Vorwürfe zu Produktionsbedingungen bei GNTM (2/3)

In Teil eines dieses Beitrages ging es um aktuelle Kritik an der TV-Show. Mehrere Ex-Kandidatinnen von „Germanys Next Topmodel – by Heidi Klum“ haben im Mai 2022 zum Teil schwere Vorwürfe erhoben. In Teil eins wurde thematisiert, wer die Anschuldigungen erhebt und warum diese zum jetzigen Zeitpunkt viel Aufmerksamkeit erhalten. In Teil zwei werden die Vorwürfe genannt. Wichtig: Nicht nur Ex-Kandidatin Lijana erhebt diese Vorwürfe, auch YouTuber und ein Ex-Juror. Im dritten Teil des Artikels soll thematisiert werden, welche Folgen die Anschuldigen haben, inwieweit die Aussagen berechtigt sind und ob man als Zuschauer*in die Sendung noch guten Gewissens schauen kann.

Wie lauten die gesammelten Vorwürfe der Beteiligten?

  • Die Produktionsfirma redseven, die im Auftrag von Pro7 das Format GNTM produziert, nimmt für die Unterhaltung körperliche und seelische Verletzungen der Models in Kauf.
  • Ärztlicher Zugang käme z.T. zu spät, manchmal erst nach Tagen. Ein Beispiel für die Inkaufnahme von körperlichen Verletzungen zu Entertainment-Zwecken: In der Staffel 2020 wurden laut Lijana gezielt einigen Models die Füße eingecremt. Diese rutschten in den High Heels dann auf dem Catwalk aus und verletzten sich. Der Wettbewerb soll aus Unterhaltungszwecken manipuliert worden sein.
  • Das Stresslevel werde künstlich erhöht: Lange Drehtage, Isolation in der Modelvilla, kein Handy, kein Fernseher, wenig bis kein Ausgang aus der Villa, Schlafmangel, kaum Kontakt zur Außenwelt, usw. Teilnehmerinnen könnten sich kaum bis gar nicht zurückziehen und entspannen. Das provoziere die allgemeine Stimmung und erleichtere Streitigkeiten.
  • Die Redaktion suche sich Rollenbilder wie „Die Zicke“ oder den „Publikumsliebling“ heraus und würde durch bewusstes Eingreifen in die Handlung künstliche Streits und Situationen erzeugen, die dazu passen.
  • Durch Manipulationstechniken würden den Kandidatinnen Worte in den Mund gelegt. Durch den Schnitt könne man zusätzlich die Realität verdrehen und so noch krasser darstellen.
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https://www.youtube.com/watch?v=O2z7rNSneZ0 Lijana Risen, Video 2
  • Weiterkommen würden nicht die besten Teilnehmerinnen, sondern die Persönlichkeiten, die für die Sendung am interessantesten sind und wahrscheinlich gute Quote bringen. Leistung ist nicht immer der wichtigste Bestandteil im daher intransparenten Wettbewerb.
  • Viele Frauen sollen sich häufig sexy und verführerisch zeigen, obwohl das nicht immer notwendig ist. Die Teilnehmerinnen würden ungewollt sexualisiert, zum Teil passierte das sogar bei Minderjährigen. Solche extremen Shootings (z.B. komplett Nackt) seien in der Modelwelt in der Regel nicht gefragt, unrealistisch und daher auch für die Castingshow nicht relevant. Trotzdem müssten die Models diese Challenges durchstehen.
  • Die Models sollen sich leicht bekleidet zeigen bei Bikini- oder Nackt-Shootings. Auch die Interaktion mit männlichen Models ist vielen unangenehm. Wer nicht mitmachen möchte, wird unter Druck gesetzt: Mit der Konkurrenz mithalten, oder aus der Show aussteigen.
  • Body-Shaming: Vor wenigen Jahren wurde „dickeren“ Models noch geraten, abzuehmen. Laut Studien hat GNTM bei vielen Teenagern zu Essstörungen maßgeblich beigetragen.
  • Die Show bringe keine Models hervor, sondern eher Influencer und TV-Persönlichkeiten. Für die Unterhaltung werde der Fokus von der realen Modelwelt zur Reality-Show verlegt.

Mehr Informationen zu den bisherigen Folgen der Kritik und inwieweit diese glaubhaft ist, gibt es im dritten Teil der Reihe.

Quellen:

Lijana Risen: „Germany’s next Topmodel – was passiert wirklich hinter den Kulissen?“ (Video 1)

Lijana Risen: „Germany’s next Topmodel Enthüllung: was passiert sonst noch so hinter den Kulissen?“ (Video 2)

Rezo: „GNTM Exposed: Mi$$brauch, Lügen und Minderjährige

Bilder:

Unsplash, siehe https://unsplash.com/photos/Zx76sbAndc0

Eva Bloch

Eva Bloch

Eva hat während ihrem Bachelor- und Masterstudium erste Berufserfahrung gesammelt. Momentan arbeitet sie in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.