Vanilla Ninja veröffentlichen „Encore“: Erstes Album nach über 15 Jahren

Vanilla Ninja veröffentlichen ihr erstes Album nach über 15 Jahren. Der MuK-Blog berichtet über den Release von „Encore“ und die Bedeutung ihres Comebacks.

Nach AC/DC, U2 oder Guns ’n‘ Roses scheint sich auch Vanilla Ninja sich in den Reihen der Bands mit legendären Comebacks einzuordnen.

Nachdem Triinu 2006 die Band für eine Solokarriere verlassen hatte, hat Vanilla Ninja als Trio weitergemacht. Es folgte ein neues Album durch eine neue Plattenfirma, EMI Music, mit zwei Singles.
2007, nahm die Gruppe mit einer weiteren Single am estnischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil. Sie belegte den vierten Platz. Zudem fand im selben Jahr ein Rechtsstreit mit dem ehemaligen Manager David Brandes statt (der zugunsten der Band ausgefallen ist). Dieser beanspruchte die Rechte am Bandnamen.
Das vorläufige Ende von Vanilla Ninja prägte der Sieg beim Viña Del Mar Festival, eine Tour durch Südamerika, die Veröffentlichung einer vierten Single mit der BRI Plattenfirma und eine Kooperation mit einem estnischen Rapper. Schlussendlich haben sich die Mitglieder 15 Jahre lang Einzelprojekten gewidmet.

Das Albumcover von Encore.
Copyright: Vanilla Ninja / Bros. Music

Zwischen anhaltendem Glauben einerseits mitsamt dem Versuch, die Band als Trio auftreten zu lassen, und Hoffnungslosigkeit andererseits, da eine offizielle Auflösung niemals verkündet wurde, wurde schlussendlich im November 2020 das offizielle Comeback für 2021 mit Triinu und dem ehemaligen Management Bros Music unter Brandes auf Instagram verkündet. War ein Konzert im Dezember 2019 bereits ein Hinweis darauf oder doch erst eine Ankündigung auf Instagram im Herbst 2020?

Die Arbeit von Vanilla Ninja läuft seitdem auf Hochtouren: im April zierten sie den Titel der estnischen Zeitschrift Anne & Stiil (deutsch: Talent & Stil), Frontsängerin Lenna gab im Rahmen eines Instagram-Posts hier im August bereits Hinweise auf eine Tour, seit Juni veröffentlichen sie eine Single nach der anderen, gleichwohl wurde im Juni auch das Comeback-Album „Encore“ angekündigt, welches in verschiedenen Varianten vorbestellt werden konnte. Heute hat das warten ein Ende.

Wer sind Vanilla Ninja?

Bei Vanilla Ninja handelt es sich um eine vierköpfige Girl-Rock-Band aus Estland. Der Name bezieht sich dabei auf die (Natur-)Haarfarbe der Mitglieder (blond für Vanilla). Das Ninja im Namen soll den rockigen Musikstil unterstreichen. Gegründet wurde die Band 2002 mit der damaligen Bassistin und Frontsängerin Maarja Meriste-Kivi durch den ersten Manager Renee Meriste (richtig, Renee und Maarja haben geheiratet und mittlerweile zwei Kinder). Dieser hat die Klassenkameradinnen Piret und Katrin mit Lenna und Maarja zusammengebracht. Nach dem ersten Album in Estland hat Meriste die Band an David Brandes nach Deutschland weitervermittelt. Ihre Debüt-Single hier zulande hieß „Tough Enough“. Im Jahr 2004 ist Maarja aus der Band ausgestiegen. Als offiziellen Grund nannte sie ihre erste Schwangerschaft. In den vier Monaten bis Triinu ihren Platz mit Bass und Gesang einnahm, war Vanilla Ninja erstmals als Trio unterwegs.

Die Mitglieder sind:

Die Mitglieder von Vanilla Ninja
Die Mitglieder von Vanilla Ninja. V.l.: Triinu, Lenna, Katrin und Piret. Copyright: Sascha Kramer
  • Lenna Kuurmaa: Frontsängerin und Gitarristin, neben ihrer Karriere mit Vanilla Ninja hat Lenna ihre eigene gleichnamige Band. Außerdem hat die Mutter dreier Kinder bereits in einigen Filmen in Estland und Finnland mitgespielt. Seit neustem modelt sie für das estnische Modelabel Tallinn Dolls und entwirft ihre eigenen Teile.
  • Piret Järvis-Milder (geb. Järvis): Lead-Gitarristin und Sängerin. Pirets Karriere hat im estnischen Fernsehen angefangen und sie seitdem immer begleitet. Die Mutter einer Tochter ist außerdem bekannt als Hauptsongschreiberin unter ihren Kolleginnen. Auch sie modelt immer wieder für das estnische Modehaus Tallinn Dolls und hat sich zwischenzeitlich eigenen Musikprojekten gewidmet.
  • Katrin Siska: Keyboarderin, die Halb-Estin Halb-Russin hat sich bewusst gegen den Sologesang entschieden, da sie, wie sie selbst sagt, lieber am Keyboard rockt. Daher hört man sie nur im Refrain. Die Mutter eines Sohnes ist bekannt als Sportskanone unter ihren Kolleginnen. Des Weiteren ist sie ein Sprachtalent und hat bereits als Model und in der Politik gearbeitet. Zeitweise war sie Direktorin des Lindakivi Kulturzentrums.
  • Triinu Kivilaan: Bass und Gesang, während Katrin, Piret und Lenna (in der Reihenfolge) jeweils ein Jahr trennt, ist Triinu mit ihrem Altersunterschied von vier Jahren zu Lenna das Küken in der Band. Seit vielen Jahren lebt sie in der deutschen Schweiz und hat dort Zwischenzeitlich ihren eigenen Haarverlängerungssalon gehabt. Ihre jüngere Schwester Kerli ist eine berühmte Sängerin in Estland und hat bereits mit dem Ehemann von Piret, dem Musiker und Slippery Slope Frontmann Egert Milder zusammengearbeitet.

Wusstest du, dass…?

Vanilla Ninja beim Eurovision Song Contest 2005
Vanilla Ninja im Jahre 2005. Der möglicherweise größte Erfolg der Band war der achte Platz im Finale des Eurovision Song Contests in Kiew, Ukraine. Copyright: ARD

…Piret und Katrin im Bereich Medien- und Kommunikationsmanagement tätig sind? Mit ihrem Abschluss in Public Relations arbeitet Piret im Fernsehen u.a. bei MTV Estland, ihren eigenen TV-Shows, als Reporterin und Moderatorin auf großen Veranstaltungen wie dem Estnischen Film- und Fernsehpreis oder dem „Eesti Laul“ (dem Vorentscheid zum Eurovision auch bekannt als Euro Laul, estnisch: „Estnisches Lied“ oder „Euro Lied“). Katrin ist als Vloggerin tätig und betreibt ihr eigenes Business, bei dem sie anderen Unternehmen hilft, sich weiterzuentwickeln.

An diesen Beispielen sehen wir, wie breit die Möglichkeiten unserer Qualifikationen sind.

Kritik am Auftritt

Während das Comeback als Kurzschlussreaktion einen riesigen Hype auslöste, erhoben sich nach dem ersten Aufatmen auch kritische Stimmen. Im Auge dieser Kritik stand vor allem das Management unter Brandes, dem Fans durch die negative PR von 2007 skeptisch entgegenblicken. Dadurch reichte die Kritik an erster Stelle nicht an die Mitglieder der Band selbst, sondern an ihre Produkte bzw. die Produktion (durch das Management) – die Videos, die Songs und den Auftritt. So wurde einerseits an der Debütsingle „Gotta Get It Right“ bemängelt, dass das Management einfach die alten Tapes aus den frühen 2000ern rausgeholt hätte. Andererseits wurde bei der nächsten veröffentlichten Single „No Regrets“ wiederum kritisiert, dass es nicht dem typischen Stil von Vanilla Ninja entspräche.

Zurückblickend auf das Interview mit dem Hamburger David Rienau von letztem Monat (hier nachzulesen) hat dieser bezüglich der Änderung des Images bereits darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht einfach zu bewerkstelligen ist und auch Risiken mit sich bringt, ggf. Fans zu verlieren. Die Frage, die hier allerdings gestellt werden muss, ist: Hat Vanilla Ninja ihr Image verändert?

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Vanilla Ninja immer noch „Tough Enough“

Entgegen dieser Kritik wurde die im August veröffentlichte Single „The Reason Is You“ groß gefeiert. Die Single erreichte auf YouTube bereits eine Woche nach Veröffentlichung mehr als 100 000 Views. Als die Mitglieder der Band im Rahmen eines Instagram-Q&As gefragt wurden, welche der neuen Lieder ihnen am besten gefallen würde, waren sie sich einig, dass es dieses Lied ist. Zwei Hauptgründe dafür waren, dass dieser Song, der erste war, den Brandes ihnen für das mögliche Comeback geschickt hatte und dieses Lied schlussendlich der Auslöser des Comebacks gewesen ist. Auf der anderen Seite entspricht dieses Lied aus allen neu produzierten Liedern am meisten den gewohnten Vanilla Ninja-Stil. Zweitem stimmten auch die Fans zu.

Ähnlich positives Feedback hat auch das im September veröffentlichte Lied „Incredible“ genossen. Obwohl es ähnlich wie „No Regrets“ vom gewohnt rockigen Vanilla Ninja-Stil abweicht, betitelt der Großteil der Audienz dieses als „bestes Lied von Vanilla Ninja“.

Das Feedback zeigt ein Paradoxon und verdeutlicht, dass die vereinzelnde negative Kritik keinesfalls Repräsentativ für das durchgehend erfolgreiche Comeback ist. Einen Abend vor dem Release besetzt „Encore“ auf Amazon Platz #11 der Bestseller in der Kategorie Metal & Hardrock. Mit dieser Einordnung lässt sich schlussfolgern: Vanilla Ninja haben sich und ihr Image nicht verändert, sondern über die Jahre weiterentwickelt und angepasst. Denn ähnlich ruhige Lieder hat es bereits in der Vergangenheit mit „I Don’t Care At All“ gegeben. Wie Rienau festgestellt hat, befinden sich Menschen mit Anfang 20 noch in der Selbstfindungsphase. Daher sieht er eine Karriere ab Ende 20 keinesfalls als zu spät. Heute sind die Damen Mitte 30 und verfügen über den notwendigen Reifegrad. Daher darf die Skepsis gegenüber dem Management nachlassen. Die Mitglieder haben den ersten Schritt seitens Brandes als Möglichkeit für das erhoffte Comeback gesehen und genutzt. Wer weiß, ob das große Comeback anderenfalls möglich gewesen wäre?

In diesem Sinne, viel Spaß mit „Encore“ und Vanilla Ninja. Das Comeback ist nun greifbar.

Herzlichen Dank (zu Estnisch: „Suur aitäh!“) an Keyboarderin Katrin und die Band für die Freigabe der Bildernutzung (der MuK-Blog berichtete zuletzt hier darüber)! Ohne euch wäre dieser Artikel nicht möglich gewesen.

Johanna Karajan

"Ich bin geboren, um Journalistin zu werden.", sagt Johanna über sich, "Journalismus ist mein großer Traum!" Auf diesen Traum arbeitete die geborene Hamburger Deern mit armenisch-französischen Wurzeln direkt nach ihrem Abitur hin und gründete ihren eigenen Mode und Lifestyle Blog. Um ihre Leidenschaft aber auch zum Beruf zu machen, absolvierte sie den Bachelor in Politikwissenschaften und sammelte Erfahrungen durch Allround-Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit und dem Jahr Top Special Verlag. Vor ihrer Elternzeit hat Johanna bei einer Content Marketing Agentur als Quality Assurance Assistant und Content Manager gearbeitet. Die Mutter eines Sohnes nutzt nun die Corona- und Lockdown-Zeit sich nicht nur weiterzubilden, sondern auch ihren Traum mit einem Master-Titel in Medien und Kommunikation zu verwirklichen.