Science Night der SRH

Am 26.10.2021 war es wieder soweit: Die SRH Fernhochschule – The Mobile University, lud zum Event „Science Night“ ein. Auf dem Programm standen zwei Sessions:

Session 1: Vortrag von Steffen Ronft um 19 Uhr mit dem Thema: „Gelungene Tagung, Messe oder Konzert? Was Psychologie mit guten Events zu tun hat. Wie der interdisziplinäre Ansatz der Eventpsychologie neue Perspektiven für Forschung und Praxis eröffnet.“

Session 2: Vortrag von Professor Hermanni um 20 Uhr zum Thema: „ARD-Klassiker TATORT – Auf welche Weise entsteht eine Krimiproduktion für TV und Streaming und warum lieben Menschen Mord, Totschlag und Gewaltexzesse?“ Zu Thema zwei schreibe ich nun einen Erfahrungsbericht.

Symbolbild zur Science Night an der SRH – The Mobile University.

Erfolgsfaktor TATORT

Fast 70 Zuhörer*innen sind anwesend bei diesem Vortrag. Zuerst einmal geht es um den TATORT als TV-Format. Seit dem 29.11.1970 gibt es den Klassiker, der sonntags ein Millionenpublikum vor die Bildschirme lockt. Seit über 50 Jahren. Dabei ist seit Jahren der TATORT aus Münster der Quotenhit. Die erfolgreichste Folge des Duos von Professor Boerne und Kommissar Thiel erreichte im Jahr 2019 satte 14,01 Millionen Zuschauer*innen. Laut Prof. Dr. Hermanni sind die TATORT-Filme generell so erfolgreich, weil sie ein breites Themenspektrum aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten ansprechen. Viele Drehbuchautor*innen lassen sich von echten Verbrechen inspirieren und kombinieren diese, damit die Geschichte noch spannender wird. Doch wie wird so ein 90-minütiger Film produziert? Prof. Dr. Hermanni hat selbst TATORT-Filme produziert:

Die Produktion

Die Produktion erfolgt in drei Abschnitten: Pre-Produktion, also die Vorbereitungszeit, die Umsetzung und die Post-Produktion, also die Nachbereitung. In der Pre-Produktion wird eine Idee zu einem Drehbuch verarbeitet, es folgt eine Budgetierung und die Auswahl von Personal. Diese Phase kann bis zu drei Monaten dauern. Alle wird bis ins kleinste Detail vorbereitet. Die eigentliche Produktion ist hier deutlich zügiger: Durchschnittlich wird eine Folge an 22 Tagen gedreht, wobei ein Arbeitstag bis zu 13 Stunden dauern kann. Je nach ARD-Anstalt steht für einen Film ein Gesamtbudget von 1,2 bis max. 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Klingt viel, doch Prof. Dr. Hermanni erläutert, warum man hier genau kalkulieren muss: Am Set sind zwischen 100 und 150 Personen beschäftigt. Grob gesagt gibt es zwei Achsen bei der Filmproduktion: Die Crew, die für künstlerische und gestalterische Elemente verantwortlich ist unter der Leitung des Regisseurs. Und die Crew, die der Produktions- bzw. Herstellungsleiter verantwortet. Diese organisieren Personal und sind für kaufmännische Tätigkeiten zuständig. In der Post-Produktion geht es schließlich um Schnitt, Controlling und Vertrieb des Films.

Was fasziniert Menschen an Verbrechen?

Warum lieben wir Grusel, Gewalt und Mord?

Die Faszination für Verbrechen aller Art ist nicht neu. Laut Statistiken sind es vor allem Frauen, die sich in die Opfer und Täter*innen hineinversetzten wollen, um die Persönlichkeiten zu verstehen. Doch das ist längst nicht alles: Es gibt ein Informationsbedürfnis: Könnte man selbst in so eine Situation kommen und wenn ja, was tut man dann? Man kann den Horror aus sicherer Entfernung verfolgen. Während man auf der Couch liegt und Chips isst, wirkt das Verbrechen gruselig, aber auf einen selbst ungefährlich. Und wenn es doch zu viel wird, kann man einfach den Fernseher ausschalten. Beliebt sind vor allem Krimis mit sehr intelligenten Täter*innen, Serienmörder*innen und eine Mischung aus Krimi und Komik – so wie beim TATORT in Münster. Wenn eine Geschichte sich dann noch mehrere Archetypen nach Carl Gustav Jung bedient, ist Spannung nahezu garantiert.

Zum Ende des Vortrages wird die Kriminalstatistik zitiert. Deutschland ist ziemlich sicher. Auf 100.000 Einwohner kamen im Jahr 2020 durchschnittlich 0,3 Morde. Und gerade Mord ist wohl für Zuschauer*innen so interessant, weil der Täter wissentlich eine lebenslängliche Freiheitsstrafe riskiert und die Tat in Deutschland nie verjährt. Durch kriminaltechnische Untersuchungen ist außerdem die Aufklärungsquote sehr hoch. Damit ist der Vortrag zu Ende. Durch die Chatfunktion ergibt sich die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was auch genutzt wird. So wird, warum True Crime Formate in den letzten Jahren verstärkt angeboten und konsumiert werden. Aber auch, ob es nicht problematisch ist, so viel Mord und Totschlag im Fernsehen zu zeigen. Denn laut dem Fragenden gibt es schließlich die Theorie, dass Darstellungen von Gewalt auch zu Gewalt anregen können.

Quellen:

Präsentation von Prof. Dr. Hermanni als PDF: https://wissensbank.info/wp-content/uploads/2021/10/ARD-Klassiker-TATORT.pdf

Weitere Beiträge von Prof. Dr. Hermanni: https://wissensbank.info/

Bilder:

Gerd Altmann auf Pixabay: https://pixabay.com/de/illustrations/k%c3%bcnstliche-intelligenz-gehirn-hirn-4389372/

ThisIsEngineering von Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-die-auf-einem-whiteboard-schreibt-3862130/

Republica auf Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/m%c3%b6rder-grusel-jimmy-stas-prybar-820017/

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium erste Berufserfahrungen beim ZDF gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und arbeitet jetzt in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.