind diese Falschinformationen besonders gefährlich.

In einer Forsa Umfrage unter Internetnutzern ab 14 Jahren im Jahr 2017 gaben 42% der Befragten an, sich beim Identifizieren von „Fake News“ überfordert zu fühlen. 80% der Befragten forderten neue Gesetze, damit Betreiber sozialer Medien Fake News schneller löschen müssen. Wie zuvor erwähnt, löst eine Löschung und Richtigstellung das Problem selten, da die Falschnachricht wesentlich häufiger gelesen und verbreitet wird als die Korrektur.

Da durch das Überangebot an digitalen Informationen die früheren Gatekeeper kaum noch eine Rolle spielen, muss jeder Leser und jede Leserin selbst bewerten, ob es sich bei dem Gelesenen um korrekte Informationen handelt. Daher ist Medienkompetenz im digitalen Zeitalter zu einer Kernkompetenz avanciert.

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Quellen: Spiegel Online, Forsa Umfrage (Statista)
Bildquelle: Pixabay, Wokandapix

Simon Crins

Simon Crins

Simon ist ausgebildeter Mediengestalter und absolvierte bereits sein Bachelorstudium an der Mobile University. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon im Raum Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur und hat im September 2020 sein Masterstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mobile University begonnen.