Analyse von Frauenrollen im Film: Der Bechdel-Test

Gleichberechtigung wird heutzutage auf vielen Ebenen thematisiert. Noch immer gibt es im Film- und Fernsehgeschäft zu wenige Frauen, die mitwirken. Im Fernsehen sieht man oft junge Schauspielerinnen in ähnlichen Rollen. Auch noch im Jahr 2021. Der Bechdel-Test macht das deutlich. Dieser wurde 1985 von der US-amerikanischen Alison Bechdel entwickelt und prüft drei simple Kriterien für Filmrollen von Frauen:

  1. Kommen in dem Film mindestens zwei Frauen vor und wenn ja, haben sie einen Namen?
  2. Sprechen die Frauen miteinander?
  3. Reden die Frauen miteinander über etwas anderes als Männer?

Beispiele für den Bechdel-Test

Man kann sagen, diese Kriterien dürften fast alle Filme und Serien mit Leichtigkeit erfüllen. Falsch gedacht. Denn eine Frau die im Film vorkommt, darf laut dem Test nicht nur eine namenlose Statistin sein, sondern muss zumindest eine kleine Nebenrolle haben. Auch Kriterium zwei ist nicht selbstverständlich. Die SZ schreibt: „In Harry Potter beispielsweise kommen zwar viele starke Frauencharaktere vor, aber sie sprechen selten miteinander. Nur sechs der acht Verfilmungen von Joanne K. Rowlings Romanreihe bestehen den Test.“ Und zuletzt der dritte Punkt des Bechdel-Tests. So ist selbst der Hollywood-Film „Avatar“ von Regisseur James Cameron durchgefallen, weil sich Neytiri und ihre Mutter zwar unterhalten, aber nur über den Hauptdarsteller Jake. Und dieser Kinofilm ist akutell der Erfolgreichste aller Zeiten, wenn man sich die weltweiten Einspielergebnisse ansieht.

Frauen werden in Filmen oft anders dargestellt als Männer.

Fairerweise muss man sagen: Der Test zeigt Tendenzen auf und verdeutlicht den Handlungsbedarf, Frauen weniger sexistisch darzustellen und ihnen mehr Raum zu geben. Jedoch kann ein Film den Test bestehen und trotzdem problematisch sein. So sind einige Feministinnen vielleicht nicht ganz so begeistert, wenn man hört, dass „Pretty Woman“ den Test besteht. Doch auch ein aussagekräftiger Film kann im Test durchfallen. Doch es gibt auch Positivbeispiele für weibliche Filmrollen: Serien wie „Orange is the New Black“ oder „Rizzoli and Isles“ besetzen Frauen in den Hauptrollen und zeigen starke weibliche Präsenz. Hier werden Geschlechterklischees teilweise aufgebrochen.

Positivbeispiele für Filmrollen

Bei „Rizzoli and Isles“ ermittelt Detective Jane Rizzoli vom Boston Police Department in Mordfällen. Immer dabei: Beste Freundin und Kollegin Dr. Maura Isles, die Gerichtsmedizinerin. Zwei starke Hauptrollen, die bewusst unterschiedlich angelegt sind: Jane ist impulsiv, durchsetzungsstark und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Sie kommt aus einer liebevollen, mittelständischen Familie. Ständig mischt sich Janes Mutter in ihr Leben ein. Maura dagegen ist hochintelligent, modisch immer auf dem neuesten Stand und wurde von einer reichen Adoptivfamilie aufgenommen, zu der sie kaum noch Kontakt hat. Jane und Maura lösen zusammen mit den Ermittlern Vince Korsak und Frankie Rizzoli ungeklärte Todesfälle. Die amerikanische TV-Serie basiert auf den Romanen von Tess Gerritsen.

„Orange ist the New Black“ ist ebenfalls eine amerikanische Serie, die jedoch auf wahren Begebenheiten beruht. Piper Kerman schrieb in ihrem Buch „Orange is the New Black – Mein Jahr im Frauenknast“ über ihre persönlichen Erfahrungen. Netflix machte daraus sieben Staffeln Unterhaltung. Die Handlung: Piper Chapman begeht mit Anfang 20 eine Dummheit, und wird mehrere Jahre später dafür belangt. Raus aus der New Yorker oberen Mittelschicht – rein ist staatliche Gefängnis Litchfield. Zu sehen sind Frauen aus allen sozialen Schichten. Wie sie sind: Nicht immer hübsch geschminkt, angepasst und still. Mörderinnen, Betrügerinnen oder Drogensüchtige. Doch hinter der zum Teil krassen Darstellung steckt auch Sozialkritik. Von Müttern, die ihre Kinder beschützen wollten bis hin zu Teenagern, die sich nie verstanden gefühlt haben. Die Zeit schreibt: „Im Laufe der (…) weiteren Staffeln allerdings wurden die Nebencharaktere zu den eigentlichen Stars, für deren psychologische Ausleuchtung sich die Serie viel Zeit nahm. (…) im Fokus steht also die darstellerische Tiefe. So viele charakterlich differenzierte weibliche Rollen bekommen die meisten Casting-Direktoren in Hollywood während eines ganzen Jahres nicht auf den Tisch, geschweige denn das Fernsehpublikum zu sehen.“

Frauenrollen haben in der Film- und Serienlandschaft noch deutliches Potenzial. Es ist nicht zu viel verlangt, dass es in Filmen mindestens zwei Frauen gibt, die namentlich bekannt sind und miteinander über verschiedene Themen sprechen. Das man spannende Geschichten auch ohne Geschlechterklischees erzählen kann, zeigen einige Positivbeispiele.

Quellen:

Süddeutsche: https://www.sueddeutsche.de/kultur/bechdel-test-in-schwedischen-kinos-frauen-die-mit-frauen-sprechen-1.1813032, RollingStone: https://www.rollingstone.de/bechdel-test-film-frauen-erklaerung-1604147/

Film School Rejects: https://filmschoolrejects.com/10-famous-films-that-surprisingly-fail-the-bechdel-test-e54ce002bcfc/, Vox: https://www.vox.de/cms/sendungen/rizzoli-and-isles.html

Zeit: https://www.zeit.de/kultur/film/2019-07/orange-is-the-new-black-netflix-serie-staffel-7?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

Bilder:

cottonbro von Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-frau-verwischen-reflektierung-6877434/

Kyle Loftus von Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-halt-kamera-und-frau-spielt-geige-2510425/

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium erste Berufserfahrungen beim ZDF gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und arbeitet jetzt in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.