Medienpsychologie: Wieso ich als Medienwissenschaftler Psychologe werde

Ein Gastbeitrag von Sascha Heller – @Medienmonolog

Sascha hat Medien- und Kommunikationswissenschaften im Bachelor studiert und sich nach dem Abschluss für ein weiteres Studium entschieden: Psychologie im Fernstudium. Neben dem Studium arbeitet er als Grafikdesigner und ist auf seinem Instagramkanal @medienmonolog aktiv und betreibt den gleichnamigen Podcast. In diesem Beitrag schreibt Sascha über die Medienpsychologie: Was sind die Unterschiede der Medienwissenschaft und der Psychologie? Wie lassen sich beide Felder vereinen?

Was ist die Medienpsychologie?

Wer Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert, weiß von der Vielzahl an Modulen, die es zu belegen und zu bestehen gilt. Dabei ergibt im ersten Augenblick nicht jedes Modul einen Sinn. Oft – so war es bei mir der Fall – weil sie sich im Studium so losgelöst voneinander anfühlen. Ein Semester Mediengeschichte. Ein Semester Medienwirkungsforschung. Ein Semester Medientheorie. Ein Kochrezept, das sich irgendwie unvollständig anfühlt.

Mein Lieblingsfach im Studium: Medienpsychologie. Eine Disziplin, die nicht in jedem Studium der Medienwissenschaft oder Psychologie angeboten wird. Doch worum geht es dabei? Menschen, die schon einmal Mediengeschichte oder Medientheorie belegen mussten, wissen um den inhaltlichen Anspruch dieser Arbeitsbereiche. In der Medientheorie geht es beispielsweise um Systematisierung allgemeiner Merkmale der Medien. Im Vergleich dazu legt die Mediengeschichte den Fokus auf das “Gewordensein” des Mediums. (vgl. Hickethier 2010)

Wir können Medienpsychologie als die Disziplin sehen, die einen psychologischen Blick auf Medien wirft. Was genau das heißen soll, erklärt ein Blick in die Definition der Psychologie: “Die Wissenschaft um das Erleben, Verhalten und Handeln von Menschen.” (vgl. Hussy et. al. 2013) Diese Definition in Kombination mit Medien und der Methodik einer empirischen Wissenschaft ergibt die Medienpsychologie. Anstatt also Aussagen wie “Killerspiele machen aggressiv” in den Raum zu stellen, untersuchen wir systematischen ihren Wahrheitsgehalt.

Die Medienwissenschaft wird fragen: “Was ist ein Killerspiel?” Wir greifen auf Definitionen zurück, ordnen Killerspiele in die Gesamtheit der Videospiele ein. Wo fängt ein Killerspiel an? Wenn durch das Spielen ausgeübte Gewalt bereits ausreicht, ist dann Super Mario ein Killerpiel? Man denke nur an die zahlreichen tot gehüpften Gumbas. Für das zweite Subjekt in der Hypothese wird die Psychologie herangezogen. Was genau ist Aggression? Welche Gedanken oder welches Verhalten kennzeichnet Aggression? Was können wir messbar machen? Von Fragebögen bis hin zur Messung der Gehirnaktivität. Denkbar wäre alles.

Video Spiel, Quelle: Pixabay

Mehr als nur mediale Psychologie

Das war jetzt nur ein Beispiel für medienpsychologische Forschung. Die Liste kann aber endlos fortgesetzt werden. Sie endet erst mit der menschlichen Neugier. Wohin mich mein Studium immer wieder führt, ist die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Medien, Gesellschaft und queerer Identität. Hat queere Repräsentation in Medien einen Einfluss auf die subjektive Empfindung von Diskriminierungserfahrung? Verringert queere Repräsentation die Stärke von queerfeindlichen Stereotypen und Vorurteilen bei den Rezipient*innen?

Beide Fragen zeigen noch einmal auf, worum es in der Medienpsychologie geht. Beispielsweise um das große Kapitel “Medienwahl und Medienwirkung”, wenn Wissenschaftler*innen verschiedene Ansätze aufstellen, wieso wir Medien nutzen. Hier findet sich der “Uses and Gratification”-Ansatz, der in der Mediennutzung eine Bedürfnisbefriedigung sieht. Dieser postuliert eine aktive Rezipientin, die die konsumierten Medien bewusst zur Bedürfnisbefriedigung aussucht. Aber ist uns bei jedem abendlichen Film auf der Couch bewusst, welches Bedürfnis dadurch befriedigt wird?

Im Vergleich dazu gibt es jedoch auch die Mood-Management-Theorie, die davon ausgeht, dass Medienkonsum eine bewusste Einflussnahme auf unseren Stimmungszustand ist. Ursprünglich mit den Grundannahmen, dass wir ein stimulierendes Gleichgewicht suchen und positive Gefühle maximieren und negative minimieren möchten. Das erklärt aber nur schwerlich den Konsum von Horrorfilmen, die uns manchmal noch Stunden nach dem Film alle Lichter in der Wohnung anschalten lassen, weil uns der Horror verfolgt. Oder die traurigen Romanzen, die uns Singles sehnsüchtig weinend auf der Couch zurücklassen. (vgl. Batinic 2008)

Medienpsychologie ist also so vielfältig wie die eigene, wissenschaftliche Neugier es zulässt. Genau das richtige für einen medienaffinen und -neugierigen Psychologen wie mich. Vielleicht ja auch für dich?

Quellen:
Titelbild, Matilda Wormwood, Pexels
Batinic, B. & Appel, M. 2008. Medienpsychologie. Springer Medizin Verlag. Heidelberg.

Hussy, W., Schreier, M. & Echterhoff, G. 2013. Forschungsmethoden. In Psychologie undSozialwissenschaften. Springer Verlag. Berlin Heidelberg.

Hickethier, K. 2010. Einführung in die Medienwissenschaft. 2. Auflage. J. B. Metzler’scheVerlagsbuchhandlung. Stuttgart.

Jasmina Metzner

hat sich schon immer für redaktionelle Tätigkeiten interessiert. Schnell war ihr klar, dass eine berufliche Laufbahn als Journalistin ihr Ziel war. Aus dem Grund hat sie sich für das MuK Studium an der SRH FernHochschule Riedlingen entschieden. Während des Studiums ist sie zweifach Mutter geworden und hat sich im Bereich eines MLM-Unternehmens selbstständig gemacht. Nun hat sich die Chance ergeben, im Rahmen ihres Praxisprojekts als Koordinatorin des MuK Blogs mitzuwirken und ihre Leidenschaft für das Schreiben weiter zu verfolgen.