Teambuilding im Homeoffice

Teambuilding im Homeoffice: Zusammenhalt trotz Abstand

Das Teambuilding im Homeoffice zählt in Zeiten der Coronakrise zu den wohl wichtigsten Herausforderungen für Teamleiter und Führungskräfte aus allen Bereichen der Wirtschaft. Die Arbeit in Remote-Teams steht mittlerweile für Abertausende an der Tagesordnung und hat längst ihren anfänglichen Ruf des Außergewöhnlichen überwunden.

Einige prophezeien sogar, dass Unternehmen sich bewusst dafür entscheiden werden, die Beschäftigung ihrer Mitarbeiter im Homeoffice auch nach der Krise weiterzuführen, um etwa Büro- und Raumkosten einzusparen.

Homeoffice und seine Auswirkungen auf die Teamarbeit

So viele Vorteile die Zusammenarbeit am heimischen Arbeitsplatz auch bieten mag, so müssen wir uns bewusst machen, dass sie uns ebenso vor nie dagewesene Probleme stellt. Dies gilt insbesondere für Teams, deren Erfolge stark vom Miteinander unter Kolleginnen und Kollegen abhängig sind.

Klar ist: eine Videokonferenz zur Besprechung der aktuellen Quartalszahlen ersetzt kein persönliches Meeting im Büro. Zur Feier guter Leistungen kann während des Gesprächs vor dem Bildschirm niemandem auf die Schulter geklopft werden. Ganz zu schweigen davon, dass es sich über die plötzlichen Überraschungen des Alltags doch immer noch am besten gemeinsam lachen lässt.

Es liegt auf der Hand, dass das Ausbleiben solcher Erfahrungen, die Teams auf natürliche Weise zusammenschweißen, das Teambuilding in Remote-Teams erschwert.

Um diesen negativen Effekten des Social Distancings entgegenzuwirken, ist gezieltes Teambuilding im Homeoffice nicht nur wichtig, sondern gar nötig.

Doch wie sehen Teambuilding-Maßnahmen aus, bei denen man sich nicht einmal die Hand reichen kann?

Teambuilding im Homeoffice als Herausforderung

Eventmanagement- und Teambuilding-Experte Paul Bergmann von teambuilding-spiele.de macht darauf aufmerksam, dass gerade eingespielte Teams, die an die Zusammenarbeit am selben Arbeitsplatz gewöhnt sind, mit sozialer Isolation im Home-Office zu kämpfen haben.

„Für Menschen, die ihre sozialen Kontakte hauptsächlich im Berufsalltag pflegen, kann die Arbeit von zu Hause aus schnell zu einer Belastung werden, die sich zunächst in der Leistung des Einzelnen, dann unweigerlich auch in der des gesamten Teams niederschlägt.“

Das Teambuilding im Homeoffice sollte dementsprechend zunächst das Ziel verfolgen, jedes Teammitglied dort „abzuholen“, wo es sich aktuell befindet. Laut Bergmann würde sich für eine erste Einschätzung der Gruppendynamik auch das sogenannte Tuckmann Phasenmodell anbieten.

Zusammenhalt trotz Abstand: 5 Tipps fürs Teambuilding in Remote Teams

Frei nach dem Motto „Zusammenhalt trotz Abstand“ gibt es einige Tipps, die das Teambuilding im Homeoffice bei richtiger Anwendung deutlich vereinfachen werden.

Die Quintessenz aller teambildenden Maßnahmen – ob nun vor Ort oder digital durchgeführt – liegt im Übrigen darin, die Gemeinsamkeiten der Teammitglieder aufzudecken und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

1. Virtuelles Schulterklopfen für mehr Motivation

Lob und Kritik gelten als Motor der Motivation. Wie eingangs erwähnt, erschwert die Distanz zwischen Menschen den Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung. Um dem entgegenzuwirken, können jedoch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Teams, die ihre Projekte über Online-Tools wie Trello, Slack & Co. organisieren, können beispielsweise eine zentrale, virtuelle Notizwand einrichten, auf der Kolleginnen und Kollegen für besondere Leistungen oder Teamkompetenzen gelobt werden.

2. Regelmäßige Videochats abhalten

Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation auf nonverbaler Ebene stattfindet. Die Körpersignale, die wir neben den faktischen Inhalten eines Gesprächs aussenden, bestimmen maßgeblich, wie wir von unseren Mitmenschen (und damit auch anderen Teammitgliedern) wahrgenommen werden.

Der iranisch-amerikanische Psychologe Prof. Albert Mehrabian kam in seiner Forschungsarbeit „Silent messages: Implicit communication of emotions and attitudes“ 1981 zu folgendem Ergebnis:

  • Ton und Stimmlage (Vocal Liking) bestimmen 38% darüber, wie wir von anderen wahrgenommen werden.
  • Weitere 55% der Kommunikation werden von unserer Mimik und Gestik (Facial Liking) bestimmt.
  • Der eigentliche Inhalt einer (emotionalen) Nachricht trägt mit nur 7% wenig dazu bei, wie wir sie letztendlich interpretieren.

Obgleich sich die Erkenntnisse Mehrabians vornehmlich auf die Kommunikation von Gefühlen und Einstellungen beziehen, sind sie auch im beruflichen Kontext nicht zu vernachlässigen.

Allzu oft wird vergessen, dass auch beim Teambuilding im Homeoffice Gefühle und soziale Beziehungen eine wichtige Rolle spielen. Im gemeinsamen Videochat können diese schlichtweg besser übermittelt werden, als etwa in einer E-Mail.

3. Remote-Pausen einräumen

Teamzusammenhalt entsteht nicht allein durch eine dauerhaft konzentrierte Zusammenarbeit. Vielmehr sind es die Kaffee- oder Mittagspausen, bei denen gemeinsame Interessen ausgemacht werden und sich die Kollegschaft über Persönliches austauscht. Im Homeoffice gibt es zwar weder eine Kantine noch eine gemeinschaftliche Kaffeemaschine, doch bedeutet das keineswegs, dass deshalb die Pausen im Team ausfallen müssen.

Was spricht dagegen, ein Stück Unternehmenskultur wie Pausenzeiträume in Videokonferenzen einzuräumen? Auf diese Weise kann der soziale Austausch auch weiterhin stattfinden und das Team fühlt sich insgesamt wohler.

4. Ice Breaker effektiv einsetzen

Der vierte Tipp für das Teambuilding im Homeoffice gilt im Grunde genommen für teambildende Maßnahmen aller Art:

Das „Eis“ muss möglichst früh gebrochen werden! Dafür eignen sich spezielle Ice Breaker Übungen wie zum Beispiel ausgewählte Persönlichkeitstests oder gezielte Fragen an die Teammitglieder.

Es bietet sich an, den Teilnehmern eines virtuellen Meetings die Anspannung zu nehmen, indem gleich zu Beginn der Konferenz ein kleines Kennenlernspiel integriert wird. Es muss nicht lange dauern und ebenso wenig ein komplexes Teambuilding Spiel wie etwa das NASA Weltraumspiel sein.

In der Regel reicht es, wenn jeder Teilnehmer kurz zu Wort kommt und etwas über seine Person preisgeben kann.

5. Teambuilding im Homeoffice locker gestalten

Das Teambuilding im Homeoffice kann zumeist lockerer gestaltet werden, als es am angestammten Arbeitsplatz der Fall wäre. Dresscodes und Arbeitskleidung fallen unter Umständen weg, statt des Bürostuhls darf sich zum Telefonieren und Arbeiten auch gern mal auf die Couch bequemt werden.

Etablierte Softwarelösungen fürs Remote-Working kommen nicht selten mit witzigen Gimmicks einher. So kann beim Videochat-Dienst „ZOOM“ beispielsweise auch automatisch der Hintergrund in ein beliebiges Bild geändert werden.

Wer will, kann noch weiter gehen und „Themen“ für anstehende virtuelle Treffen vorgeben. Wie wäre es mit einem Meeting, welches ganz im karibischen Flair abgehalten wird?

Ob es sich mit Blumenkette und Hawaiihemd besser arbeitet, ist natürlich immer eine Frage des Teams und seiner einzelnen Mitglieder und ganz bestimmt nicht mit jeder Art von Remote-Meeting vereinbar. Nichtsdestotrotz können solche Events die Stimmung im Team ungemein lockern und Hierarchien bei Bedarf niedriggehalten werden.

Zusammenfassung: So funktioniert Teambuilding im Homeoffice

Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass viele Remote Teams auch nach der Coronakrise noch als solche bestehen bleiben. Das Teambuilding im Homeoffice wird daher auch künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger ist es für Teamleiter und Führungskräfte, sich rechtzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Teambuilding im Homeoffice funktioniert nach den gleichen Prinzipien, wie sein konventionelles Pendant. Das Ziel, die Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls, wird hier jedoch über andere Maßnahmen erreicht.

In der virtuellen Umgebung müssen Spiele und Teamaktivitäten gewählt werden, die an die besonderen Voraussetzungen angepasst wurden. Zwar existieren bereits zahlreiche Teambuilding Ideen für die Arbeit am heimischen Arbeitsplatz, doch fehlt es zum jetzigen Zeitpunkt an hinreichenden empirischen Untersuchungen, die sich noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen.

Bis hier neue Erkenntnisse gewonnen werden, bleibt uns nur abzuwarten und auf altbewährte Tembuilding-Modelle wie das Tuckmann-Phasenmodell aufzubauen.

Bildnachweis: Photo by Chris Montgomery on Unsplash
Ramón

Ramón

Freidenker und Texter mit Herz für Details.