Sind Castingshows ein Auslaufmodell?

Deutschland sucht den Superstar (DSDS), Germany´s Next Topmodel (GNTM) oder Das Supertalent. Castingshows begeistern viele Fernsehzuschauer*innen seit Jahren. Doch nur wenige Formate begleiten uns über einen längeren Zeitraum. Warum werden einige Shows nach wenigen Staffeln abgesetzt? Und droht das früher oder später allen Formaten?

Darum sind Castingshows erfolgreich

Das Konzept ist mehr oder weniger immer gleich: Wer sich (in der Regel im Vorhinein) unter Tausenden Bewerber*innen behaupten kann, bekommt die Chane vor der Jury, sein Talent unter Beweis zu stellen. Ist diese einmal überzeugt, stehen jede Woche neue Herausforderungen bevor. Schließlich kommen nur die unterhaltsamsten oder talentiertesten Personen weiter. Dem Gewinner oder der Gewinnerin winkt oft ein Künstlervertrag und ein Preisgeld. Durch interessante Interviews oder die Wohnsituation der Kandidat*innen kann schnell Zusatzmaterial gedreht werden. So fliegen bei GNTM schon mal die Fetzen, wenn dutzende Frauen wochenlang zusammenwohnen müssen. Da ist Unterhaltung und Gesprächsstoff für die Zuschauer*innen garantiert. Man kann zuhause mitfiebern und über die Entscheidungen der Jury sprechen.

Das aus TV-Shows echte Prominente hervorgehen, ist nicht garantiert. Viele ehemalige Kandidat*innen bleiben weiterhin im Showgeschäft als Teilnehmer*innen von Reality-Shows, Moderator*innen oder Influencer*innen auf Social Media. Doch es gibt auch Ausnahmen: „Eine der bekanntesten Siegerinnen einer Casting Show hierzulande ist Lena Meyer-Landrut. Sie gewann nicht nur den deutschen Vorentscheid „Unser Star für Oslo“, sondern 2010 dann tatsächlich auch den Eurovision Song Contest.“, so der WDR. Auch Opernsänger Paul Potts wurde durch eine britische Talentshow weltweit bekannt.

Fernsehproduktionen sind oft sehr aufwändig.

Ein Format kann nicht unverändert bestehen

Ein Beispiel ist die seit 2002 laufende Sendung DSDS. Lange war Chef-Juror Dieter Bohlen mit seinen fragwürdigen Äußerungen ein Quotengarant. Nicht immer wurden Teilnehmer*innen respektvoll behandelt. Es gehörte lange zum Teil der Show, dass weniger talentierte Kandidat*innen von Bohlen gedemütigt wurden. Doch das ist passé: Nun ist Bohlen nicht mehr Teil von DSDS. RTL setzt nun offenbar auf seriöseren Talentwettbewerb. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland interpretiert die Veränderungen in Castingshows so: „Das Publikum wurde zum Voyeur und Zeuge moralischer Grenzverletzungen. Das passiert nach wie vor, jedoch mit weniger Zuspruch. Millionen scheinen es leid zu sein.“ Ein Grund für abnehmendes Interesse kann also die Dramatik hinter der eigentlichen Talentsuche sein.

Auch Germany´s Next Topmodel ist hier ein Beispiel. Das die Fernsehshow von Heidi Klum nicht immer etwas mit der Realität in der Modelbranche zu tun hat, wird immer wieder kritisiert. Die Sendung exisitert bereits seit 2006. Damit sich in 16 Staffeln bei Laufstegen, Foto-Shootings und Castings für Werbekampagnen nicht irgendwann alles wiederholt, denkt PRO7 immer wieder um. Neue Juroren, ferne Länder, der Wettkampf in Teams oder nur noch Heidi als Stammjurorin. Wenn Castingformate bestehen wollen, müssen sie also auch Abwechslung bieten. Doch Heidi Klum wird wohl nicht ewig Chefjurorin bleiben. In der diesjährigen Staffel fragt Kandidatin Dascha diese: „Meinst du, wenn deine Zeit bei ‚Germany’s Next Topmodel‘ vorbei ist, bin ich dann dran?“ Darauf hat Heidi Klum eine ganz klare Antwort: „Nein, das macht meine Tochter dann schon, sorry.“-“ Ob das stimmt, ist unbekannt. Hätte ein GNTM by Leni Klum denn Chancen?

Fazit

Erfolgreiche Castingshows dürfen nicht zu eintönig sein, aber auch nicht zu viel (inszeniertes) Drama bieten. Auch die Anzahl an Shows zu einem Talent ist begrenzt. Kein(e) Zuschauer*in braucht diverse Sendungen zu Singen, Modeln oder Tanzen. Eine Konkurrenzshow muss sich daher deutlich abgrenzen, um Bestand zu haben. So wie bei The Voice of Germany zu DSDS. Wenn man dann noch mit der Zeit geht, wird es auch weiterhin Castingshows geben – vielleicht aber mehr auf Streamingportalen als im linearen Fernsehen.

Quellen:

WDR: https://www1.wdr.de/kultur/film/dokmal/filmische-mittel-doku-dinger-casting-shows-100.html

Redaktionsnetzwerk Deutschland: https://www.rnd.de/medien/endet-die-castingshow-aera-zugunsten-neuer-ernsthaftigkeit-5FMDRDUWBVEX7ZKB36QJBDMKKE.html

PRO7: https://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/news/gntm-2021-uebernimmt-leni-klum-germany-s-next-topmodel-104537

Bilder:

StockSnap auf Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/schwarz-und-wei%c3%9f-im-rampenlicht-2600809/

Alexander Dummer auf Unsplash: https://unsplash.com/photos/aS4Duj2j7r4

Eva Bloch

Eva hat während ihrem dualen Bachelorstudium erste Berufserfahrungen beim ZDF gesammelt. 2021 begann sie den Master an der SRH Fernhochschule und arbeitet jetzt in einem Industrieunternehmen als Werkstudentin im Bereich Unternehmenskommunikation. In ihrer Freizeit liest sie gerne, kocht oder macht Zumba.