„Girl Math“ – Ist dieser TikTok-Trend interessant für das Marketing?

Das Internet ist gespalten über den viralen TikTok- und Instagram-Trend, bei dem hauptsächlich junge Frauen ihre teuren Einkäufe mit absurden Ausreden rechtfertigen.

Dank Gen Z ging der Trend viral. „Girl Math“ kann bedeuten, eine 500 Euro teure Handtasche kostet eigentlich nur 10 Euro, wenn ich sie 50 Mal trage. Wenn ich etwas mit Bargeld bezahle ist es praktisch gratis, da nichts vom Konto abgebucht wird. Ein Pullover der regulär 150 Euro kostet wird reduziert auf 60 Euro, womit 90 Euro gespart werden, was den Kauf rechtfertigt. So ähnlich erklärt @livvuli in ihrem viralen TikTok-Video den Trend. Dieses Video wurde über 3 Millionen mal aufgerufen, hat über 500.000 Likes und das ist nur eines von tausenden Videos in den Sozialen Medien zu diesem Trend.

Für die Kreator*innen ist „Mädchen-Mathe“ ein harmloser Spaß und viele Menschen fühlen sich unterhalten. In den Kommentarspalten outen sich einige das schon seit Jahren zu betreiben. Girl Math ist nur zu einer witzigen Art geworden es zuzugeben.

Sollten Marketingteams auf diesen Trend eingehen?

Einige Marken, wie beispielsweise die amerikanischen Kosmetikunternehmen Ulta Beauty und Mac Cosmetics, haben sich den Girl Math-Trend bereits zunutze gemacht. Auf TikTok postete Ulta Beauty im August ein Video, dass eine Kundin im Laden zeigt. Die Bildunterschrift lautet: „Wenn du 300 Dollar bei Ulta Beauty ausgibst, aber deine Ultamate-Rewards-Punkte benutzt, ist es im Grunde kostenlos“. Mac Cosmetics nutzte den Trend, um die Kosten pro Kleidungsstück mit der Produktnutzung in Verbindung zu bringen und stellte den Serotoninschub durch die vielen Komplimente die man erhält, als positive Investition in die geistige Gesundheit dar.

Vor Girl Math hieß es einfach Logik.

Es ist auch keine Überraschung, dass sich gerade Kosmetikkonzerne diesen Trend zunutze machen. Einkäufe von Frauen werden in unserer Gesellschaft oft als belanglos und unnötig abgestempelt – Cappuccinos, Maniküre oder noch eine Handtasche haben keine Notwenigkeit. Dadurch findet sich ein Publikum, das Verständnis für das Herumrechnen hat und sich gegenseitig bestärkt, einfach das zu kaufen worauf man Lust hat.

Unternehmen sollten jedoch nicht leichtfertig auf Social-Media-Trends aufspringen und immer prüfen, ob dieser Trend für die Marke und das Marketingkonzept angemessen ist. Da regelmäßig neue Trends viral gehen sollten Unternehmen sich zunächst fragen, ob es einen Mehrwert gibt, den sie dazu beitragen können? Gibt es einen Standpunkt, den sie diesbezüglich vertreten möchten, um die Konversation um den Trend zu verändern? Wird diese Umsetzung die Geschäftsziele unterstützen? Ist es eine gute Gelegenheit, um mit der Zielgruppe eine neue oder interessante Konversation einzugehen?

Ist Girl Math also Quatsch?

Girl Math ist hauptsächlich scherzhaft gemeint und zum Teil wunderbar irrational. Der Bezug zur Realität sollte trotzdem nicht verloren gehen und jeder sollte sich seiner Ausgaben bewusst sein. Unser Geld ist hart verdient und wir sollten es entsprechend wertschätzen. Der Zweck von Girl Math ist nicht das rücksichtslose Geldausgeben oder übermäßiger Konsum. Letztendlich ist es auch gar nicht so tiefgründig. Girl Math soll Frauen (und alle anderen Menschen) dazu befähigen, das eigene Geld ohne Scham und Schuld für die eigenen Wünsche auszugeben.

Quellen:

https://www.refinery29.com/de-de/girl-math-bedeutung-finanzen-geld

https://www.voguebusiness.com/fashion/girl-math-is-pushing-consumers-to-buy-luxury-should-brands-weigh-in

https://www.cosmopolitan.de/girl-math-wie-wir-uns-unnoetige-kaufentscheidungen-jetzt-schoen-rechnen-132258.html

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